EBU-Chefin über Discoverys Olympia-Deal: "Sum...
 

EBU-Chefin über Discoverys Olympia-Deal: "Summe war für ÖR zu hoch"

Flickr/ITU Pictures
EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre kann den Sendern in Sachen Olympia-Rechte 2018-2024 nicht mehr helfen.
EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre kann den Sendern in Sachen Olympia-Rechte 2018-2024 nicht mehr helfen.

Ingrid Deltenre hat in Wien über die Olympia-Rechte, die derzeitige Situation in Polen und eine vermeintlich leise EBU gesprochen.

Dass sich Discovery, und damit quasi Eurosport, die Rechte an den Olympischen Spielen zwischen 2018 und 2024 gesichert hat, war im vergangenen Jahr eine große Überraschung (HORIZONT berichtete). Damit stach der Konzern die sonst mächtige EBU aus - und damit immerhin den Zusammenschluss von 73 Rundfunkanstalten. "Die Summe war zu hoch und für öffentlich-rechtliche Sender schwer zu argumentieren", sagte EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre am Donnerstag bei einem Hintergrundgespräch vor Journalisten.

Dass sich die BBC in Großbritannien schon eine Sublizenzierung gesichert habe, sei auch dem harten Wettbewerb am dortigen Markt geschuldet. BBC steht in Konkurrenz zum starken Privatsender ITV, der über mehrere Ecken mit Discovery in Verbindung steht. Es bestand also für die BBC die Gefahr, dass die Olympischen Spiele ausschließlich im Privatfernsehen zu sehen hätten sein können. Für den öffentlich-rechtliche Sender käme das einem größten anzunehmenden Unfall gleich. 

"In anderen Ländern kommen sicher auch öffentlich-rechtliche Sender zum Zug", zeigte sich Deltenre optimistisch, auch wenn die EBU jetzt nicht mehr Teil der Verhandlungen ist. "Jedes Land muss nun selbst verhandeln." Ob, und wenn ja an wen, Discovery auch in Österreich und Deutschland Sublizenzierungen vergibt, ist derzeit noch unklar. In beiden Ländern laufen jedenfalls Gespräche. Denkbar wäre es aber auch, dass Discovery einen großen Teil der Spiele bei seinem eigenen Sender Eurosport zeigt - für den kleinen Sportsender wäre das ein großer Erfolg.

"Das Vokabular mutet sehr unangenehm an"



Deltenre sprach in Wien zudem über die aktuelle Lage in Polen. Mitte Jänner berichteten verschiedene Medien, dass das Land aufgrund seines neuen Mediengesetzes sogar vom ESC ausgeschlossen werden könnte, die EBU beobachte das neue Mediengesetz sehr genau. Deltenre stellt nun klar: Da wurde etwas falsch zitiert. Mitglieder in der EBU seien ohnehin keine Länder, sondern nur die Rundfunkanstalten - und die haben ja nicht einmal Einfluss auf die Gesetze. Auch wenn ein möglicher ESC-Ausschluss die Politik freilich zum Umdenken bewegen könnte. "Was in Polen passiert, ist sehr ungewöhnlich, das Vokabular mutet unangenehm an." Dennoch sieht die EBU-Chefin auch positive Signale aus Polen: Man habe bereits mit Vertretern des polnischen Rundfunks gesprochen, schon allein dieses Interesse an Gesprächen sei positiv zu bewerten. "Sie wollen aber kein Diktat der EU", sagt Deltenre, die wenig Einflussmöglichkeiten für EBU und EU sieht. 

Laut Deltenre verfolge die polnische Regierung drei große Ziele: Die Finanzierung des Rundfunks soll auf der einen Seite umgestellt werden. Ähnlich wie in Deutschland soll es eine Medienabgabe geben, die Werbung, die derzeit noch 80 Prozent der Erlöse ausmacht, soll reduziert werden. Darüber hinaus soll der Rundfunk in ein Kulturinstitut umgebaut werden, das habe (für die Regierung) den Vorteil, dass man alle Mitarbeiter kündigen und austauschen könne. Und drittens soll es ein neues Verwaltungsgremium geben. "Das kann dann so besetzt werden, wie es der Regierung genehm ist", sagt die EBU-Chefin. 

"Wir waren auch in Aserbaidschan, und Weißrussland laut"



Den Vorwurf, die EBU beziehe nicht klar Stellung, auch in Bezug auf andere Länder, in denen es Probleme mit den Menschenrechten gebe, weist Deltenre zurück. "Wir beobachten die Situation in Polen ganz genau und waren auch sehr laut in Aserbaidschan, Weißrussland und Griechenland." Man schweige nicht bei Problemen, so Deltenre. "Wir können aber auch nicht immer laut rufen, weil wir dann irgendwann nicht mehr gehört werden."
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