Einziger regierungskritischer TV-Sender in Ve...
 

Einziger regierungskritischer TV-Sender in Venezuela verkauft

Globovision soll sich künftig an "Mitte der Gesellschaft" orientieren

Nach dem Verkauf des privaten Fernsehsenders Globovision droht in Venezuela eine der wenigen regierungskritischen Stimmen in der Medienlandschaft zu verstummen. Der Sender sei bereits verkauft, hieß es am Montag (Ortszeit) auf der Website von Globovision. Die neuen Besitzer heißen Juan Domingo Cordero, Raul Gorrin und Gustavo Perdomo. Einer der neuen Manager, der Journalist und Moderator Leopoldo Castillo, kündigte vor Journalisten an, die politische Ausrichtung des Senders werde sich auf die Mitte der Gesellschaft zubewegen, um Zuschauer und Werbekunden zu behalten.

"Globovision, wie wir es kannten, Globovision, wie wir es die vergangenen zwölf Jahre erlebt haben, ist nicht das, was wir künftig sehen werden", hob Castillo hervor. Mit ihm übernimmt Vladimir Villegas die Führung des Senders. Er ist der Bruder von Informationsminister Ernesto Villegas, der sich zusehends zu einem Kritiker der Regierung des sozialistischen Staatschefs Nicolás Maduro entwickelt.

Globovision ist der einzige private Fernsehsender in Venezuelas Hauptstadt. Im übrigen Land kann er über Kabel empfangen werden. Wegen seiner kritischen Haltung gegenüber der sozialistischen Staatsführung war der Sender immer wieder Repressionen ausgesetzt. Vor der Präsidentschaftswahl im April hatte Globovision Reden und Versammlungen des Oppositionskandidaten Henrique Capriles live übertragen. Nach der Schließung von Radio Caracas Television durch die Behörden war Globovision der einzige regierungskritische Fernsehsender in Venezuela.

Maduro forderte unterdessen die Armee auf, einen eigenen Fernsehsender zu gründen. Mit einem modernen landesweiten Programm sollten die Streitkräfte den Venezolanern zeigen, "was sie machen, was sie erleben", sagte Maduro am Montag bei der Einweihung eines neuen Infanteriestützpunktes in Caracas. "Euer Leben ist ein beispielhaftes Leben", sagte der Präsident zu den Soldaten. Der neue Kanal solle neben Dokumentationen und Talkshows aber auch Filme und Serien zeigen.

(APA/AFP)
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