Felsen der Finanzinformation
 

Felsen der Finanzinformation

Printtitel bleiben primäre und verlässliche Quelle für Finanzinteressierte und Anlegerpublikum. Eine wichtige Frage ist auch, wie man parallel dazu Online-Informationen richtig bewertet und verteilt

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Dieser Beitrag erschien bereits in der HORIZONT-Ausgabe 13/2016 vom 1. April 2016. Hier geht's zum Abo

Ums Geld geht es ja immer irgendwie, in Form von Vertriebserfolgen, Aufmerksamkeit der Leser bezüglich Inseraten und Kaufentscheidungen. Bei den dezidierten Wirtschafts- und ­Finanzmedien ist die Sache wohl noch heikler. Die nimmt die Leserschaft oft als unmittelbare Informationsquelle, nicht nur für die kleinen Konsum- sondern auch für große Veranlangungs- oder Pensionsvorsorge-Entscheidungen. Vor letzerem Dilemma stehen – no na – eher zahlungskräftige Konsumenten, als Mindestsicherungsbezieher. Entsprechend erbittert ist auch das Ringen um die Leser (und Anzeigenkunden). Und ebenso wichtig ist die Zuverlässigkeit und Valididtät der in Print gegossenen Empfehlungen durch die Medienmacher.

Diesen Spagat bewältigt der trend seit Jahrzehnten, und auch wenn (oder weil) das Magazin jüngst umstrukturiert wurde, ist Chefredakteur Andreas Weber guter Dinge: „Kein Medium hat eine seriösere Berichterstattung zu Finanzthemen wie der neue trend.“ Die Zielgruppe steckt Weber weit ab: „Alle, die in diesen ­Null-Zins-Jahren sichere Erträge ­erwirtschaften wollen. Unsere Berichterstattung zielt auf den informierten Anleger ab, ist aber auch geeignet für Leute mit kleineren Geldbörsen. Und wir haben auf Grund der jahrzehntelangen seriösen Berichterstattung mit Sicherheit einen Glaubwürdigkeitsvorteil.“ Dennoch räumt Weber ein, dass Finanzdienstleister generell schon deutlich mehr mit (Print-)Medien kooperierten und stellt überdies klar: „Auch noch so viele Inserate hatten nie Einfluss auf unsere Berichterstattung. Und Kooperationen waren und sind immer klar ausgeschildert.“

Vertrauen mit Veranstaltungen

Seitens des direkten Mitbewerbers Gewinn ortet Geschäftsführer Herbert Scheiblauer einen „Glaubwürdigkeitsvorteil von Print gegenüber Online“ ins Treffen. Das sei bei der oft sehr ­lückenhaften und oberflächlichen Online-Berichterstattung kein Wunder. Der Gewinn hingegen genieße eine besonders hohe Glaubwürdigkeit und enormes Vertrauen. „Wir bekommen jede Menge Leserbriefe und Anfragen zu Erbschaftsangelegenheiten, zu Steuerfragen und zur privaten Geldanlage.“ Zusätzlich verstärke man das Vertrauen mit Veranstaltungen – allen voran die Gewinn-Messe. Auf www.gewinn.com und per App bietet man Printabonnenten neben seriöser Information abseits des Tagesgeschehens auch zusätzliche Features und Services. Gewinn und Top-Gewinn erreichten die an Finanzen Interessierten am effizientesten, wie LAE, MA und ÖAK bestätigten. Besonders spreche man den gehobenen Privatkunden und die Selbständigen, Geschäftsführer und leitenden Angestellten an. Scheibelbauer weiter: „Der Anzeigenmarkt ist generell schwieriger geworden und da sind Finanzdienstleister keine Ausnahme.“

Magazin amerikanischer Prägung

Den Vorteil der etablierten Marke im Land hat Forbes Austria nach einem Jahr am Markt nicht, stattdessen etwa jenen, „über ein internationales Netzwerk auch Zugriff auf eine internationale Geschichtenpipeline zu haben“, wie die stellvertretende Chefredakteurin Heidi Aichinger betont. „So können wir nationale Trends in einen ­internationalen Kontext stellen oder österreichische Unternehmen aus ­einer anderen Perspektive betrachten.“ Forbes Austria sei ein klassisches Wirtschaftsmagazin amerikanischer Prägung, auch mit Kaufempfehlungen, und grundsätzlich sind alle Geschichten mit Zahlen unterlegt. Man versuche die ganz Jungen (um die 20 Jahre) bis „open end“ anzusprechen und oft aus der Perspektive einer Generation Y zu betrachten. Die Start-up-Academy etwa hole vielversprechenende Jungunternehmer vor den Vorhang. Im Magazin rücke mehr „zeitlos Schönes“ mit aktueller Note in den Fokus. Aichinger: „Wir müssen nicht brandaktuell, aber aktuell genug sein.“

