Ein Hauch von Hollywood weht Richtung Wien
 

Ein Hauch von Hollywood weht Richtung Wien

PID / David Bohmann
David Bohmann
David Bohmann

Der TV-Markt zählt zu den dynamischsten Branchen der Welt. Die Stadt Wien will sich für Streaming-Produktionen, vor allem Serien, noch besser positionieren.

Herr Hanke, mit welchen Argumenten wollen Sie im harten Wettbewerb mit (Film-)Städten wie Prag oder Budapest punkten?

Der Film- und Fernsehmarkt zählt in vielerlei Hinsicht zu den dynamischsten Branchen der Welt. Wir durchleben gerade das zweite „Goldene Zeitalter“ des Fernsehens, oder Peak TV. Diese Entwicklung ist natürlich stark durch die Streamingdienste wie Netflix geprägt – und den verstärkten Wettbewerb der sich durch Streaming entwickelt hat. Diesen November gehen Disney und Apple mit zwei eigenen, neuen Streamingservices online. Das heißt: Es wird deutlich mehr produziert als je zuvor.

Worauf liegt der Fokus?

Der Fokus der österreichischen Förderung war bisher stark auf Kinofilmen, insbesondere durch eine kulturelle Filmförderung geprägt. Da hat man aus meiner Sicht teilweise an der Entwicklung des Markts vorbei gearbeitet. Was bedeutet das für den Standort Wien? Einerseits müssen wir unser Angebot an die neuen Bedürfnisse besser anpassen. Während wir im Film teilweise sehr erfolgreich sind, müssen wir den Standort für Fernsehen und Streaming, vor allem Serien, noch besser positionieren und zuschneiden.

Was kommt Ihnen entgegen?

Die Natur von Fernsehproduktionen spielt uns stärker in die Hände. Schließlich bedeutet mehrere Staffeln einer Serie in einer Stadt zu produzieren, auch dorthin zu ziehen. Wien ist international anerkannt die Stadt mit der höchsten Lebensqualität und laut dem Economist ist unsere besondere Stärke internationalen Expats den perfekten Zuzug zu ermöglichen – sei es für die Familie, Schulen, Universitäten, Gesundheitsversorgung. Das gilt genauso für Produktionsteams und Schauspielerinnen sowie Schauspieler.

Wie hoch schätzen Sie die Investitionen, um Wien als alternative Filmmetropole zu etablieren?

Das hängt von den weiteren StakeholderInnen ab. Wir haben über die Wirtschaftsagentur attraktive Programme für die Ansiedlung von Produktionsfirmen und weitere Förderungen für die Kreativbranche allgemein. Für die Bereitstellung von neuen Standorten, wie die Hallen am Hafengelände, sind wir bereit, die notwendigen Investitionen zu machen – unabhängig davon ob für österreichische oder internationale Produktionen. Letztlich werden wir natürlich auch die Bundesregierung mit an Bord bringen müssen, die Förderstruktur auch Richtung TV und Streaming weiterzuentwickeln. Entscheidend ist, dass auf Bundesseite mehr Offenheit akzeptiert wird, wer überhaupt Förderanträge stellen darf.
 

Wie sieht die aktuelle Filmförderung in Wien aus?

In Wien werden über die Filmfonds Wien rund 11 Millionen Euro in Film und TV-Produktionen pro Jahr investiert. Ich hoffe, dass wir gemeinsam mit der nächsten Bundesregierung hier ein Umdenken herstellen können, weil sich international vollkommen andere Anreizsysteme durchgesetzt haben.

Was unternimmt die Stadt Wien gleichzeitig für die heimische Filmszene?

Die heimische Film- und Serienszene ist uns ein großes Anliegen – genau darum wollen wir sowohl das  Förderwesen als auch die städtischen Infrastruktur nachbessern. Wien kann im Kreativbereich auf eine beachtliche Bilanz stolz sein, dennoch sollten wir konstant neue Formate entwickeln. Hier wollen wir, gemeinsam mit der Vienna Film Commission, der Wirtschaftsagentur und der Wirtschaftskammer, intensiv auf die Branche zugehen und neue Möglichkeiten schaffen.

Beschränkt sich ihr Engagement nur auf Netflix oder sind Sie auch mit anderen US-Streamings-Riesen im Gespräch?

Wir haben auch mit HBO gesprochen, die ja mit HBOmax ebenfalls einen neuen Streamingservice schaffen werden.  Wir sind natürlich für alle Anbieter offen. Netflix und HBO sind vor allem deshalb spannend, weil Sie bereit sind in regionale Produktionen außerhalb der USA und Großbritannien zu investieren.

Wie soll sich die Filmförderung in Wien in den nächsten drei Jahren entwickeln?

Die Wiener Filmförderung fördert aktuell rund 50 Produktionen im Jahr, sei es Film, Fernsehen oder Dokumentationen. Wir wünschen uns, dass die Szene größere, breiter und vielfältiger wird. Gemeinsam mit meiner Kollegin Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler haben wir für nächstes Jahr noch mehr Mittel und zusätzliche Förderschienen sichergestellt.

Auf was kommt es an?

Zusätzlich wollen wir jetzt in die Infrastruktur investieren, um Raum für neue Möglichkeiten zu schaffen. Für internationale Produktionen muss das Anreizsystem stimmen, allerdings mit Maß und Ziel. Schließlich geht es nicht bloß darum Produktionen teuer anzulocken, sondern nachhaltig in den Standort und Arbeitsplätze zu investieren.


Mit welchem Konzept will man Filmschaffende in Wien dauerhaft halten?

Qualität und Verlässlichkeit. Die Stadt Wien und ihre Einheiten sind sehr effiziente Partner wenn es um Drehgenehmigungen und technische Unterstützung geht. Wer die Explosion vor der Staatsoper in „Mission Impossible“ gesehen hat, versteht, was ich meine. Ganz allgemein: Wer in Wien gearbeitet hat, bleibt sehr gerne und kommt auch gerne wieder. Auf diesem starken Fundament müssen wir aufbauen.

Wie zuversichtlich sind Sie?

Davon abgesehen hängt sehr viel auch von der Wiener Branche ab: In Wien werden Wiener Geschichten erzählt und gedreht. Netflix sind in den letzten beiden Jahren zwei starke Produktionen in Deutschland und Italien geglückt, weil sie die richtigen lokalen Partner gefunden haben. Ich bin davon überzeugt, das wird auch in Wien gelingen.

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