Fix: Grasl fordert Wrabetz heraus
 

Fix: Grasl fordert Wrabetz heraus

Der Finanzdirektor stellt sich am 9. August der Wahl zum obersten ORF-Chef.

Lange waren es nur Gerüchte, jetzt steht fest, dass ORF-Finanzchef Richard Grasl Generaldirektor werden will. Grasl kündigte seine Kandidatur am Donnerstag bei der letzten Stiftungsratssitzung vor der Wahl des neuen ORF-Chefs an. Er wünsche sich einen positiven Wettbewerb um die besten Ideen im ORF. Dieser Schritt Grasls war bereits seit einiger Zeit erwartet worden.

Grasl sucht damit das offene Duell mit dem bisherigen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der bereits Ende 2015 angekündigt hatte, für eine dritte Amtszeit kandidieren zu wollen. Sollte Wrabetz gewinnen, würde ihm Historisches gelingen: Noch nie gab es einen ORF-General, der drei Funktionsperioden hintereinander das Unternehmen führte.

Der Generaldirektor zeigte sich nach der Ankündigung Grasls vor den anwesenden Journalisten am Küniglberg gelassen ob seines neuen Konkurrenten: "Das war ja zu erwarten und wurde sechs Monate lang intensiv vorbereitet." Er nehme die Entscheidung Grasls zur Kenntnis. Gleichzeitig kündigte Wrabetz an, dass es auch noch weitere Bewerber geben werde, nannte aber keine Namen. Etwas verschnupft äußerte er sich über die Art der Kommunikation seines Finanzchefs. Er habe seine Kandidatur der damaligen Generaldirektorin Monika Lindner bekannt gegeben, bevor das so in der Presse zu lesen war, sagte Wrabetz. Grasls Pläne waren bereits am Mittwochabend an die Presse durchgesickert.

Uneinigkeit über zukünftige Führung

Grasl betonte, dass es bei seiner Kandidatur um Inhalte und neue Konzepte gehe, es sei keine Kampagne gegen bestimmte Personen. Er habe in den vergangenen Monaten viel mit Wrabetz gesprochen, letztendlich habe man aber unterschiedliche Auffassungen über die Weiterentwicklung des Unternehmens gehabt. Er selbst stehe für eine kollektive Führung und würde dafür auch die Geschäftsordnung ändern. Wrabetz verfolge eher das Modell des Alleingeschäftsführers. "Ich glaube es ist immer besser, wenn Entscheidungen in der Gruppe getroffen werden."

Auch inhaltlich will Grasl demnächst seine Pläne präsentieren und kündigte "viele Neuerungen" an. Dafür wolle er aber erst einmal mit Mitarbeitern und der Belegschaftsvertretung reden. Grasls Team, inklusive der genauen Verteilung der Direktorenposten, soll spätestens zur Wahl am 9. August feststehen. Zudem verwies der Finanzdirektor auf seine durchaus erfolgreiche Bilanz: So habe man den ORF in den vergangenen Jahren saniert und in die schwarzen Zahlen gebracht.

Keiner hat eine Mehrheit

Derweil können sich weder Wrabetz noch Grasl einer Mehrheit im Stiftungsrat sicher sein - und dort fällt schließlich die Entscheidung, wer den ORF in den kommenden Jahren leitet. Zwischen SPÖ und ÖVP herrscht ein Patt - es kommt vor allem auf die unabhängigen Mitglieder des Gremiums an. Einen Deal, wie es ihn bei der Wahl der neuen Rechnungshofpräsidentin gegeben hatte, schlossen SPÖ und ÖVP zuletzt aus. Viele der unabhängigen Stiftungsräte haben sich noch nicht auf einen der Kandidaten festgelegt - sie wollen erst einmal die Konzepte von Wrabetz und Grasl sehen. "Mir sind keine konkreten Gestaltungsideen bekannt", sagte etwa Stiftungsrätin Margit Hauft am Donnerstag gegenüber der "Presse".

Trotz der noch unbekannten Konzepte der beiden Kandidaten: Die Ideen von Wrabetz und Grasl dürften sich in einigen Punkten stark unterscheiden. In Sachen Führung sind die Differenzen bereits jetzt unübersehbar (siehe oben). Der Finanzdirektor steckte zuletzt außerdem viel Energie in die Start-up-Initiative futurelab.261 - Wrabetz bezeichnete das Projekt zuletzt in einem Interview mit der “Presse” als "Garage", die nur eine kleine Ergänzung im Unternehmen sein könne.

"Die Hackln werden tief fliegen"

Wilfried Embacher, Stiftungsratsmitglied der Grünen, sagte am Donnerstag auf dem Küniglberg, dass er sich keine Schlacht um das höchste Amt im ORF wünsche, sehr wohl aber eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Ideen der Bewerber. Wer den ORF kennt, weiß: Vermutlich wird beides passieren. Wrabetz warnte bereits vor einem Monat vor "Hahnenkämpfe zum Gaudium einiger". Und auch einige Stiftungsrats-Mitglieder fürchten, dass die "Hackln tief fliegen" werden.

Thomas Zach, ÖVP-Freundeskreisleiter im Stiftungsrat, äußerte sich derweil positiv über die Kandidatur Grasls. Zach, für den die Bewerbung des Finanzdirektors dem Vernehmen nach keine Überraschung mehr war, sagte: "Das ist der erste Schritt für eine gute Zukunft des ORF." Es werde nun zu einem Wettbewerb der Ideen und Konzepte kommen. SPÖ-Freundeskreis-Leiter Erich Fenninger sieht den ORF, egal wie die Wahl ausgeht, vor einer Zäsur: Das aktuelle Führungsteam werde in der nächsten Geschäftsführungsperiode "so nicht mehr weiterarbeiten", ist er sich sicher. Dabei sei die Mannschaft rund um Wrabetz und Grasl durchaus erfolgreich gewesen. 

Siggi Neuschitzer, Kärntner Stiftungsrat, will sich die Konzepte der Bewerber zunächst ansehen und dann entscheiden: "Das bessere Konzept wird die Kärntner Stimme bekommen", kündigte er an. Stiftungsratsvorsitzender Dietmar Hoscher bezeichnete die Kandidatur Grasls derweil als "wenig überraschend". 
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