Eine Million Leser in fünf Jahren
 

Eine Million Leser in fünf Jahren

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"Falstaff"-Herausgeber Wolfgang Rosam über seine ehrgeizigen Pläne für das Gourmetmagazin

Wolfgang Rosam hat mit seinem Gourmetmagazin "Falstaff" große Pläne. Nach dem Schritt nach Deutschland will er als nächstes in die Schweiz. In punkto Leserzahlen sieht er in allen drei Ländern gemeinsam das Potenzial, Marktführer in der Gourmet-Sparte zu werden. HORIZONT online hat Rosam zu seinen Plänen befragt:

HORIZONT online: Herr Rosam: Sie haben im Juni ihren Ihren Chefredakteur Werner Meisinger der Öffentlichkeit präsentiert und dann nach nur zwei Wochen abberufen. Wie steht es um den Falstaff?

Wolfgang Rosam: Ich habe den Falstaff vor drei Jahren zu 100 Prozent gekauft und wir haben einen Riesenrelaunch gestartet, in den wir sehr viel Geld gesteckt haben. Wir haben letztes Jahr Break-Even gemacht, das heißt, der Relaunch hat voll gegriffen. Wir haben heuer ein Verhältnis EGT zum Umsatz von etwa 10 Prozent. Der Umsatz beträgt rund fünf Mio. Euro, das EGT wird heuer ungefähr 500.000 Euro ausmachen. Das ist im Printmarkt eine sehr respektable Größe: Zehn Prozent EGT machen meines Wissens nach nur die Vorarlberger Nachrichten in Österreich. Herr Meisinger war genau 14 Tage als Chefredakteur bei uns. Das hat aber leider gar nicht funktioniert. Wir haben daraufhin Michael Tempel, der als Chefredakteur für die deutsche Ausgabe zuständig ist und in Salzburg lebt, gebeten bis Jahresende die Chefredaktion für Österreich mitzumachen. Das funktioniert so gut, dass er ab 1. Jänner 2013 der neue Chefredakteur für Falstaff Österreich und Deutschland sein wird.

HORIZONT online: Gibt es weitere personelle Neuerungen?

Rosam: Wir haben sieben neue Manager aufgenommen, und sind jetzt bei 35 Mitarbeitern im Verlag. Wir haben einen neuen Vertriebsmanager, wir bauen ein Callcenter auf, einen neuen Verkaufsleiter ab 1. Oktober. Wir haben ein sehr junges Team: Der Altersdurchschnitt ist etwa 30 Jahre. Alle Weichen sind auf volle Expansion gestellt.

HORIZONT online: Wie steht der Falstaff im Markt da?

Rosam: Wir haben unlängst eine Umfrage mit GfK gemacht mit einem repräsentativen Sample von 500 Befragten: Dabei ist herausgekommen: 47 Prozent Bekanntheitsgrad von Falstaff. Fast jeder zweite Österreicher kennt die Marke Falstaff. Da muss man relativieren, das ist nicht das Magazin, sondern kommt daher, dass wir soviele Weinpunktebewertungen haben. Sie finden Falstaff-Punkte bei Spar, bei Hofer, bei Wein&Co im Regal. Wir haben jede Woche Millionen Consumer-Kontakte im Weinregal, denen die Marke Falstaff ein Begriff ist. Wir haben 170.000 Leser und trotzdem kennen 16 Prozent der Österreicher das Magazin. Der nächste Mitbewerber hat laut der GfK-Studie sechs Prozent. Wir sind da wirklich enorm stark unterwegs. In Wirklichkeit haben wir nur einen Mitbewerber in Österreich, das ist das À la Carte-Magazin, das aber nur viermal im Jahr herauskommt. Wir kommen acht mal im Jahr heraus. Mit dem Falstaff Junior – das ist ein Magazin für Erziehungsberechtigte, die ihren Nachwuchs zu Genießern erziehen möchten und das einmal im Jahr herauskommt – überlegen wir in den nächsten ein  zwei Jahren von acht auf zehn Ausgaben hinaufzugehen. In den neuen CAWI-Print Zahlen schafften wir von 151.000 (2011) regelmäßigen Lesern es auf nunmehr 170.000 Leser. Das ist ein Plus von 15 Prozent in einem Jahr! Das schafft meines Wissens nach nur „Servus in Stadt und Land“. In dem Special Interest-Segment ist das mehr als respektabel.

HORIZONT online: Wo sehen sie denn die Decke für den Falstaff?

