Ermittlungen gegen Gastinger eingestellt
 

Ermittlungen gegen Gastinger eingestellt

"So eine mediale Vorverurteilung wünsche ich niemanden" - so der ATV-Chef gegenüber HORIZONT online

Anfang dieses Jahres begann die Korruptions-Staatsanwaltschaft auf Basis einer anonymen Anzeige gegen den ATV-Chef Martin Gastinger zu ermitteln. Der Vorwurf: Gastinger habe im Zuge von Auftragsvergaben Kickback-Zahlungen an ihn privat verlangt. Wie Gastinger HORIZONT online nun mitteilt, wurden diese Ermittlungen eingestellt. Darüber ist der ATV-Chef natürlich erleichtert. Gleichzeitig ärgert er sich noch immer darüber, wie einige Medien und Medienjournalisten in dieser Causa gehandelt haben: Denn am 21. Jänner berichteten Tageszeitungen wie "Standard", der "Kurier" und auch "Österreich" über diese Ermittlungen unter Nennung des vollen Namens und teils mit Bild von Gastinger. Dies auf Basis einer knappen Information der Staatsanwaltschaft, die Gastinger als Beschuldigten gar nicht genannt hat. Gastinger selbst konnte den Journalisten, die den Kontakt mit ihm suchten, zu diesem Zeitpunkt noch gar keine Auskunft geben. "Ich habe erst am 19. März gewusst, was mir überhaupt vorgewurfen wurde." Erst zu diesem Zeitpunkt habe man ihn über den Inhalt der Anzeige in Kenntnis gesetzt.

Die Zeit nach der Berichterstattung wünsche er niemanden: "Es haben mich Branchenkollegen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum auf diese Geschichte angesprochen", erinntert sich der ATV-Chef. Was noch schlimmer wiegt: Auch seine Familie und insbesondere seine beiden Kinder hätten unter der Berichterstattung gelitten. Gastinger fragt sich bis heute: "Wo blieb da die journalistische Sorgfaltspflicht?"

Auch ATV-Eigentümer Herber Kloiber war über die undifferenzierte Berichterstattung über Gastinger erzürnt (HORIZONT online berichtete). Teilweise wurde in den Berichten nämlich nicht einmal darauf hingewiesen, dass die Unschuldsvermutung gilt. ATV ist auch ein zu 100 Prozent privates Unternehmen. Martin Gastinger ist keine Person des öffentlichen Interesses, das die Nennung des vollen Namens - mit Bild - zumindest journalistisch gerechtfertigt hätte. ATV hat gerichtliche Schritte gegen die betreffenden Medien eingeleitet. Das Verfahren läuft noch.
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