Eigene Schrift für den Infoscreen
 

Eigene Schrift für den Infoscreen

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Das Medienunternehmen ließ sich von Typographenlegende Erik Spiekermann eine Schrift gestalten. Das Ergebnis: Lesbarkeit auf allen Bildschirmen im öffentlichen Verkehr.

Es gibt eine neue Schrift am Typo-Himmel: Verantwortlich für die "Infoscreen" genannte Schrift zeichnet der Berliner Star-Typograf Erik Spiekermann ("FF Meta", "Berliner Grotesk BQ", "ITC Officina Sans"). Auftraggeber - Sie haben es erraten - war das in Wien beheimatete Medienunternehmen Infoscreen, das sich nun auf allen Bildschirmen mit einer exklusiven Schriftart schmückt.

Lesbarkeit auf allen Bildschirmen

Die besondere Herausforderung war es laut Infoscreen, eine Schrift zu entwickeln, die nicht nur auf den großen Bildschirmen in den U-Bahnstationen, sondern auch auf den kleineren Bildflächen in den Straßenbahnen und Bussen gut funktioniert. „Auf den großen Bildflächen in den U-Bahnstationen sind viele Schriften gut zu erkennen, auf den kleineren Bildflächen in den Fahrzeugen trennt sich aber die Spreu vom Weizen“, erläuterte die Programmleiterin Grafik bei Infoscreen, Sheela Rapf.

Aufmerksamkeit der Leser

Der öffentliche Verkehr ist für Gestalter ein besonders herausforderndes Umfeld: „Man muss tatsächlich um die Aufmerksamkeit der Leser kämpfen“, findet Spiekermann. Deshalb sei es darum gegangen, eine Schrift zu entwickeln, die uneitel, funktional und dennoch eigenständig sei. „Der Hauptfehler vieler Typographen ist es, zu viel zu wollen. Dabei ist der Inhalt der Botschaft das Wichtigste, nicht die Schrift“, so Spiekermann. „Die Schrift 'Infoscreen' hilft sowohl physisch, als auch emotional und fühlt sich gut an beim Lesen“, meint der Schöpfer.

Ohne Serifen

Für die optimale Lesbarkeit in allen denkbaren Einsatzgebieten des öffentlichen Verkehrs wurde besonderer Wert darauf gelegt, das „l“, „i“ und die Zahl „1“ sowie das „S“ und die Zahlen „3“ und „8“ klar unterscheidbar zu machen. Auch die in Österreich verbreiteten osteuropäischen Buchstabenkombinationen wurden deutlich herausgearbeitet und die Flächigkeit der Buchstaben „E“, „N“, „A“, „G“ und „S“ zugunsten offener Formen reduziert. Auf Serifen wurde bei "Infoscreen" gänzlich verzichtet. „Wichtig war freilich auch, dass die Schrift ökonomisch ist und keine Textreduktion nötig macht“, so Spiekermann.

Bereits einschlägig tätig

Einschlägige Erfahrung aus dem öffentlichen Verkehr hatte Spiekermann für den Job bereits im Gepäck: Seine Agentur Metadesign hatte bereits das Fahrgastinformationssystem für die Berliner Verkehrsbetriebe gestaltet, ebenso wie das Leitsystem des Düsseldorfer Flughafens.
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