"Einladungen können nicht von der Politik ein...
 

"Einladungen können nicht von der Politik eingefordert werden"

ORF/Milenko Badzic
Ingrid Thurnher steht am Sonntagabend wohl unter genauster Beobachtung vieler Zuschauer.
Ingrid Thurnher steht am Sonntagabend wohl unter genauster Beobachtung vieler Zuschauer.

ORF-Fernsehchefredakteur Fritz Dittlbacher wehrt sich gegen die versuchte Einflussnahme von Politikern in Sachen "Im Zentrum"-Einladungspolitik.

Der geplante Solo-Auftritt von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) in der ORF-Talkshow "Im Zentrum" sorgt weiter für Aufregung. Der ORF widmet sein Diskussionsformat am Sonntag ausschließlich einem Interview mit dem Kanzler (HORIZONT berichtete), diskutiert werden soll über die Flüchtlingskrise. Bei den anderen Parteien sorgt das für Unmut, sie beklagten sich öffentlich über das Vorgehen des ORF, teilweise drohten die Politiker sogar ORF-Chef Alexander Wrabetz. 

ORF-Fernsehchefredakteur Fritz Dittlbacher wehrt sich nun gegen die versuchte Einflussnahme von Politikern in Sachen "Im Zentrum"-Einladungspolitik. "Die Einladung in ORF-Sendungen sind journalistische Entscheidungen und diese werden ausschließlich von den Journalistinnen und Journalisten des ORF getroffen", sagt Dittlbacher am Donnerstag gegenüber der APA. "Einladungen können angenommen oder abgelehnt werden, was ja öfter einmal vorkommt. Sie können aber auf keinen Fall von der Politik eingefordert werden." In diesem Fall sei es journalistisch notwendig, den Bundeskanzler zur Position Österreichs in der Flüchtlingspolitik zu befragen. Zur Erinnerung: In Deutschland hatte Angela Merkel in den vergangenen Monaten gleich zwei Einzel-Auftritte bei "Anne Will". 

Mitterlehner stänkert in der "ZiB 2"



Neben den bereits bekannten Kritikern von ÖVP, FPÖ und Grünen, beschwerte sich am Mittwochabend in der "ZiB 2" Vizekanzler Reinhold Mitterlehner vor laufender Kamera über den angeblichen "Bestellfunk". Mitterlehner: "Wenn schon der Herr Bundeskanzler eine ganze Sendung hat, seine Linie zu erklären, geben Sie mir auch die Zeit. Das ist doch Bestellfernsehen. Ich wünsche mir das selbe, was der Herr Bundeskanzler wünscht. Ich wünsche mir, dass der ORF reagiert", sagte der Vizekanzler im Gespräch mit Moderator Tarek Leitner.

"Es geht Politikern nur darum, möglichst viel im ORF vorzukommen"



Kritik an diesem Auftritt kam am Donnerstag vom Vorsitzenden des ORF-Redakteursrats, Dieter Bornemann. "Es ist ein seltsames Medienverständnis der ÖVP, wenn Vizekanzler Mitterlehner als Gast in der 'ZiB 2' das angebliche 'Bestellfernsehen' des ORF kritisiert und im selben Atemzug sagt: 'Ich wünsche mir das auch!'. Wir entscheiden nach journalistischen Kriterien und nicht nach Befindlichkeiten der Politiker", so Bornemann. "Es geht den Politikern nicht um das Programm oder die Zuschauer, sondern nur darum, möglichst viel im ORF vorzukommen."

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