Fake News, das sind die anderen
 

Fake News, das sind die anderen

Reuters Digital News Report

Das Vertrauen in Nachrichten sinkt laut dem neuen Reuters Digital News Report markant – vor allem aber bei Quellen, die man selbst nicht nutzt. Zugleich steigt das generelle Interesse an Nachrichten. Das bietet für etablierte Medienmarken Chancen.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 25/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Im Hinblick auf Misstrauen gegenüber Online-Nachrichten ist Österreich laut dem neuen Reuters Digital News Report noch immer die sprichwörtliche „Insel der Seligen“: Nur 38 Prozent der heimischen Nachrichtenkonsumenten machen sich demnach Sorgen darüber, welche Internetnachrichten denn nun eigentlich wahr oder „fake“ sind. Niedriger sind die Werte im Vergleich zwischen 37 Ländern – mit weltweit 74.000 Befragten – nur in Deutschland, der Slowakei, Dänemark und den Niederlanden. Das durchschnittliche Misstrauen gegenüber Internetnachrichten liegt bei 54 Prozent, der Spitzenreiter ist Brasilien – Stichwort: Korruptionsskandale – mit 85 Prozent, die am Wahrheitsgehalt von Online- News zweifeln.

Wie in anderen Ländern ist allerdings auch in Österreich das „Allgemeine Vertrauen in Nachrichten“ innerhalb nur eines Jahres signifikant gesunken: Es liegt nunmehr bei 40,7 Prozent, das bedeutet ein Minus von 4,4 Prozentpunkten innerhalb eines Jahres. Nur scheinbar paradox ist dabei, dass das Vertrauen in die jeweils eigene Nachrichtenquelle zugleich steigt: Für 54,8 Prozent – und damit 1,7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr – ist die Nachrichtenquelle ihres Vertrauens über jeglichen Zweifel erhaben. Das größte Misstrauen gegenüber dem Wahrheitsgehalt von Nachrichten im Allgemeinen und auch das geringste Vertrauen in die eigene Nachrichtenquelle ist dabei in der Gruppe der 25- bis 37-Jährigen zu finden.

Social Media überrunden Radio

Tatsächlich ein Paradoxon ist allerdings die weiter steigende Relevanz von Social Media als Nachrichtenmedium bei gleichzeitig steigendem Misstrauen ihnen gegenüber: 48,9 Prozent der Österreicher nutzen Social Media inzwischen als Nachrichtenquelle. Für 11,6 Prozent sind sie bereits das primäre Informationsmedium. Damit haben Social Media laut dem Reuters-Report heuer Radio als primäres Informationsmedium überholt. Auf den ersten drei Plätzen liegen allerdings, weiterhin einigermaßen abgesichert, klassische Medien: 29,4 Prozent informieren sich primär durch TV-Nachrichten, 20,9 Prozent durch Zeitungen und 13,2 Prozent durch den digitalen Content von Zeitungsmarken (App/Web).

Social Media ist dabei immer weniger mit Facebook gleichzusetzen: Zwar wird das Portal weiterhin von 30,4 Prozent der Befragten auch für Nachrichtenkonsum genutzt, das bedeutet aber ein Minus von 3,7 Prozentpunkten innerhalb von einem Jahr nach 1,6 Prozentpunkten minus schon im Jahr davor. Zu beobachten ist dabei, dass sich die Nachrichtenkonsumenten auf immer mehr unterschiedliche – auch kleine und kleinste – Plattformen aufteilen. Inzwischen kann sogar Pinterest 2,3 Prozent Publikum vorweisen, das dort nach Nachrichten sucht.

Nach Nachrichten gesucht wird allerdings immer weniger, im Gegenteil: Der Anteil jener, bei denen die Suche nach Nachrichteninhalten im Web am Anfang des Online- Nachrichtenkonsums steht, sinkt seit Jahren konstant und liegt nun bei 37,9 Prozent. Umgekehrt konsumieren 60,9 Prozent der User hauptsächlich jene Nachrichten, die ihnen ihr Stammmedium anbietet – und das bei stetig steigendem Nachrichteninteresse: „Äußerst“ oder „sehr“ interessiert an Nachrichten zeigen sich 69,1 Prozent aller Befragten. Dabei ist zu beobachten, dass die Gruppe der mehr oder weniger Desinteressierten mit derzeit 4,8 Prozent während der letzten Jahre im Wesentlichen unverändert groß blieb, aber dafür immer mehr „einigermaßen“ Interessierte in die Gruppe der „sehr“ interessierten Nachrichtenkonsumenten wechseln.

Hohes Interesse an Nachrichten, hohes Vertrauen in etablierte Medienmarken und noch höhere Treue zum Stammmedium – theoretisch traumhafte Zeiten für Medienhäuser. Theoretisch. Denn auf den bisher gängigen Vertriebswegen lassen sich die Leser und User immer schlechter erreichen. Innerhalb eines Jahres ist etwa der Anteil jener, die hierzulande Zeitungen im Abo konsumieren, um 1,8 Prozentpunkte gesunken. Gleichzeitig ist aber die Zahl der zahlenden Bezieher von Online-News um 1,1 Prozentpunkte gewachsen.

Blick in den Norden macht Mut

Insgesamt befindet sich Österreich allerdings noch im internationalen Schlusslicht-Bereich, wenn es um die Bereitschaft geht, für Online-Nachrichten zu bezahlen: Nur 8,5 Prozent haben innerhalb des letzten Jahres für Online-Nachrichten gezahlt. Wie viel Luft nach oben Medienmarken jedoch haben, zeigt ein Blick in Europas Norden: In Schweden zahlen bereits 26 Prozent für Online-News, in Norwegen sogar schon 30 Prozent aller Nachrichtenkonsumenten.

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