Filmförderung: Neues Anreizmodell für Film- u...
 
Filmförderung

Neues Anreizmodell für Film- und TV-Produktion mit hohem zweistelligem Millionenbetrag

BKA / Christopher Dunker
Gleich vier Regierungsmitglieder rückten am Dienstag aus, um die neue Film- und Streamingförderung zu präsentieren. Im Bild (v.l.n.r.): Medienministerin Susanne Raab, Finanzminister Magnus Brunner, Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer und Wirtschaftsminister Martin Kocher.
Gleich vier Regierungsmitglieder rückten am Dienstag aus, um die neue Film- und Streamingförderung zu präsentieren. Im Bild (v.l.n.r.): Medienministerin Susanne Raab, Finanzminister Magnus Brunner, Kultur-Staatssekretärin Andrea Mayer und Wirtschaftsminister Martin Kocher.

Mit der neuen, seit drei Jahren diskutierten Förder-Konstruktion können 35 Prozent der Produktions-Ausgaben refundiert werden. Profitieren werden Kinoproduktionen und erstmals auch Streamingprojekte.

Lange von der Film- und Fernsehbranche gefordert und knapp vor "Ibiza" eigentlich schon beschlussreif, erhält nun auch Österreich ein modernes finanzielles Anreizmodell, um Produktionen im Land zu halten, respektive aus dem Ausland anzuziehen. Mit 1. Jänner 2023 wird demnach das neue Fördermodell implementiert, bei dem bis zu 35 Prozent der in Österreich investierten Mittel refundiert werden - für internationale Filmproduktionen ebenso wie im Streamingsektor oder bei heimischen Vorhaben. Präsentiert wurden die Pläne am Dienstag von gleich vier Regierungsmitgliedern.

3-Säulen-Modell, hoher zweistelliger Millionen-Betrag

Herzstück des neuen Modells ist ein nicht rückzahlbarer Zuschuss von 30 Prozent pro in Österreich realisiertem Projekt, der um weitere 5 Prozentpunkt steigen kann, wenn ökologische Kriterien erfüllt werden. Das System an sich ist im Gegensatz zu den bisherigen Konstruktionen selbst nicht gedeckelt, um das Ausschöpfen von Fördertöpfen im Laufe eines Jahres zu verhindern. In Summe schätzt man die jährliche Fördersumme auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Pro Film liegt der Maximalzuschuss allerdings bei 5 Mio. Euro, pro Serie bei 7,5 Mio. Euro. Erstmals werden mit dem neuen System schließlich auch Streamingproduktionen gefördert.

Konkret setzt man künftig auf drei Säulen. Für internationale Serviceproduktionen gibt es unter dem Titel FISA+ Zuschüsse, die über das Austria Wirtschaftsservice (aws) abgewickelt werden. Hier können Produktionsdienstleistungsunternehmen mit Sitz in Österreich ansuchen, die an dem entsprechenden Projekt respektive dessen Fertigstellung beteiligt sind.

Auch für heimische Fernseh- und Streamingvorhaben, die nicht im Auftrag von Sendern oder Videoabrufdiensten erstellt werden, ist das System FISA+ zuständig, sollte das Gesamtbudget über 1,8 Millionen Euro liegen. Geringer dotierte Produktionen verbleiben weiterhin im Fernsehfonds. Dabei ist es sogar möglich mit einem Österreichbonus über die 35 Prozent Zuschüsse zu gehen, kündigte Medienministerin Susanne Raab (ÖVP) an: "Der Österreichbonus wird dann ausgegeben, wenn es eine überdurchschnittliche Wertschöpfung in Österreich gibt."

Und schließlich wenden sich heimische Kinofilme künftig ausschließlich an das Österreichische Filminstitut, bei dem unter dem Titel ÖFI+ nun die Förderungen zentral abgewickelt werden. Der bisher notwendige zusätzliche Gang zum Filmstandort Austria (FISA) entfällt. "Das ist ein One-Stop-Shop", unterstrich Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne): "Mit diesem Anreizmodell machen wir Österreich international konkurrenzfähig."

"Insgesamt haben wir Nachholbedarf", konstatierte auch Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) bei der Vorstellung des Modells im Bundeskanzleramt. Man sei mit den bestehenden Förderinstrumenten nicht mehr am Puls der Zeit und Österreich zuletzt ins Hintertreffen geraten, was man nun wieder ändern wolle: "Wichtig ist, dass die Wertschöpfung in Österreich stattfindet."

Auch Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) zeigte sich vom vereinbarten Konstrukt angetan: "Das ist ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann." Man habe künftig ein einfacheres Modell, mit dem man sich wieder in den europäischen Kanon einreihe. Zuvor gibt es noch eine kurzfristige Erhöhung bei der nun mit Jahresende auslaufenden Förderschiene Filmstandort Austria (FISA), wurden deren jährliche Mittel von 7,5 Mio. Euro doch bereits im ersten Quartal komplett ausgeschöpft. Hier stocke man nun um 2 Mio. Euro auf, so Kocher.

Filmwirtschaft zeigt sich zufrieden

Große Freude über die Neuregelung herrschte beim Fachverband der Film- und Musikwirtschaft in der Wirtschaftskammer. "Ich freue mich unendlich", zeigte sich Obmann Alexander Dumreicher-Ivanceanu gegenüber der APA vollends zufrieden mit dem Modell: "Es ist eine echte Punktlandung!" Dass die Förderschiene an sich nicht gedeckelt werde, sei die eigentliche Sensation dabei. Damit gebe es künftig kein Rennen mehr darum, wer als erstes einen Antrag einreicht. "Stattdessen löst man die Bremsen für das kreative Potenzial", so Dumreicher-Ivanceanu. Und nicht zuletzt sei der grüne Bonus von 5 Prozent zusätzlich europaweit einzigartig: "Da ist Österreich ein Vorreiter."

Oliver Auspitz, Produzent der MR-Film und Vorstandsmitglied der Film Austria, glaubt nun, mit FISA+  die Wertschöpfung unserer Filme in Österreich vervielfachen zu können. Projekte, die in den letzten Jahren in der Herstellung ins Ausland abwanderten, finden in Österreich nun eine aktive, hochprofessionalisierte und kompetitive Filmindustrie vor.

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