Von Unternehmer zu Unternehmer

Das Industriemagazin wiederum ist nur vorderhand ein Medium für die ­Industrie, man firmiert als „Magazin für den unternehmerischen Erfolg“. ­Selbiger dürfte Florian Zangerl schwer abzustreiten sein, er hatte den etablierten Titel vor fünf Jahren per Management-Buyout übernommen, ist seither Herausgeber. Als Chefredakteur fungiert der seit noch viel mehr Jahre im Verlag arbeitende Rudolf Loidl. „Unsere Zielgruppe hat eigentlich das stärkste Nicht-Kommunikationsbedürfnis“, merkt Zangerl an und meint mit der Gruppe alle ab dem mittleren Management in Betrieben ab etwa 40 Mitarbeitern, sowie bezüglich Nicht-Kommunikation die Chefetagen. Die ÖAK-geprüfte Auflage wird an die treuen Leser versandt, und Zangerl ­ortet seitens Industriemagazin insbesondere in der Wirtschafts- und ­Finanz­berichterstattung keine Glaubwürdigkeitkrise beim Publikum. Eher ein Problem sei, siehe oben: die wachsende Ungleicheit zwischen den Kräfteverhältnissen und Kompetenzen der PR-Leute und der Journalisten.

Drei Ex-Chefs und ein Insider-Blog

Den Fokus klar auf Finanzinteressierte gerichtet hat das Monatsmagazin DerBörsianer und will „news to use“, also nützliche Beiträge, für den beruflichen Alltag der Leser liefern. „Wir gelten als eines der Leitmedien der Branche“, nimmt Michael Berl, Leitung Vertrieb, Technik und Finanzen, für das Medium in Anspruch. Man richtet sich an professionelle Marktteilnehmer, „also die Fachelite und Entscheider des österreichischen Kapitalmarkts, die gleichzeitig auch Spitzenverdiener sind“. Sie kommen unter anderem aus Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und börsennotierten Unternehmen und werden crossmedial über Print, Online und Events bei der Stange gehalten. Aber: „Print ist und bleibt die Cashcow der Medienlandschaft, und einem Vertrauensverlust kann man, sofern es ihn gibt, nur mit Qualität entgegenwirken. Wir investieren daher ständig in die Qualität unserer Medien und in kluge Köpfe.“ Davon gibt es mutmaßlich beim Börsianer einige, mit Reginald Benisch (trend), Martin Kwauka (Format) und Hans Weitmayr (Forbes) hat man drei ehemalige Chefredakteure von heimischen Wirtschafts­magazinen im Team.

Auch Online will man primär Relevanz aufzubauen, auf dem Finanzblog derbörsianer.com berichtet ein Insider aus der „Ich-Perspektive“ von und über den heimischen Finanzplatz. ­Besonders „heiße“ Geschichten teilt er per Ad-hoc-Alert via SMS, E-Mail oder Social Media mit der Community. Und das Thema Anzeigenerlöse? Berl: „Als Fachmedium mit hoher Spezialisierung, stringenter Zielgruppe und ­geringem Streuverlust können wir in dem schwierigeren Umfeld sogar profitieren. Wir wachsen und erzielen vernünftige Werbepreise und sind 2016 sogar auf Rekordkurs.“

Positionierung als KMU-Verlag

„Der Werbeeuro sitzt nicht mehr so ­locker wie früher“ ist auch Stefan Böcks Erfahrung, die dem Chefredakteur des Wirtschaftsverlags aber wenig Sorgen bereitet: „Wir sehen uns da in einer guten Position, denn mit Die Wirtschaft als reichweitenstärkstes B2B-Magazin, als Qualitätsfachverlag mit führenden Branchentiteln, erreichen unsere Kunden garantiert jene Entscheider in den Unternehmen, auf die es letztlich ankommt.“ Als KMU-Verlag adressiere man Inhaber und Geschäftsführer von Firmen in der Gastronomie, Hotellerie, im Bau-, ­Automotive- und Handelssektor. „Diese Leser sind in den meisten Fällen sehr stark in die Finanzgebarung ihrer Unternehmen eingebunden. Wir liefern ihnen anwendbares Wissen über Unternehmensfinanzierung, Kreditwesen, Förderungen und alternative Finanzierungsmodelle und nehmen dabei auf die Herausforderungen und Rahmenbedingungen der jeweiligen Branchen Rücksicht.“
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