Rosam: Bei 200.000 Lesern. Ich glaube damit sind wir ziemlich gut bedient. Das sollte in den kommenden Jahren gelingen. In Deutschland haben wir nach unseren Schätzungen derzeit 300.000 Leser – wir haben dort eine relativ große Auflage von 50.000 Stück. Es wird allerdings noch nicht gemessen. Wir gehen nächstes Jahr in die Messung. Das Ziel ist, in Deutschland 600.000 Leser zu haben, in Österreich 200.000 und in der Schweiz ebenso. Mein Traum ist es, im deutschsprachigen Raum in den kommenden fünf Jahren eine Million Leser zu haben und damit mit Abstand das größte Gourmet- und Genussmagazin im deutschsprachigen Raum zu sein. Das ist schon ein großes Ziel. Condé Nast hat sein „Gourmet“-Magazin 2008 eingestellt – ich glaube das war ein bisschen zu früh, weil das Luxussegment sich ja sehr gut weiterentwickelt. Wir haben eine sehr klare Positionierung: Wer ein Falstaff-Heft kauft, der weiß, da geht es um Essen und Trinken und um genussvolle Reisen. Alles, was den Menschen, der gerne isst und trinkt und an schönen Plätzen verweilt, interessiert, ist darin enthalten. Was wir derzeit befriedigen, ist die Sehnsucht der Menschen, nach all den negativen Schlagzeilen, die sie tagtäglich in den Zeitungen im Fernsehen haben, sich am Abend hinzusetzen und in schönen Bildern zu schwelgen und ein bisschen zu träumen.  

HORIZONT online: Ist es auch so, dass ihre Klientel die Krise noch nicht so stark spürt?

Rosam: Aufgrund unserer Leserstruktur-Analysen wissen wir: Falstaff ist urban, eher männlich und in der höchsten Einkommensklasse. Ich glaube schon, dass unsere Leser nicht dreimal den Euro umdrehen und sich überlegen müssen, ob sie jetzt einmal mehr zum „Fabios“ gehen oder sich den Salzberg-Wein leisten können. Diese Klientel ist finanziell unabhängiger und sehr stark situiert. Daher sind wir für den Anzeigenmarkt eine sehr sichere Bank. Wir haben auch sehr starke Lebensmittelmarkt-Inserate. Spar, Hofer, Merkur. Hofer versieht seine Weine mit Falstaff-Punkten und erreicht damit zweistellige Zuwachsraten. Das Konzept geht voll auf. Das ist etwas sehr spannendes, worüber ich sehr glücklich bin.

HORIZONT online: Wie sind die weiteren Expansionsschritte? Nach Deutschland kommt die Schweiz?


Rosam: In der Schweiz sind wir in einer ziemlich finalen Phase. Bis Jahresende sollte sich entscheiden, mit welchem Partner wir Falstaff Schweiz umsetzen. 2013 gehen wir dann mit einer eigenen Ausgabe in die Schweiz. In Deutschland ist es so, dass wir eine eigene Mutation haben, wo etwa 35 Prozent im Heft mutiert werden. Das heißt, etwas mehr als ein Drittel sind nur deutsche Berichte und der Rest sind Berichte, die sowohl in Deutschland als auch in Österreich laufen. Hans Mahr und Ursula Haslauer sind meine Partner in Deutschland. Nächstes Jahr sollte auch in Deutschland Break-Even zu schaffen sein. Die Schweiz dürfte einfacher sein, weil die Schweizer sehr gerne genießen und wir dort fünf Millionen deutschsprachige Leser haben, die am Magazinmarkt wenig verwöhnt sind.

HORIZONT online: Sie haben kürzlich mit der Hotelliervereinigung gemeinsam einen Hotel-Guide herausgebracht. Gibt es noch andere Segmente, die sie beackern könnten?

Rosam: Den Falstaff-Weinguide gibt es ja schon lange und seit sieben Jahren auch unseren Restaurant-Guide, der von 17.000 Clubmitgliedern bewertet wird. Das ist ähnlich wie das Zagat-System in den USA, wo das Publikum über das Internet votet. Wir sind ja auch der einzige Restaurantguide, der eine kostenlose App am Smartphone mit 1.200 bewerteten Restaurants bietet. Clubmitglieder können dort auch bewerten. Ich könnte mir auch einen Wellnessguide, genauso wie Urlaub mit Kindern-Guide oder Senioren-Guide vorstellen. An Guides gibt es eine große Palette, die man hier noch realisieren könnte. Wir werden das Segment sicher weiter ausdehnen. Allerdings immer mit Online-Applikation. Der Punkt ist: Man muss das am Handy haben.

HORIZONT online: Haben sie auf der App irgendeine direkte Einnahme?

Rosam: Die Apps sind kostenlos, dadurch gibt es noch keine Einnahmen. Wir haben auch noch keine Werbung auf den Apps.  Das ist sicher etwas , das wir demnächst angehen.

HORIZONT online: Warum ist die App eigentlich kostenlos?

Rosam: Zuerst will ich einmal zigtausende dabei haben und wenn man sich dran gewöhnt, dann ist das vielleicht auch etwas, was man kostenpflichtig machen kann. Die Zukunft ist jedenfalls die Publikumsbewertung. Zagat wurde ja auch in den USA von Google gekauft. Ich glaube nicht, dass Google etwas kauft, das nicht zukunftsträchtig ist. Vielleicht verkaufen wir ja auch in fünf Jahren an Google.

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