,Es ist jeden Tag Full Speed!‘
 

,Es ist jeden Tag Full Speed!‘

Seit Jahresbeginn fungiert Gerhard Riedler als Mediaprint-Geschäftsführer und Krone-Prokurist – ein Gespräch über Aussichten, Größe, Anzeigenmärkte und Gewinnerwartungen

Donnerstag, 25. Juli, 15. Stock im Mediaprint-Haus in der Wiener Muthgasse: Mediaprint-Geschäftsführer Gerhard Riedler, bis Ende März parallel zum Mediaprint/Krone-Engagement Geschäftsführer des TV-Vermarkters IP-Österreich hat ein Büro mit Blick auf Kahlenberg und Bisamberg stadtauswärts...

HORIZONT: Eher launig an einem so hitzigen Tag zum Einstieg: Was fehlt Ihnen gegenüber dem vorangegangenen Job bei der IP in der Gumpendorferstraße?

Riedler: (lacht) Gar nichts, meine Tage sind sehr ausgefüllt und spannend. Am ehesten noch die Dachterrasse (mit fulminantem Blick auf den Naschmarkt, Anm.).

HORIZONT: Und was sind die Unterschiede?

Riedler: Der Apparat ist ein riesiger. 400 Menschen, die zum engsten Team zählen, hinzu kommen die Kundentermine, die Beteiligungen, die Regionalbüros. Dazu kommen noch viele neue Erfahrungen, die ein Printunternehmen mit sich bringt. Aber natürlich sind es auch die Dimensionen: Eine normale Kollektivvertrags-Erhöhung für Redaktionen, kaufmännisches Personal und Druck kostet im Schnitt ein paar Millionen Euro... Das muss erst einmal erwirtschaftet werden!

HORIZONT: Sie sind seit 2. Jänner einer der drei Mediaprint-Geschäftsführer - wer macht was in der Geschäftsführungs-Troika der Mediaprint?

Riedler: Bernhard Schneider als Vertreter der WAZ respektive Funke Gruppe macht Finanzen, Druck und Logistik. Thomas Kralinger, auch Geschäftsführer des Kurier, ist in der Mediaprint für den Vertrieb beider Medien, IT und eben die Kurier-Agenden zuständig und mein Aufgabengebiet sind Marketing und Anzeigen-Vermarktung beider Medien sowie alle Krone-Themen. Eine Aufteilung nach Medien ist in der Mediaprint im Moment kein Thema.

HORIZONT: In der ersten Aussendung der Mediaprint im Oktober steht ein prosaischer Satz: "vertritt auch die Interessen der Familie Dichand"...wie ist das zu verstehen?

Riedler: Innerhalb der Mediaprint darf jeder Gesellschafter einen Geschäftsführer stellen und ich bin der Geschäftsführer seitens der Familie Dichand - das meint: Die Interessen vertreten. Das Pendant beim Kurier wäre Thomas Kralinger, der die Interessen von Raiffeisen vertritt. Bernhard Schneider sitzt am Ticket der WAZ (Funke). Für mich präsentiert sich die Familie in Person des Christoph Dichand, aber dahinter stehen auch andere Familienmitglieder wie Helga Dichand oder Geschwister.

HORIZONT: Es gibt ja eine lange Historie mit Schiedsgerichten zur Pattstellung aufgrund divergierender Interessen von WAZ und der Familie Dichand - wie stellen sich diese Konflikte für Sie dar?

Riedler: Die Interessen sind sehr ähnlich. Die Schiedsgerichts-Thematiken sind beigelegt. Zum Syndikatsvertrag (Gewinnaufteilung Krone und Kurier im Verhältnis 70 zu 30, Anm.), zuletzt zu den Abo- und Copypreiserhöhungen der Krone und zum Thema Chefredaktion, die in der Personalie Georg Wailand gelöst wurde, der neben Christoph Dichand als Chefredakteur fungiert, hat man sich geeinigt. Es ist Ruhe am Schiff. Es ziehen hier alle an einem Strang - es gibt keine große Kampfstimmung, wie man von außen oft hört. Es gibt übliche Interessensunterschiede in Sachthemen wie in den meisten Gesellschaften.

HORIZONT: Das Erbe ist verteilt?

Riedler: Davon weiß ich nichts.

