European Newspaper Congress: Wachsen oder Ver...
 

European Newspaper Congress: Wachsen oder Verschwinden

Medienfachverlag Oberauer/APA-Fotoservice/Schedl

Klassische Medienhäuser brauchen Mut zur Veränderung, um die Revolution am Medienmarkt bewältigen zu können. So lautete die Botschaft des European Newspaper Congress in Wien. "Grow or go" sei die Devise, erklärte Burda-Vorstand Philipp Welte.

Der Burda-Konzern habe "sehr früh erkannt, dass wir uns verändern müssen. Das traurige Sterben unserer Industrie ist längst Realität geworden". Statt den Abgang zu machen, habe sich Burda Wachstum verordnet. Im Fokus stehen dabei neue Erlösströme, um unabhängiger von der "Volatilität" des Werbemarkts zu werden. 2017 sei ein "historisches Jahr" gewesen, in dem man die ersten Früchte des "tiefgreifenden Transformationsprogramms" erntete: 28 Prozent des Umsatzes stammten aus neuen Erlösquellen "rund um unsere legendären Marken".

Denn die "publizistische, verlegerische DNA" dürfe nicht mutieren, warnte Welte: "Je mehr Technologie, umso bedeutender wird die Sehnsucht der Menschen nach dem Gegenteil, nach Emotionen. Die Menschen lieben unsere Produkte, das gilt nicht nur für Burda, das gilt für gesamte Industrie."

Rutishauer skizzierte die "Antwort der Tamedia auf die Schweizer Medienrevolution". Denn sinkende Auflagen, sinkende Werbeeinnahmen, das plagt auch die eidgenössische Branche. Die Tamedia habe früh digitalisiert, "von dem her haben wir nicht unbedingt Alarmstimmung". Doch nun stelle man sich "redaktionell ganz neu auf". Die insgesamt zwölf Bezahlzeitungen werden neu von zwei Zentralredaktionen erstellt. Das bedeute die Zusammenführung von 145 Journalisten und 14 Ressorts, umriss Rutishauser das "Projekt 2020 Tamedia". Die Herausforderung sei, den Lesern keinen "Einheitsbrei" zu servieren, sondern die Unabhängigkeit der Titel zu wahren - etwa durch viele regionale "Fenster" im Mantel.

Das bisherige Feedback von Publikum und Politik sei überwiegend positiv. "Die journalistische Qualität hat nicht darunter gelitten", so das Fazit des Chefredakteurs. Er sei sich aber der demokratiepolitischen Dimension bewusst in einem Land wie der Schweiz, wo direkte Demokratie eine solch große Rolle spiele. Selbst in einer "Einheitszeitung" den innerschweizerischen Diskurs zu ermöglichen und darzustellen, "das ist es, woran wir uns messen lassen müssen".

Erfolgreich fahre die Tamedia auch mit ihrer Bezahlstrategie. "Wir haben 2017 angefangen, einzelne Artikel auf Bezahlen zu schalten", dies habe eine "massive Vergrößerung der Bezahlbeziehungen" gebracht. Tages- , Kurz-, Vollabos hätten zugelegt. "Etwa ein Drittel all der Leute, die bei uns einen Artikel kaufen, kaufen nicht nur einen Artikel, sondern ein Abo, das sie irgendwie verlängern", berichtete Rutishauser.

Gruner + Jahr stellt neues Personality-Magazin vor
Einen Magazin-Neustart, der im Herbst kommen soll, kündigte Gruner + Jahr-Vorstand Stephan Schäfer an. Nach Barbara Schöneberger, Eckart von Hirschhausen und zuletzt Joko Winterscheidt wird Guido Maria Kretschmer der vierte Promi, der bei Gruner + Jahr seinen Namen für ein eigenes Persönlichkeitsmagazin hergeben wird.

"Persönlichkeitsmagazine sind kein Werbe-Gag", bilanziert Schäfer die Performance des neuen Heft-Genres. Für "Barbara" sei der Verlag zunächst belächelt worden, nun geht das Heft erfolgreich ins dritte Jahr, so der G+J-Vorstand stolz. Er bezeichnete in Wien "Barbara" als die "bestverkaufte Frauenzeitschrift in diesem Segment". Nun kommt also ein vierter, eng auf den Namensgeber zugeschnittener Titel - mit dem charmanten "Shopping Queen"-Moderator, bekannt von Vox und RTL. "Guido Maria Kretschmer ist der Vierte, mit dem wir noch in diesem Jahr ein neues Projekt starten", sagte Stephan Schäfer.

Wie genau das Heftkonzept aussehen soll - und wie es heißen wird -, verriet er allerdings noch nicht. Es werde allerdings "monatlich" erscheinen und "im Herbst" an den Kiosk gehen, so der G+J-Manager. Redaktionell zuständig wird ein Redaktionsteam rund um "Brigitte"-Chefredakteurin Brigitte Huber, die bereits "Barbara" erfolgreich etabliert hat. Der Neustart wird sich damit in die Titeloffensive bei Gruner einreihen, wo in den vergangenen Jahren 30 neue Titel lanciert wurden. "Ein Verlag bedeutet, dass wir Kreativität finanzieren", sagte Stephan Schäfer in Wien. "Das ist die Grundaufgabe." Die Bemühungen um mehr Innovation, das der Hamburger Verlag mit dem Ideenprojekt der "Grünen Woche" institutionalisiert hat, setzt sich damit fort. "In der Innovation liegt das Geschäft von morgen", so Stephan Schäfer.

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