Eigenproduktionen im TV: Mehr als ein Hype?
 

Eigenproduktionen im TV: Mehr als ein Hype?

Markus Wache
Senior Vice President ‚Film & Entertainment' bei Sky Deutschland Marcus Ammon, Managing Director bei der Beta Film Moritz von Kruedener, RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger, Moderator Veit Heiduschka (Wega Film), ORF-Enterprise-Geschäftsführerin Beatrice Cox-Riesenfelder und ATV-Geschäftsführer & Programmdirektor Thomas Gruber
Senior Vice President ‚Film & Entertainment' bei Sky Deutschland Marcus Ammon, Managing Director bei der Beta Film Moritz von Kruedener, RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger, Moderator Veit Heiduschka (Wega Film), ORF-Enterprise-Geschäftsführerin Beatrice Cox-Riesenfelder und ATV-Geschäftsführer & Programmdirektor Thomas Gruber

Unter der Leitung von Veit Heiduschka (Wega Film) diskutierten Marcus Ammon (Sky), Beatrice Cox-Riesenfelder, MBA (ORF Enterprise), Thomas Gruber (ATV), Moritz von Kruedener (Beta Film) und Tom Sänger (RTL Television).

Der aktuelle Trend zu eigenproduzierten TV-Formaten wurde bei dem Panel  „Der TV-Markt in Revolution – Eigenproduktionen auf der Überholspur?“ diskutiert. „Eigenproduktionen haben bei öffentlich-rechtlichen Sendern schon immer einen großen Teil des Programmangebots ausgemacht“, so ORF-Enterprise-Geschäftsführerin Beatrice Cox-Riesenfelder. „Aber derzeit gibt es – ausgelöst durch Netflix und Amazon – einen Hype.“ Aus Verwertersicht könne dies jedoch nur dann gut gehen, wenn auch tatsächlich unverwechselbarer Content entstehe, der sich substantiell von den globalen Anbietern unterscheidet. Sie verwies außerdem darauf, dass man aus Kostengründen ja auch koproduzieren müsse, wobei sie als Schwierigkeit sieht, dass im Pay TV andere Inhalte funktionieren würden als im Free TV: „Da muss man schauen, wie man zusammenkommt.“

Kampf um Verwertungsrechte
Wie Moritz von Kruedener, Managing Director bei der Beta Film, berichtete, sei der verstärkte Fokus auf Eigenproduktionen  nicht ganz freiwillig gekommen. Denn einerseits habe sich die Frage gestellt, wie man sich, aufgrund der Vielzahl an Konkurrenten, überhaupt noch Verwertungsrechte sichern könne, und andererseits  gehe es natürlich auch darum, den Inhalt mitzugestalten. „Und das gelingt natürlich am besten wenn selber produziert oder koproduziert.“ Ziel von RTL sei es, sich mittels Eigenproduktionen vom US-Lizenzmarkt, sagte RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger. Deshalb stehe auch ein höheres diesbezügliches Programmbudget zu Verfügung als jemals zuvor. Dabei investiere man jedoch weniger in Spielfilme, als vielmehr überproportional in Serien. „Einzelstücke“ leiste man sich nur dann, wenn diese „ein Resonanzfeld“ hätten.

Den richtigen Zeitpunkt abwarten
Senior Vice President ‚Film & Entertainment' bei Sky Deutschland Marcus Ammon, ist überzeugt davon, über Eigenproduktionen neue Abonnenten gewinnen zu können. Von Moderator Veit Heiduschka (Wega Film) in diesem Zusammenhang auf die erfolgreiche Krimiserie „Babylon Berlin“ angesprochen, meinte er: „Wir haben uns bewusst mit der Entwicklung einer Eigenproduktion Zeit gelassen, wollten den Markt zuerst kennenlernen und mussten natürlich auch auf den Zeitpunkt warten, zu dem wir uns ein solches Projekt leisten konnten.“ Der Pay-TV-Sender will sein fiktionales Angebot in Zukunft weiter ausbauen: „Das soll gleichwertig neben dem  Sport werden.“ Bei ATV setzt man hingegen auf Non-Fiction-Formate wie Begleitreportagen oder Reality-TV. „Da entwickeln wir sehr viel aus unseren Reihen heraus“, so ATV-Geschäftsführer & Programmdirektor Thomas Gruber. Geschuldet sei dies vor allem auch einem geringen Produktionsbudget.

Impulsreferat von Kathrin Zechner
Das Impulsreferat hielt ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner. „Angebote zeichnen sich durch Unverwechselbarkeit aus, brauchen Exklusivität.“ Sie würden sich über Erstklassigkeit definieren, wobei die Kriterien dafür selbstkritischer Betrachtung bedürfen. Zudem seien erfolgreiche Eigenproduktion Voraussetzung für die Entdeckung und Entwicklung von Talent. „Ohne diese wären viele Regisseure oder Schauspieler nicht groß geworden.“ Innovation bedeute, Mut zu Neuem zu haben, quer und anders denken. Andererseits sei die Realisierung von Eigenproduktionen aber nicht nur eine Frage des Wollens, sondern auch der Finanzierung. "Europa muss insgesamt in das europäische Original investieren, sonst geht das Europäische verloren, weil Kraft und Macht des US-amerikanischen Kapitals so stark sind.“ 

ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner
Markus Wache
ORF-Programmdirektorin Kathrin Zechner
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