HORIZONT: Nun gab es am 25. Juli aus Deutschland eine Bombenmeldung: Der Springer Verlag in Deutschland hat seine halbe so genannte DNA in Form von ,Hörzu' und Regionalzeitungen an WAZ, sprich Funke, verkauft. Das kostet viel Geld. Nun gab es immer wieder das Thema, dass die Familie Dichand Interesse an einem Rückkauf der WAZ-Anteile hat - kommt dieses Thema wieder? Könnte die Familie Dichand ein wenig den Großeinkauf der WAZ mitfinanzieren - kolportiert werden 920 Millionen Euro, davon finanziert der Verkäufer via Kredit an den Käufer 260 Millionen Euro mit?

Riedler: Das kann ich nicht beantworten. Ich habe von niemandem gehört, dass er Anteile verkaufen oder kaufen möchte, nicht einmal gerüchteweise. Die WAZ hat sehr viel Geld für etwas bezahlt, die Springer-Titel, wo sie wohl wissen, wie sie das finanzieren und was sie damit tun, und das wird schon gut sein. Aber ich habe es gestern erst erfahren. Es hat heute noch keine Auswirkungen auf mein Geschäft hier und ich glaube das wird es auch nicht haben. Dass ein Erfolgsdruck da ist und ein Gesellschafter wie die WAZ Renditen erwartet kann man sich vorstellen, das ist in jedem Unternehmen so.

HORIZONT: Stichwort Rendite: Das Konzernergebnis der Mediaprint ist im letzen Jahr deutlich gesunken - von 20,1 Millionen auf 4,6 Millionen laut 'Der Standard'-Medienhausranking. Vor drei Jahren waren es noch 40 Millionen. Dazu gab es auch Kommentare - aus Essen wie Wien - ...?

Riedler: Die Zahlen kann ich jetzt nicht bestätigen, Fakt ist aber, dass der Gewinn in den letzten Jahren gesunken ist - aber die Printerlöse sind auch dank der starken Marktposition und der unveränderten Abozahlen der Krone in den letzten Jahren sehr stabil. Im Rubrikenmarkt bei Immobilien, Personal gehen Umsätze weg, wobei das beim Kurier noch wesentlich mehr weh tut. Das ist wohl auch ein Umsatz, der unwiederbringlich wegfällt. Beim Kurier machte der Rubrikenmarkt in den besten Zeiten, noch bis ins Jahr 2009, gute 40 Prozent vom Anzeigenvolumen aus, bei der Krone ist der Anteil nur etwa zehn Prozent.

HORIZONT: Wie hoch ist der Gesellschafterdruck auf Gewinnsteigerung?

Riedler: Die Gewinnerwartungen sind realistisch - natürlich sind die Gewinne nicht wie in den 80er und 90ern. Aber die Prognosen sind so, dass alle Gesellschafter gesagt haben, mit diesen Budgets gehen wir gerne ins nächste Jahr. Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Der Herbst wird natürlich die Nagelprobe und ich hoffe dass der Funke, der da ist, überspringt. Es gibt eine Aufbruchstimmung - meine Kontakte in die Wirtschaft sind unverändert sehr gut. Aber das alles Entscheidende ist: Die Krone ist die unumstritten stärkste Zeitung des Landes, in allen Zielgruppen, beim Tausend-Kontakt-Preis....

HORIZONT: In Wien sieht´s ein bisschen anders aus: Wie weh tut die Gratiskonkurrenz wirklich?

Riedler: Jede Konkurrenz tut weh, weil sie etwas wegzwickt - das betrifft uns insbesondere im Anzeigenbereich.

HORIZONT: Oder es erfreut, weil Heute über eine Stiftung einem Familienmitglied gehört...

Riedler: Heute und Österreich sind jedenfalls ernstzunehmende Konkurrenz, wo es mir lieber wäre es gäbe diese nicht.

HORIZONT: Nun ist die Mediaprint mit nach eigenen Angaben 1161 Mitarbeitern laut Standard-Ranking (im Gespräch korrigiert Riedler die Zahl auf 1550, Anm.) ein seit Bestehen 1988 sehr erratisch zusammengesetztes Konstrukt - angedockt die beiden Tageszeitungsredaktionen mit dem gewaltigen Dienstleister Mediaprint für Druck, Vertrieb und Anzeigen dazwischen - wie gehen Sie mit der Struktur des Unternehmens um? Was sind konkrete Aktivitäten, die Sie bereits gesetzt haben?

