Focus Juli: Hitzefrei? – Nein.
 

Focus Juli: Hitzefrei? – Nein.

Werbespending-Analyst Focus Media-Research: Trotz Boom der klassischen Medien – in Summe ein schlapper Juli mit nominell +0,8 Prozent.

Juli 2010, gesamt: Nominell + 0,8 Prozent.
Damit ist der Juli sogar noch unter dem Jänner 2010 der bisher schwächste Monat des Jahres, was Wachstum betrifft.
Hoppla, erste Unterzeile: Klassische Medien: Nominell + 7,5 Prozent – mit dieser Steigerung ist der Juli 2010 nach dem Juni (+14,3 Prozent) und dem März (+9,9 Prozent) in der Sieben-Monate Bilanz 2010 der drittstärkste Monat in Sachen Wachstum der Bruttowerbespendings in den klassischen Medien.
Also, was verhagelt die Bilanz?
Direct Marketing, die Summe aus klassischem Prospekt, B2C-Mails und Zeitungbeilagen.
Wobei Analyst Focus Media Research hier ein kalendarisches Problem hat: Nach Kalender erhoben schreibt DM ein nominelles Minus von 23,2 Prozent; sympathischer, weil monatsbereinigt (Tagesabgleichung – z.B. Beginn der Ferien im Osten…) sind es immerhin nominell +0,7 Prozent.  

Also: In Summe ein mäßiger Juli auf den ersten Blick, aber: Die durchaus positive Entwicklung, die 2010 über das Brutto-Volumen des letzten Boom-Jahres 2008 hinausgeführt hat, geht (auch bereinigt um die Effekte Ambient Media und Online) auch im Juli weiter. 208 Millionen Euro bilanzierte der Juli 2008, brutto, und der Juli 2010 wird mit brutto 223 Millionen ausgewiesen.

Interessante Details im Kleingedruckten: Das bisherige „Boom“-Segment Online hält im Juli 2010, trotz 2010 erweiterter Melderunde, um den wachsenden Markt besser zu erfassen, auf demselben Brutto-Wert wie im Juli 2008 – rund sechs Millionen Euro. Dass die „klassische“ Außenwerbung unter einem gewissen Druck steht – die auffälligen (gut so!) Eigenwerbeplakate und deren dichte Affiche eines Anbieters und eine durchaus respektable Anzahl von Social Ads machen das sichtbar. Allerdings: Das nominelle Minus im Juli von drei Prozent teilen sich die klassischen Außenwerber mit den Ambient-Media Anbietern (die seit 2009 an Focus Umsatzdaten melden).  

Zwischenbilanz, die ersten sieben Monate 2010: In Summe mit brutto Zwei Milliarden Euro Werbespendings ein noch nie erreichter Wert (2009 und auch 2008: Jeweils um die 1,85 Milliarden…). Das sind im Zeitvergleich nominell +6,4 Prozent für den Gesamtkuchen (und nominell +7,4 Prozent für die klassischen Medien).  

Print gesamt und TV gesamt wachsen über dem Marktdurchschnitt, Kino und Gelbe Seiten sogar zweistellig. Nach Werbeträgern in den einzelnen Gattungen weiter differenziert sin die ersten sieben Monate 2010 besonders erfreulich für die Regionalen Wochenzeitungen (nominell +18,7 Prozent), TV-Privat (nominell +16,8 Prozent) und die Tageszeitungen (nominell +8,5 Prozent).
Aus dem DM-Segment verzeichnet Analyst Focus für die Zeitungbeilagen ein nominelles Plus von 8,1 Prozent in den ersten sieben Monaten 2010.  

Dennoch: Euphorie wäre ein Trugschluss, wie Klaus Fessel und Josef Leitner bei der Präsentation der Werbespendings und des aktuellen Werbebarometer am 8.09. aufmerksam machen: Denn nur die Markenartikler sind mit einem nominellen Wachstum von 9,5 Prozent als auch substanieller „Treiber“ identifizierbar. Dass die Medien in eigener Sache nominell +18,9 Prozent Werbedruck in den ersten sieben Monaten entfaltet haben, ist gutes Marketing aber nicht notwendig Ertragssteigerung.
Die Dienstleister liegen exakt auf dem Marktdurchschnitt – und die zweite große Lokomotive, die das Jahr 2009 mit den Markenartiklern „gerettet“ hat, ist zurückhaltend geworden: „nur“ (aber hallo, nur?) nominell +4,4 Prozent Steigerung der Bruttospendings von Handel (LEH) & Versand liegen unter dem Marktschnitt.
Achtbar die nominell +5,0 Prozent der Investitionsgüter (da stecken die Automobile drin…) – sehr schüchtern „Sonstige“ (mit Elektro-, Sport- und Möbelhandel, beispielsweise) mit nominell +2,0 Prozent.  

Dass es nicht ganz so rund läuft, wie die Brutto-Zahlen insinuieren könnten, zeigt das Werbebarometer von Focus aus der Augustbefragung (telefonische Befragung von 300 Geschäftsführern aus der Kommunikationsbranche sowie Marketing- und Werbeleitern aus den Top-Auftraggebern):
Zwei Prozent Wachstum wird da für die nächsten drei Monate prognostiziert (in der Mai-Befragung waren es noch 3,8 Prozent, im Februar lag die Einschätzung sogar bei +4,2 Prozent).
Und, ein untrügliches Zeichen für ein gewisses „Stottern des Werbemotors“ (so analysieren Leitner und Fessel die Situation): Agenturvertreter sind deutlich positiver gestimmt (+3,1 Prozent) als Auftraggeber (+1,9 Prozent).  

Zu den Focus Daten geht es hier .  

Was Alexis Johann, WirtschaftBlatt, zur Entwicklung der Online Werbung im Allgemeinen und der digitalen Plattformen im Besonderen sagt, steht in der Druckausgabe HORIZONT 36-2010, die am 10. September erscheint.
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