FG Wien Himmer warnt vor Euphorie
 

FG Wien Himmer warnt vor Euphorie

Fachgruppe Wien Obmann Michael Himmer analysiert Werbeklima Index, Auswertung Wien: „Werbekonjunktur wird in Wien deutlich pessimistischer beurteilt als in Rest-Österreich“.

Im Quartalsweise im Auftrag des Fachverband Werbung und Marktkommunikation vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO erstellten Werbeklima-Index werden pro Quartal knapp 400 Mitgliedsunternehmen österreichweit um ihre Einschätzungen zu Geschäftsgang und Auftragslage in Werbung und Marktkommunikation befragt.
Für den Index 2.Quartal und Ausblick 3. Quartal wurde zuletzt am 27. Juli ein "stabiles Werbeklima" (aus Sicht der Dienstleister) prognostiziert. Bei der Präsentation - siehe Österreich-Charts hier - wurde aber auch klar, dass es ein "West-Ost-Gefälle" gibt - in Westösterreich ist die Branchenstimmung deutlich besser als in der Ostregion, namentlich in Wien.

Fachgruppe Werbung Wien-Obmann Michael Himmer analysiert den WIFO-Werbeklimaindex, Befragung in Wien, für das 3. Quartal 2012 in Schlagworten so: "Das schwieriger werdende wirtschaftliches Umfeld schlägt durch - vor dem Hintergrund der Schuldenkrise bleibt die Zukunft angespannt".

Himmer: "Nach wie vor herrscht zwar eine stabile Stimmung in der Branche. Die Erwartungen der Werbekonjunktur in Wien zeigen aber nach unten", macht Himmer, aufmerksam: Im Durchschnitt der vergangenen drei Monate (April bis Juni 2012) liege der aktuelle Werbeklimaindex mit +12 Punkten noch immer im positiven Bereich - im Mittel der vergangenen 5 Jahre wäre der Index für Österreich bei +15 Punkten gelegen.

Demnach rechnen 69 Prozent der befragten Wiener Werbeunternehmer in den kommenden sechs Monaten nach wie vor mit einer gleich bleibenden Geschäftslage. 16 Prozent gehen von einer besseren Geschäftslage aus (österreichweit: 27 Prozent, Anm.hs). 15 Prozent der Wiener Werbeunternehmen rechnen aber bereits mit einer schlechter werdenden Geschäftslage im nächsten Halbjahr (österreichweit: 8 Prozent, Anm.hs), analysiert Himmer und warnt: "Wiens Werbe-Nachfrageerwartung liegt hinter den Österreich-Ergebnissen!"

Die Nachfrage im 2. Quartal 2012 (+11 Punkte) und die Nachfrageerwartung für das 3. Quartal 2012 (+11 Punkte) seien zwar nach wie vor positiv. Im restlichen Österreich liege der Index sowohl für die Nachfrage im 2. Quartal 2012 als auch für die Nachfrageerwartung im 3. Quartal 2012 bei +22 Punkten.

Himmer: "Sieht man sich die vergangenen 5 Jahre im Österreich-Vergleich an, ist die Nachfrageerwartung mit in Wien im Vergleich deutlich gesunken. Zwar melden 70 Prozent der Wiener Unternehmen ausreichende oder sogar mehr als ausreichende Auftragsbestände, doch die Bindung der Kunden an ihre Agenturen wird immer kurzfristiger".

Seit dem 1. Quartal 2009 werden kaum noch zusätzliche Arbeitsplätze in Wien geschaffen, thematisiert Himmer: 57 Prozent der Unternehmen hätten im 2. Quartal 2012 ihren Mitarbeiterstand gehalten. 24 Prozent - also circa jeder 4. Betrieb - habe zusätzliches Personal aufgenommen.
Aber: "Fast jeder fünfte Betrieb, knapp 19 Prozent, haben angegeben, im 2. Quartal 2012 Mitarbeiter abgebaut zu haben. In Wien hat das schwieriger werdende wirtschaftliche Umfeld bereits auf die Beschäftigungspolitik durchgeschlagen", macht Himmer aufmerksam.

Daraus ergibt sich für den Wiener Fachgruppen-Obmann ein zwiespältiger Ausblick auf das 2. Halbjahr 2012: "Angesichts des fragilen wirtschaftlichen Umfeldes ist für das 2. Halbjahr 2012 von einer Abschwächung der Konjunktur auszugehen. Wir rechnen damit, dass sich die Wiener Werbewirtschaft nicht der bevorstehenden Konjunkturdelle entziehen kann. Offen bleibt, wie stark die Staatsschuldenkrise auf die Realwirtschaft durchschlagen wird. Ich sehe dahinter auch Unsicherheiten öffentlicher Auftraggeber durch Transparenz-Gesetz und Anti-Korruptionsbestimmungen sowie das schwieriger werdende wirtschaftliche Umfeld für den Medienstandort Wien."

Angemerkt sei als Nachtrag eine Anregung an FV und WIFO: Im aktuellen Werbeklima Index sind die Antworten von 358 Mitgliedern des FV (mit 4.244 Beschäftigten) österreichweit ausgewertet (der FV hat nach eigenen Angaben auf Basis des Jahres 2011 rund 22.000 "aktive" Mitgliedsunternehmen österreichweit (davon knapp über 10.000 mit "Werbeagentur-Gewerbeschein") - knapp 4000 Mitgliedsbetriebe in der Werbung und Marktkommunikation haben angestellte Mitarbeiter (in Summe österreichweit fast 27.000).
Anmerkung zur Anmerkung: Mehrfach-Gewerbeschein-Nutzungen sind nicht erfasst.

Die Fachgruppe Wien ist mit fast 7.500 aktiven Mitgliedsbetrieben mit Abstand die größte Fachgruppe im Fachverband Werbung (von denen wiederum lediglich rund 1.370 sogenannte "Arbeitgeberbetriebe" mit angestellten Mitarbeitern sind - es sind in Wien rund 11.900). Heisst im Klartext: Gut 70 Prozent der FV-Mitgliedsbetriebe österreichweit sind EPUs (Einzelpersonenunternehmen) - in Wien sind es über 80 Prozent ... .

Die Stichprobe für die Wiener Auswertung sind 38 Unternehmen mit 1.471 Beschäftigten. Da wäre in Sachen Stichprobengröße und auch Differenzierung "Arbeitgeberbetriebe" und EPUs die eine oder andere systemische Nachjustierung doch überlegenswert, um die wertvolle "Werbeklima-Index"-Analyse mit mehr statistischem Gewicht zu unterlegen... .
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