Ein Leben lang auf der Rennbahn
 

Ein Leben lang auf der Rennbahn

Editorial von Sebastian Loudon (HORIZONT 21/2013)

Ein buntes Stück Mediengeschichte geht den Weg alles Irdischen. Just zu Pfingsten informiert die Verlagsgruppe News über die bevorstehende Einstellung des gedruckten Xpress, dessen, was vom einstigen Rennbahn ­Express übrig geblieben ist. Nun darf man getrost annehmen, dass diese Entscheidung weniger der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die ­Taborstraße geschuldet ist, sondern vielmehr der unheiligen Dreifaltigkeit aus sinkenden Auflagenzahlen, zurückgehenden Anzeigenerlösen und hohen Kosten. Es wird eine profane Entscheidung gewesen sein, aber dennoch eine, die innehalten lässt.

Mediengeschichte schrieb der Rennbahn Express nämlich tatsächlich, aber nicht so sehr in seiner Funktion als medialer Wegbegleiter jener bemitleidenswerten Pubertierenden, denen seitens der Erziehungsberechtigten die Lektüre des damals viel aufregenderen Bravo verboten war. Vielmehr stellt der Rennbahn Express den Nukleus einer Verlegererfolgsstory dar, die Österreich über Jahrzehnte in ihren Bann zog, jene der Fellner-Brüder. 1968 starteten der damals 13-jährige Wolfgang und der zwölfjährige Helmuth Fellner den Rennbahn Express als eine Art Schülerzeitung für die Bewohner der gleichnamigen Wohnsiedlung in Salzburg. Dem Medienchronisten Harald Fidler und seinem Lexikon „Österreichs Medienwelt von A bis Z“ verdanken wir die Gewissheit, dass es sich dabei nicht um ein Nonprofit-Projekt handelte: Für 50 Schilling warb der örtliche Friseur in der Erstauflage von nur zehn Stück. Der Rest ist Mediengeschichte. Es folgten kaskadenhaft Gründungen und Verkäufe der tüchtigen Brüder – erst Basta, dann News, tv-media, Format, e-media und woman. Dazwischen Verkäufe und die große „Formil“-Fusion, die Geburtsstunde der heutigen Verlagsgruppe News, an der die Fellners, wenn auch ohne operativen Einfluss, nach wie vor beteiligt sind.

Die Rennbahn, sie kann mit Fug und Recht als Metapher für die rasante Story der Fellners herhalten, ging doch ein Gutteil ihres Erfolges auf Umsetzungskraft und Geschwindigkeit zurück. Die Pferdestärken auf den Boden bringen, darin waren die Fellners immer eine Klasse für sich. Ja, sogar bei der bislang größten und waghalsigsten Mediengründung stand die Rennbahn gleichsam als Patin zur Seite: Immerhin erfolgte der riesig aufgezogene Launch-Event der Tageszeitung Österreich in der Rennbahnstraße, diesmal halt in Wiens Freu­denau. So zieht sie sich durch das Leben der ­Fellners, bis heute, da dieser versinnbildlichte ­Urquell ihrer verlegerischen Potenz eingestellt wird. Die Fellners wird das nicht jucken, für diese Woche waren zwei Magazin-Launches angekündigt. Das Rennen geht schließlich weiter.
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