'Eine Mammutaufgabe'
 
Ramona Hackl
Martin Fleischhacker, seit 2002 im Unternehmen tätig, lenkt seit September 2018 als Geschäftsführer die Wiener Zeitung.
Martin Fleischhacker, seit 2002 im Unternehmen tätig, lenkt seit September 2018 als Geschäftsführer die Wiener Zeitung.

Die Regierung sieht gravierende Veränderungen für die Wiener Zeitung vor. Deren Geschäftsführer Martin Fleischhacker zeigt sich zuversichtlich – auch für Print.

 Die politisch bedingten Veränderungen für die Wiener Zeitung lasen sich im Programm der Regierung Sebastian Kurz I drastisch: „Streichung der Pflichtveröffentlichung in der ­Wiener Zeitung“ samt dem Entfall der Veröffentlichungspflicht und Abschaffung der Verlautbarungspflichten, hatte es 2017 geheißen. Im aktuellen türkis-grünen Regierungsprogramm lauten die Pläne zwar ähnlich, sind aber mit einer Abschaffung in Papierform konkretisiert – und machen damit digitalen Ersatz möglich. Die Abschaffung steht schon länger auf der politischen Agenda, vor allem, um Unternehmen ausgabenseitig zu entlasten. In der Wiener Zeitung hat man dem Vernehmen nach mit solchen Ankündigungen zu leben gelernt. Dennoch: Die Einnahmen durch Pflichtveröffentlichungen machen einen gewichtigen Teil der Erlöse des Mediums im Eigentum der Republik Österreich aus.

22,2 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete die Wiener Zeitung GmbH laut Firmenbuch im Jahr 2018, aktuellere Daten liegen nicht vor. Martin Fleischhacker, seit 2018 Geschäftsführer des Unternehmens, sprach vor eineinhalb Jahren von 18 Millionen Euro, die im Jahr 2017 mit den Pflichtveröffentlichungen erzielt worden seien. „Ja, die Größenordnung ist so zutreffend“, bestätigte er auf HORIZONT-Anfrage mit Verweis auf die aktuelle Situation. Sollte die Politik den Wegfall der Pflichtveröffentlichungen in gedruckter Form realisieren, bleibt die Frage, wie sich diese etwa mit digitalen Services kompensieren lassen – diese Interpretation lässt das Regierungsprogramm, das dezidiert nur die gedruckte Form erwähnt, ja zu. Lassen sich Print-Erlöse aus Pflichtveröffentlichungen eins zu eins ins Digitale transferieren? ­Fleischhacker: „Das ist ein Punkt, den wir auch innerhalb einer Gesamtlösung diskutieren müssen. Es ist uns wichtig, dass diese sowohl eine Entlastung für die Unternehmen bringt, aber auch den modernen Anforderungen entspricht und damit auch ein Mehr an Service angeboten wird. Die Wiener Zeitung bereitet sich besonders seit dem letzten Jahr intensiv auf die Verlegung der Schwerpunkte ins Digitale vor.“

Im Regierungsprogramm wird weiters der „Erhalt der Marke“ samt neuem Geschäftsmodell ­festgeschrieben, Serviceplattformen des Bundes ­sollen gebündelt werden. Die Frage, die durch die Branche geisterte, war, ob Erhalt der Marke auch Erhalt der gedruckten Tageszeitung bedeutet. Eva Blimlinger von den Grünen, die den Part Medien mitverhandelte, betonte zuletzt gegenüber den Salzburger Nachrichten und auch im Gespräch mit HORIZONT, dass es die Zeitung weiter geben solle – täglich. ­Fleischhacker bittet um Verständnis, dass man zu Details noch keine ­näheren ­Angaben machen könne.

„Wir stehen vor der Mammutaufgabe, innerhalb des Unternehmens und in guter Absprache mit der Bundesregierung, eine für alle zufriedenstellende Lösung zu entwickeln“, so der Geschäftsführer. „Was ich aber sagen kann, ist, dass wir intensiv daran arbeiten, der Wiener Zeitung in ihrer Gesamtheit eine Zukunft zu geben. Und wir werden auf jeden Fall unsere digitale Strategie weiterverfolgen.“ Daran arbeitet das Haus seit Längerem, fungiert als Servicestelle für digitale Agenden der Republik. Fleischhacker betont den „fortschrittlichen“ Kurs in puncto ­Digitalisierung, man entwickle gerade auch neue digitale Plattformen. Blimlinger kann sich etwa Agenden wie die geplante ­Transparenzdatenbank bei der Wiener Zeitung vorstellen. Falls die Regierung zur Kompensation wegfallender Erlöse aus Print-Pflichtveröffentlichungen digitale Aufträge verstärkt an die Wiener ­Zeitung vergeben wollen würde, könnte es zu Ausschreibungen kommen. Was macht Fleischhacker zuversichtlich, hier zum Zug zu kommen? „Diese Annahmen sind noch hypothetisch. Wir loten hier alle Möglichkeiten aus, und daher kann ich hierzu seriöserweise noch keine Aussagen ­machen.“

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