„Es ist noch nicht zu spät“
 

„Es ist noch nicht zu spät“

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Ex-RTL-Gründer Helmuth Thoma diskutierte mit SPÖ-Mediensprecher Josef Cap über das "Missverständnis Medienpolitik".
Ex-RTL-Gründer Helmuth Thoma diskutierte mit SPÖ-Mediensprecher Josef Cap über das "Missverständnis Medienpolitik".

Helmuth Thoma und Josef Cap im Gespräch mit Harald Fidler.

Als letzter Höhepunkt des ersten Tages der Österreichischen Medientage bat "Standard"-Medienredakteur Harald Fidler zwei Herren auf die „Rote Couch“, die – aus denkbar unterschiedlichen Gründen – maßgeblichen Anteil am Antlitz der heutigen österreichischen Fernsehlandschaft haben

Auf der einen Seite: Helmuth Thoma, einst Mitarbeiter der ORF-Rechtsabteilung später Gründungsgeschäftsführer von RTL und ebenso Gründer der Österreich-Werbefenster der RTL-Sendergruppe. Thoma rückblickend dazu: „Das war das perfekte Geschäftsmodell – keine Programmkosten, nur Werbeeinnahmen.“ Und fast entschuldigend fügt er hinzu: „Meine Aufgabe war ja damals den Umsatz von RTL zu maximieren und nicht den österreichischen Medienmarkt zu schützen.“

Auf der anderen Seite der roten Couch: Der Langzeit-Mediensprecher der SPÖ, Josef Cap. Mitverantwortlich für die späte und dann zaghafte Liberalsierung von Rundfunk in Österreich, „Schutzmantelmadonna“ des ORF.

Fidler bemühte sich redlich den beiden Herren ein gehaltsvolles Gespräch über das Missverständnis Medienpolitik zu entlocken, allein es gestaltete sich schwierig. Cap war schwer greifbar, beschwerte sich eingangs darüber, dass über die österreichische Medienlandschaft – und da schließt er die Medienpolitik mit ein - immer nur geschimpft würde. „Man kann über alles diskutieren, aber ich wehre mich dagegen, dass wir immer ins Mittelalter zurückgeredet werden.“ Von Fidler auf das Thema Medienkonzentration (Mediaprint, Verlagsgruppe News) angesprochen meint Cap sinngemäß, lieber seien ihm eine Konzentration innerhalb von Österreich als ausländische Medienkonzerne à la Murdoch.

Thoma kontert: „Die deutsche Medienpolitik ist eine Katastrophe, die österreichische ist noch ein Stück katastrophaler.“ Das große Versäumnis Österreichs sei gewesen, die Entwicklung des Satellitenfernsehens nicht als Chance genutzt zu haben, österreichisches Kreativtalent ins Ausland zu exportieren. Aber, sagt Thoma: „Es ist noch nicht zu spät“. Denn durch die Digitalisierung sei der Fernsehmarkt immer noch in Bewegung. Für Thoma stellt sich überhaupt die Sinnfrage beim ORF. Er sei ein Relikt aus Zeiten, in denen Frequenzressourcen knapp waren, was heute nicht mehr der Fall sei. Seine Empfehlung, einst wie heute, ist eine radikale: Den ORF zumindest teilweise privatisieren, das Geld für Produktionen nutzen, die das kreative Potenzial des Landes nutzen, und ins Ausland exportieren. Dem setzt Cap entgegen, dass auch er für den Kulturexport sei, aber dieser doch sehr wohl auch vom ORF geleistet werden könne.

Caps Antwort auf Fidlers Frage nach Interventionen im ORF erntete im Publikum nur Kopfschütteln: „Wenn der journalistischen Objektivitätspflicht in einem Beitrag nicht nachgekommen wird, wird das Publikum wegschalten. Daher lohnt sich das nicht.“ Dann lenkt er ein und meint: „Natürlich hat es hier in der Vergangenheit den ein oder anderen Fehlgriff gegeben. Aber wesentlich ist, wie die Journalisten damit umgehen.“ 

Fidler fragt auch nach, ob Gerhard Zeiler, wie das Gerd Bacher zuletzt gemeint hat, den ORF retten könnte? Thoma: „Der wird doch nicht den Wunsch haben, plötzlich zu verarmen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das macht. Außerdem kann der jetzige Generaldirektor gut mit Zahlen umgehen, und das wird in Zukunft das Wichtigste sein beim ORF, nämlich sparen.“ Cap will sich auf Spekulationen um Zeiler nicht einlassen und meint schlicht: „Ich sehe keinen Grund warum Wrabetz nicht wiedergewählt werden sollte.“ Nachsatz: „Das entscheidet der unabhängige Stiftungsrat.“ Das Schmunzeln im Publikum bringt Fidler zu der Frage, ob es nicht ehrlicher und effizienter wäre, die Politikerklausel, wonach Politiker selbst nicht in den Stiftungsrat des ORF dürfen, aufzulösen. Darauf denkt Cap kurz nach und sagt in ostentativem Wienerisch: „Naaa.“
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