"Finale Konvergenz"
 

"Finale Konvergenz"

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Wrabetz: Smart TV läutet massive Veränderungen ein - Davey: Ende von Reality- und Casting-Shows

"Fernsehen kann nicht auf seine Stärke vertrauen, weil die TV-Industrie weltweit vor ganz intensiven Veränderungen steht." Mit diesen Worten gab ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz die Linie für seinen Vortrag am Beginn des zweiten Tages der Österreichischen Medientage vor. Der Grund: "Die Phase der finalen Konvergenz", habe begonnen. Mit den neuen technischen Angeboten über Smart TV und den damit einhergehenden Ergänzugnen "kommmen auf unseren Homescreens alle nur erdenklichen Angebote aus dem Netz auf den Wohnzimmerbildschirm". Die traditionellen Anbieter seien mit bisher nie dagewesener Konkurrenz konfrontiert. Google und Apple stehen laut Wrabetz bereits in den Startlöchern, die Screens zu erobern. "Gegen die Kapitalkraft der beiden Unternehmen ist selbst die News Corp ein mittelständisches Unternehmen", sagte der Generaldirektor.

Für den ORF sei es wichtig, weiter "ungehinderten Zugang zu unserem Publikum" zu haben, "wir brauchen keine Gatekeeper, die Wertschöpfungskette darf nicht geschmälert werden, die Verantwortung für das Programm muss bei uns bleiben".

"Weggabelung"

Sky Deutschland-Programmchef Gary Davey sieht die Fernsehunternehmen ebenfalls vor einer "interessanten Weggabelung" stehen. Es müsse eine Selbstverständlichkeit sein, als Programmanbieter auf allen Plattformen zu sein. Da es zum Fernsehen keine Zugangsbarrieren mehr gebe, komme es auf den Inhalt an: "Was zählt ist der Content", so Davey. Man müsse den Menschen etwas bieten, worüber sie reden, etwa wenn sie sich in der Früh im Büro "beim Wasserspender" treffen. Soziale Medien wie Facebook oder Twitter seien dabei der moderne "Wasserspender", ein Sammelplatz, an dem man sich auch über Programminhalte austauscht.

Inhaltlich sieht der Sky-Manager das Ende von Reality- und Casting- und Tanz-Shows gekommen. Der Lebenszyklus dieser Formate neige sich dem Ende zu. Die Fernsehzukunft gehöre großen und hochqualitativen Drama-Produktionen, wie sie in den USA etwa Pay-TV-Sender wie HBO oder AMC zeigen. Das kreative Potenzial ist in den vergangenen Jahren von den großen Broadcastern zu diesen Kabelsendern gegangen. Der Bezahlsender Sky setze deshalb auch auf eine Kooperation mit HBO und stellt Inhalte des Senders - aktuell etwa die Serie "Boardwalk Empire" - parallel zur US-Ausstrahlung auf Abruf zur Verfügung. Auch Sky will in der Zukunft hochwertige eigenproduzierte Drama-Serien anbieten. "Das ist nicht ganz billig, und es braucht kreatives Potenzial dafür. Und was immer wir machen, es muss anders und besonders sein", so Davey. Binnen zwei Jahren sei dies im Rahmen der Möglichkeiten.

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