Eine wirtschaftskriminelle Angelegenheit
 

Eine wirtschaftskriminelle Angelegenheit

Gastkommentar von Martin Bredl

Als Leiter der Unternehmenskommunikation von Telekom Austria bis zum Jahr 2006 und in Folge des Festnetzbereichs sowie als Präsident des PRVA möchte ich im Zusammenhang mit der Affäre Hochegger einiges klarstellen. Zuerst die Rolle des PRVA: Nach dem ersten Bericht zum Fall Hochegger hat der PRVA die Agentur Hochegger zu einer Stellungnahme aufgefordert. Bis zur Klärung wurde die Mitgliedschaft der Agentur beim PRVA ruhend gestellt.

Um die Auswirkungen der Affäre für die PR-Branche zu erheben, hat der PRVA im Herbst 2010 eine Studie durchgeführt. Die Erhebung deutet klar auf einen Imageverlust für die Lobbying-Branche hin. Um dem entgegenzuwirken, hat der PRVA im Jänner dieses Jahres den „Arbeitskreis Lobbying“ ins Leben gerufen. Ziel ist die Erarbeitung eines sehr konkreten und verbindlichen Verhaltenskodexes für Lobbying mit dem Schwerpunkt auf transparenter Vergütung von Lobbying-Leistungen.

Unabhängig vom kriminellen Tatbestand zeigt der Fall Hochegger, dass transparente Abrechnung von PR- und Lobbying-Leistungen eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Glaubwürdigkeit der Branche ist.

Als Präsident des PRVA, aber auch als Leiter Unternehmenskommunikation vertrete ich klar den Standpunkt, dass jede Lobbying- und PR-Leistung nach Zeitaufwand und mit den in der Branche üblichen Stundensätzen zu erfolgen hat. Pauschalabrechnungen sind intransparent und daher abzulehnen. Im Rahmen der Zusammenarbeit der Agentur Hochegger mit der Unternehmenskommunikationvon Telekom Austria wurden alle Leistungen nach Zeitaufwand gemäß den üblichen Stundensätzen für PR-Leistungen transparent abgerechnet. Allerdings wurde nur ein kleiner Bruchteil von den in Medien genannten Summen tatsächlich für Beratungsleistung der Unternehmenskommunikationerbracht und verrechnet. Der große Rest ist jetzt Gegenstand eines laufenden Verfahrens, bei dem sich der derzeitige Vorstand von A1 Telekom Austria als Privatbeteiligte angeschlossen hat und eine lückenlose Aufklärung sowie eine Kompensation eines eventuellen Schadens für das Unternehmen fordert.

Die PR-Branche agiert in Österreich nach einem sehr hohen professionellen Standard, wie auch internationale Auszeichnungen bestätigen. Der PRVA als Branchenverband treibt die Professionalisierung ständig voran. Ein wichtiger Meilenstein in den letzten Jahren war die Integration der PR Quality Austria in den Verband, im Rahmen derer sich Agenturen zusammen geschlossen haben, um auf freiwilliger Basis regelmäßige Qualitäts-Zertifizierung durchzuführen.

Der Fall Hochegger ist eine wirtschaftskriminelle Angelegenheit, die keinen Rückschluss auf die Qualität der Branche zulässt. Im Gegenteil, österreichische PR-Agenturen und die PR-ExpertInnen arbeiten sehr professionell und leisten in den Unternehmen und Organisationen einen wichtigen Beitrag zum Erfolg.

Martin Bredl, Präsident des PRVA und Leiter UnternehmenskommunikationA1 Telekom Austria
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