Riedler: Man kommt hier in ein großes und gewachsenes Unternehmen hinein, das eine starke Marktposition hat. Da braucht man nicht alles von heute auf morgen verändern. Das was mir wichtig ist, ist ein frisches Denken, ein bisschen mehr Serviceorientierung, mehr Nähe zum Kunden - und es gibt eine sehr offene Gesprächskultur im Unternehmen. Die Marke Mediaprint will noch gestärkt werden - es geht um Krone und Kurier innerhalb dieser Marke.

HORIZONT: Wie war der Umstieg vom schnelllebigen Fernsehgeschäft auf das Printbusiness?

Riedler: (schmunzelnd) Was sich verändert hat: Ich habe weniger Freizeit und komme wochentags weniger zum Fußballspielen. Aber im Ernst: Es sind natürlich sehr umfangreiche und inhaltlich neue Aufgaben auf mich zugekommen, die positiv herausfordernd sind. Die Tage sind meist lang und heftig, aber ich habe es noch keinen Tag bereut hier zu sein. Im Großen und Ganzen geht es um eine Beziehung, wo man dem Kunden das Bestmögliche bietet. Das habe ich in der TV-Vermarktung genauso gemacht. In Print habe ich den zusätzlichen Vorteil, beim absoluten Marktführer zu sein und das macht die Sache wesentlich einfacher, trotz eines stärker umkämpften Marktes. Es ist eine sehr komfortable Position: Sabine Harnach bei der Krone und Richard Kaufmann beim Kurier leiten das operative Geschäft und wir agieren gemeinsam - unsere Türen sind jederzeit offen.

HORIZONT: Wir reden da über wieviele Mitarbeiter im Verkauf?

Riedler: Die Krone verfügt über eine Manpower von 120, der Kurier über rund 40 Verkäufer.

HORIZONT: Nun hat man im TV täglich Quoten am Tisch liegen und damit sind Preismodulationen an der Tagesordnung. Bei Print gibt es eine Media-Analyse alle halben Jahre - es scheint alles langsamer zu sein ...

Riedler: Das kann man nicht sagen, jeden Tag muss eine neue Zeitung produziert werden - und es gibt keine Wiederholungen! Die Entscheidungsstrukturen sind ebenfalls nicht langsam. Es ist jeden Tag Full Speed.

HORIZONT: Wie groß ist die Nähe zur Redaktion, wieviel politischen Einfluss gibt es?

Riedler: Die Krone ist kein politisches Blatt, sie ist eine Zeitung für die Leser. Aber wir kommen uns nicht ins Gehege und die Redaktion ist bei Wünschen von unserer Seite sehr entgegenkommend. Ein Beispiel: Die Verlegung des Spielbeginn der Bundesliga um eine halbe Stunde nach hinten ist ein organisatorisch-logistisch riesiges Problem. Hier hilft uns die Redaktion mit einer möglichst schnellen Fertigstellung der Spielberichte, weil wir eine Druckdeadline haben, ansonsten leidet die Aktualität.

HORIZONT: Zur Krone-Verkaufsstruktur: Es gab eine Überlegung, die unterschiedlichen Kanäle Krone-Print, Kronehit-Radio, Online krone.at und Krone.tv und die Werbefenster der IP in ein Portfolio zu bringen - ist das ein Thema?

Riedler: Der gemeinsame Verkauf wird so nicht funktionieren, insbesondere mit den elektronischen Medien. Print und Online lassen sich allerdings sehr erfolgreich verbinden, auch mit einem Ansprechpartner - aber hier orientieren wir uns nach dem Kunden.

HORIZONT: Inwieweit ist die Abteilung Media Solutions in der Krone-Verkaufsabteilung, die 2012 gegründet wurde und neue Verkaufsprodukte entwickeln soll, hier relevant?

Riedler: Sie ist ein Bereich der Zukunft, eine Abteilung, die wir stärken wollen. Die Media Solutions agiert übergreifend über alle Mediengattungen und betreut auch die magazinartigen Journale wie MotorKrone, die neue Grüne Krone oder GenussKrone, BusinessKrone, StyleKrone, sowie die Kids-Krone oder zum Beispiel die erstmals erschienene Festspiel-Krone zu den Salzburger Festspielen!

HORIZONT: Im Jänner kam als eigenes TV-Supplement krone.tv als Freitagbeilage - wie Marktbegleiter tele in Person des Geschäftsführers Hans Metzger nicht müde wird zu monieren: Anzeigenfrei, kein Impuls für den Supplementmarkt ... und was sonst noch zu hören ist und auch das Pendant kurier.tv angeht: Das matte Papier!

