Fake News: Ist das Internet eine Kloake?
 

Fake News: Ist das Internet eine Kloake?

APA-Fotoservice/Roßboth
APA-Science, Wissenschaft, Medien, TU Wien; Forschung, �sterrei
APA-Science, Wissenschaft, Medien, TU Wien; Forschung, �sterrei

Im Rahmen der Veranstaltung "Bullshit statt Fakten - Das Ende der gefühlten Vernunft?" diskutierte ein prominentes Podium Ursachen und Strategien im Kampf gegen Fake News.

Der Begriff "Fake News" wird derzeit heftig diskutiert - zumeist im politischen Kontext. Doch auch für die Wissenschaft sind Falschmeldungen und manipulative "Nachrichten" ein Thema - sie hat ganz ähnlich wie die Medien mit einem Vertrauensverlust und Anfeindungen zu kämpfen. Ursachen und Gegenstrategien diskutierte ein prominentes Podium im Rahmen der Veranstaltung "Bullshit statt Fakten - Das Ende der gefühlten Vernunft?" bei einem Event von APA-Science. Als Podiumsgäste konnten Michael Lang (Chefredakteur APA - Austria Presse Agentur), Ingrid Brodnig (Journalistin "profi"), Peter Hajek (Markt- und Meinungsforscher), Helga Nowotny (Wissenschaftsforscherin und ehemalige ERC-Präsidentin) und Franz Fischler (Präsident Europäisches Forum Alpbach) gewonnen werden.

"Fake News are no news" hält Helga Nowotny eingangs in ihrer Keynote fest. Nowotny erzählt, dass Fake News heute wie Falschgeld offen gehandelt würden - alle wüssten davon, und solange es Abnehmer gebe, würden diese auch weiter im Netz zirkulieren. "Wir können nicht mehr davon ausgehen, dass Wissenschaft und Fakten von den Menschen geglaubt werden", sagt sie und zeigt anhand eines Vier-Stufen-Planes auf, was die Wissenschaft tun kann, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Erstens: Wissenschaft darf sich nicht mehr in die Defensive drängen lassen. Zweitens: Wissenschaft muss besser vermitteln, worin das wissenschaftliche Arbeiten besteht. Drittens: Wissenschaft muss die Erwartungen, die Menschen haben, mit den Ereignissen, wie sie tatsächlich passieren, in ein Verhältnis zueinander stellen. Viertens: Wissenschaft muss erkennen, dass Wissen nicht automatisch zum Handeln führt.

Nur ein Mausklick entfernt

Recherche, Transparenz und Quellengenauigkeit - aus diesen drei Zutaten besteht laut Ingrid Brodnig das Rezept, um Fake News Einhalt zu gebieten. Falschmeldungen habe es immer schon gegeben, konstantiert Brodning, neu sei aber die Geschwindigkeit dahinter und die Schwierigkeit, Menschen mit Nachrichten zu erreichen. "Heute ist es sehr viel schwieriger, gewisse Menschen mit der Richtigstellung einer Falschmeldung zu erreichen und mit Menschen Gespräche zu führen, die anderer Meinung sind. Und das, obwohl sie nur einen Mausklick entfernt sind", sagt sie. Zudem haben Menschen das Vertrauen in Institutionen verloren - das belegt auch der vor wenigen Tagen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos veröffentlichte "Edelman Trust Barometer". Von dieser Vertrauenkrise sei laut Brodnig auch die Wissenschaft betroffen, die gleichzeitig festhält, dass Medien ebenso Teil dieses Problems seien, indem sie jene wissenschaftlichen Studien aufgreifen, die "die Studienergebnisse am reißerischsten und einfachsten zusammenfassen".

Dass Journalisten den Drang haben, Informationen zuzuspitzen und verkürzt darzustellen, weiß auch Peter Hajek. Er verteidigte seine Zunft gegen die jüngsten Vorwürfe, sie habe bei der britischen "Brexit"-Abstimmung ebenso versagt wie bei der US-Wahl. Die Medien drängen laut Hajek auf konkrete Zahlen und würden relativierenden Kontext, Schwankungsbreiten und Unsicherheiten nicht immer akzeptieren.

Die gefühlte und die echte Wahrheit

Geht es nach Michael Lang, sollten sich Journalisten nicht fragen, was sie gegen Fake News, sondern was sie für True News tun können. Lang appelliert, dass sich Journalisten "wieder ein bisschen mehr Zeit für Recherche nehmen müssen" - trotz Multimedia-Produktion und Live-Berichterstattung dürfe die klassische Recherche nicht auf der Strecke bleiben.

Franz Fischler hält fest, dass Fake News "in der Politik ein politisches Instrument waren, dass man gezielt in Form der Intrige eingesetzt hat". Die von Brodnig angesprochenen Themen Recherche, Transparenz und Quellengenauigkeit würden das Problem alleine nicht lösen können, "Gesetzmäßigkeiten müssen überlegt werden", fordert Fischler. Das Vertrauen der Menschen in Experten sei heute nicht mehr vorhanden und "man verlässt sich auf die, bei denen man sich verstanden fühlt". Diese Entwicklung sieht Nowotny ebenfalls kritisch: "Wenn das Internet eine Kloake ist, dann muss ich lernen, wo steige ich hin und wo steige ich nicht hin." Laut Fischler werde "die Kluft zwischen der gefühlten und der echten Wahrheit immer größer". Um dagegen vorzugehen, brauche es einen "gesellschaftlichen Schulterschluss".
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