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FH St. Pölten präsentiert Leitfaden für gendersensible Mediengestaltung

Martin Lifka
"TraEx -Transmedia Extensions. Geschlechtsensibles Erzählen für Kinder" ist ein Projekt des Instituts für Medienwirtschaft und des Instituts für Creative\Media/Technologies der Fachhochschule St. Pölten von September 2014 bis Dezember 2016.
"TraEx -Transmedia Extensions. Geschlechtsensibles Erzählen für Kinder" ist ein Projekt des Instituts für Medienwirtschaft und des Instituts für Creative\Media/Technologies der Fachhochschule St. Pölten von September 2014 bis Dezember 2016.

Gegen frauenfeindliche Klischees und für starke Identifikationsfiguren - Die Ergebnisse des Forschungsprojekts "TraeX: Transmedia Extensions" sollen Medienunternehmen dazu anregen, ihre Produkte gendersensibel sowie plattformübergreifend zu gestalten.

Bei dem Forschungsprojekt "TraeX: Transmedia Extensions" der FH St. Pölten wurden aktuelle Medienformate für Kinder unter die Lupe genommen. Dabei wurde das Potenzial von transmedialen Erzählformaten für die gendersensible Formatentwicklung untersucht. Nun wurden die Ergebnisse der Analysen und die Erfahrung aus der praktischen Umsetzung in Form eines Leitfadens für die Praxis in der Formatentwicklung veröffentlicht.

Rosa Ponys und furchterregende Monster

Laut Astrid Ebner-Zarl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienwirtschaft der FH St. Pölten, sind Märkte für Kindermedien in hohem Maße entlang von Geschlechtergrenzen segmentiert. Man wisse aus einschlägigen Untersuchungen, dass Mädchen häufiger Bücher lesen und öfter Radio hören, während Buben vor allem Computerspiele und Comics nutzen. Zudem werden laut Ebner-Zarl geschlechtsspezifische Themen und Gestaltungmerkmale früh festgelegt: Rosa Ponys und Prinzessinnen auf der einen Seite, furchterregende Monster und rote Rennautos auf der anderen sind die deutlichsten Beispiele.

Für Medienunternehmen ergeben sich aus diesem Umstand zwei Probleme: Zum einen fällt es ihnen häufig schwer, Kinder im jeweils anderen Segment anzusprechen und damit den Markt auszudehnen. „So klagen etwa Verlage häufig darüber, dass sie Buben mit ihren Verlagsprodukten kaum erreichen, während umgekehrt die Computerspiele-Industrie Schwierigkeiten hat, Mädchen als Kundinnen anzusprechen“, erklärt Ebner-Zarl. Zum anderen sieht sich die Medienindustrie mit dem Vorwurf konfrontiert, durch die starke Orientierung an geschlechtsspezifischen Stereotypen in der Gestaltung ihrer Produkte zur Reproduktion und Verfestigung von geschlechtsspezifischen Unterschieden beizutragen.

Leitlinien für gendersensible Mediengestaltung

Um zum Lösen dieser Probleme beizutragen, hat die FH St. Pölten im Projekt TraeX in Kooperation mit österreichischen Medienunternehmen folgende Leitlinien für das Erstellen von gendersensiblen Medienformaten für Kinder erarbeitet:

Zu den Leitlinien gehören unter anderem das Vermeiden einer getrennten Zielgruppenansprache für Mädchen und Buben sowie das Vermeiden der Verwendung geschlechtsspezifischer, insbesondere frauenfeindlicher, Klischees beim Gestalten von Charakteren, zudem eine Stereotypen vermeidende grafische Gestaltung.

Transmedialer Erzählkosmos

In einem zweiten Kapitel werden Aspekte des transmedialen Storytellings thematisiert. Bei transmedialen Erzählstrategien werden Geschichten im Unterschied zur crossmedialen Vermarktung nicht bloß von einem Medium in ein anderes transferiert, sondern plattformübergreifend erzählt.

Das Projekt hat analysiert, inwieweit transmediale Formate den unterschiedlichen Nutzungsgewohnheiten von Buben und Mädchen gerecht werden und gleichzeitig Anreize schaffen, sich neuen, bislang wenig genutzten Medien zuzuwenden, Geschlechterrollen zu hinterfragen und alternative Identifikationsangebote zu erproben.

 „Bei transmedialen Formen des Erzählens entsteht der Erzählkosmos erst aus der Zusammenschau aller Medien. Nur dann lässt sich die gesamte Geschichte erfassen. Transmediale Formate bieten aus unserer Sicht große Potentiale für die gendersensible Gestaltung von Kindermedien. Doch derzeit gibt es noch kaum transmediale Produkte für Kinder am Markt“, sagt Andreas Gebesmair, Leiter des Projekts sowie des Instituts für Medienwirtschaft der FH St. Pölten.

Es wird unter anderem empfohlen, einen Kosmos aus Mythen, Figuren, Orten und Artefakten aufzubauen, Partizipation auf Augenhöhe herzustellen und die unterschiedlichen kognitiven, motorischen und sozialen Fähigkeiten der Zielgruppen zu berücksichtigen.

Über das „Projekt TraeX: Transmedia Extensions“

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie im Rahmen des Programms FEMtech FTI Projekte finanziert. Partner im Projekt waren das Institut für Jugendliteratur, Markus Wiemker Game Design, der Jungbrunnen-Verlag, das Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien und die Kinderbuchautorin Rosemarie Eichinger. Hier geht’s zum Leitfaden und weiteren Informationen rund um das Projekt.
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