Riedler: Langsam. Fernsehmagazin-Beilagen in Tageszeitungen sind nicht für den Anzeigenmarkt geschaffen, sondern ein Sevice für die Leser; wir stecken nicht viel Energie in der Anzeigenvermarktung rein. Und, mit Gruß an tele: Das Papier ist das richtige kein Thema.

HORIZONT: Für Online gibt es ja, ist zu hören, ehrgeizige Pläne von Relaunch bis neue Apps unter der Ägide von Peter Rathmayr für Herbst ... ?

Riedler: Auch die Krone will als starke Marke in der digitalen Welt noch mehr mitspielen mit interessanten Plattformen. Aus diesem Grund haben wir seit Mai auch einen externen Berater hinzugezogen, ein langjähriger Begleiter des Hauses: Hans Mahr, der seine Deutschland-Erfahrung einbringen wird. Mit neuen mobilen Anwendungen haben wir bereits gestartet, dieser Tage gibt es einen Relaunch von krone.at und im Herbst werden weitere Neuerungen folgen. Hans Mahr wird uns digital fitter machen.

HORIZONT: Wie sieht die Erlössituation bei krone.at, beziehungsweise ein Anteil Print-Online aus?

Riedler: In der Mediaprint sind einzig die Printerlöse zu finden. Aber die Krone Multimedia entwickelt sich wohl nach schweren Startjahren sehr positiv. Aber wir befinden uns deutlich unter zehn Prozent Anteil am Gesamtumsatz.

HORIZONT: Kommen wir zu den - wir nehmen den Online-Anteil-Ball auf - sagen wir 95 Prozent Print-Werbeumsatz: Der Printmarkt ist in Österreich der volumensstärkste Markt, die Kronen Zeitung hat auch den größten Share daran - wie stellt sich das Klima dar? Wie verhalten sich die Markt-Partner? Wie geht´s der Print-Raumanzeige?

Riedler: Überraschend gut. Erstens aufgrund der Reichweite - man kann uns eben am wenigsten weglassen. Eine nationale Printkampagne geht nur mit uns. Nicht einmal ansatzweise ist eine internationale Entwicklung gegen Print spürbar. Für den Kurier ist es etwas schwieriger, aber er leistet im Moment sehr gute Arbeit und hält sich am Vorjahresniveau - und gute Media-Analyse-Zahlen des Kurier gibt es ebenso, wodurch der TKP nach unten weist. Unser Geschäftsjahr hat gerade erst begonnen - und wir glauben an eine gute Entwicklung. Unverkennbar ist jedoch, dass generell am Markt die Printbudgets sinken - aber wir als Marktführer sollten unser Umsatzniveau denn wenn es zu Marktverschiebungen kommen sollte werden die uns begünstigen.

HORIZONT: Heißt übersetzt: Den Marktführer in Print erwischt es erst am Schluss... dennoch, auch die Krone ist von den magischen 40-und-mehr-Prozent Reichweite ein gutes Stück weit entfernt: Gibt es hier eine psychologische Grenze beim doch kontinuierlichen Rückgang der Reichweiten - schließlich hat sich auch der Brutto-TKP der Krone von den etwa 10 Euro auf etwas mehr als 11 nach oben verschoben?

Riedler: Die Psychologie des Preises spielt im Einzelhandel eine Rolle, aber in der Agentur- und Kundenwelt ist es egal ob es 9,90 oder 10,10 Euro sind und wir liegen eben klar unter den TKPs der anderen, das lässt mich weiterhin ruhig schlafen.

HORIZONT: Wo liegt die Reichweiten-Schmerzgrenze für die Krone?

Riedler: (ganz überzeugt) Vielleicht liegen wir nächstes Jahr wieder bei 40 Prozent Reichweite ... Wir arbeiten auch wieder an steigenden Reichweiten.

HORIZONT: Somit will die Krone im Vertrieb doch noch etwas herausholen?

Riedler: Das ist der Verantwortungsbereich von Thomas Kralinger. Im Vertrieb liegt noch ein Riesenpotenzial, was die Preisbildung betrifft. Was das Vertriebsmarketing betrifft wird es natürlich immer aufwendiger, den hohen Abostand zu halten. Aber das ist uns bisher gut gelungen und wir werden weiter investieren in dieses Thema.

HORIZONT: Nach dem Handel ist die öffentliche Hand größter Anzeigenauftraggeber der Krone, sagt uns Focus Media Research - gibt´s Auswirkungen seit dem Medientransparenzgesetz?

Riedler: Wir müssen uns nicht fürchten. Nur jene, die im Hinblick auf ihre Reichweiten überproportional bedacht werden - und hier gehören wir nicht dazu.

HORIZONT: Ein Ondit zur Geschäftsgebarung der öffentlichen Hände geht so: Es gibt ein Budget und das wird aufgeteilt auf Anzeigen und oben drauf Content sprich Redaktion ...

Riedler: Die Contentproduktion ist bei uns kein Thema, das passiert im Verlag, nicht hier in der Mediaprint - es geht hier nur um den Einsatz der Budgets.

HORIZONT: Wie aktiv sind Parteien, öffentliche Stellen?

Riedler: Natürlich wären sie gerne ausgabenfreudiger, aber die Verteilung der öffentlichen Stellen hat sich verändert, da man mehr auf Reichweite schauen muss - das ist einer der Vorteile des Gesetzes für uns. Wir erkennen auch keinen Rückgang. Die politischen Parteien wiederum sind durch die Deckelung laut Parteienfinanzierungsgesetz spürbar eingeschränkt.

HORIZONT: Ihre Meinung zur aktuellen Diskussion zur Erhöhung und Neuformulierung der Presseförderung?

Riedler: Die Presseförderung ist für eine faire und vielfältige Entwicklung der Medienlandschaft äußerst wichtig - aber sie ist nicht geeignet, ökonomische Probleme einiger Verlage zu lösen. Die eigenen Probleme - aufgrund der historischen Entwicklungen und fehlender Antworten - auf den Staat abzuwälzen, sehe ich als kein geeignetes Geschäftsmodell. Das ist ein ähnliches Problem wie beim ORF. Zuerst muss man sich selbst positionieren, bevor man nach Hilfe von außen ruft.

HORIZONT: Wann tritt die Kronen Zeitung dem Presserat bei?

Riedler: Das ist eine Frage an den Verlag. Ich persönlich sehe hier keine Notwendigkeit und es ist auch eine Entscheidung von Christoph Dichand, die ich verstehe. So wie der Presserat konstituiert ist, ist es für uns nicht sinnvoll dabei zu sein. Im Übrigen waren wir via Kronehit-Geschäftsführer Ernst Swoboda, der an der Neuformulierung der Statuten federführend mitwirkte, aktiv bei der Neukonstituierung des Presserat beteiligt. Allerdings hat sich Ernst Swoboda aufgrund der Verfahrensmodalitäten im Presserat dort wieder zurückgezogen. (Im Senat 2 des Presserat ist derzeit Krone-Betriebsrat Erich Schönauer Mitglied, Anm. bis/hs)

HORIZONT: Zurück zum Mediaprint-Geschäftsführer und Krone-Prokuristen - wie oft tagen Sie mit ihren Kollegen?

Riedler: Nun, das Treffen der Mediaprint-Gesellschafter findet vier Mal im Jahr statt. Christoph Dichand sehe ich nahezu täglich beziehungsweise wir telefonieren; auf der Mediaprint-Ebene sitzen wir drei Geschäftsführer nahezu wöchentlich zusammen - wobei ich Kurier-Geschäftsführer Thomas Kralinger - Stichwort Anzeigen bei mir, Vertrieb bei ihm - durchaus öfter in der Woche spreche.

Ad personam

Gerhard Riedler, Jahrgang 1962, maturierte am Wiener Schottengymnasium und absolvierte das Studium der Betriebswissenschaft an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seine berufliche Karriere startete Riedler Ende der 1980er-Jahre in der kaufmännischen Direktion des ORF unter dem damaligen Langzeit-Kaufmännischen Direktor Peter Radel. 1991 wurde Riedler bei der damaligen Top-Fünf-Werbeagentur Dr. Puttner Bates Finanzdirektor, 1997 wechselte er als kaufmännischer Geschäftsführer zu Hans Schmid Lowe GGK Werbeagentur. 2004 wechselte Riedler zum TV-Vermarkter IP-Österreich (RTL-Sender, Sky, Bewegtbild auf RTLnow, Mandantenvermarktung für oe24.at).
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