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Druckereien: Modernisierungsdruck greift um sich

Moser Holding / Böhm
Der Standort Elsbethen wird Ende des Jahres geschlossen.
Der Standort Elsbethen wird Ende des Jahres geschlossen.

Die Schließung eines Druckerei-Standorts der Moser Holding ist eine Folge des geringeren Anbieter-Angebots. Experten rechnen mit weiterer Marktkonzentration.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 25/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Der Markt ist sprichwörtlich unter Druck geraten.“ Selbst Silvia Lieb, Vorstand der Moser Holding, muss dieses naheliegende Wortspiel bemühen, um die schwierige Lage für die heimischen Druckereien zu beschreiben. Es geht nämlich nicht um die Auftragslage selbst, sondern um den Markt der technischen Anbieter, die für die Infrastruktur der Druckereien sorgen. „Immer weniger große technische Anbieter können sich auf dem Markt behaupten“, sagt Lieb, bei der Moser Holding für die Druckereien verantwortlich. Ende Mai hatte sie die unangenehme Aufgabe, die Belegschaft in Elsbethen in Salzburg davon zu informieren, dass der Standort mit Ende des Jahres geschlossen wird. Als Grund wurden „Engpässe, unter anderem am Anbietermarkt für Service und Ersatzteile“ genannt.

Gegenüber HORIZONT erklärt Lieb, dass das Thema der Engpässe in diesem Bereich in den letzten zehn Jahren „sukzessive virulenter“ geworden sei. „Die Ersatzteilversorgung genießt in vielen Druckhäusern somit oberste Priorität“, sagt Lieb. Im Herbst des vergangenen Jahres stand etwa die MediaPrint vor einer ähnlichen Herausforderung, was in einer 35 Millionen Euro schweren Investition in die Gerätschaften resultierte. „Vor allem die sukzessive Abkündigung elektronischer Bauteile einzelner Anbieter machen für Zeitungsdruck- Standorte Umrüstungen und zum Teil Neuanschaffungen erforderlich“, erläutert Silvia Lieb. Diese Maßnahmen seien in der Regel mit hohen Investitionskosten verbunden. Am Anbietermarkt sei zudem generell eine laufend höhere Konzentration feststellbar. Von diesen Auswirkungen ist Österreich als starkes Printland besonders abhängig.

Keine Erweiterung möglich

Beim konkreten Beispiel Elsbethen ging es etwa um eine Zeitungs-Offset- Maschine Geoman vom Hersteller MAN Roland. Selbst dieser Hersteller stand 2011, schon unter dem neuen Namen manroland, bereits unter Insolvenzrecht – ein Anzeichen für den zunehmend schwierigen Markt für Druckmaschinenhersteller. Das endgültige Aus für den Salzburger Standort der Moser Holding begründet Lieb indes auch mit lokalen Restriktionen. Durch eingeschränkte Lagerflächen gebe es dort „de facto keine Erweiterungsmöglichkeiten“.

Bei den anderen Standorten Wels und Innsbruck dagegen sehe es anders aus. „Die spezifische Situation in Elsbethen hat die angekündigte Maßnahme der Schließung des Standortes leider notwendig gemacht. Vor dem Hintergrund, dass dort ein höchst professionelles und engagiertes Team am Werk ist, bedauern wir dies umso mehr. Andererseits gibt es auch Beispiele, wo technische Nachrüstungen und Updates möglich sind. Dies war auch in Innsbruck und Wels der Fall“, meint Lieb. Es werde immer Nachfrage nach hochwertig bedrucktem Zeitungspapier geben. Allerdings könnte sich der Markt weiter konzentrieren. „Für Österreich gilt, dass dies womöglich nicht mehr auf so viele kleine Standorte verteilt sein wird“, sagt Lieb.

Zusätzlich zum Modernisierungsdruck sieht sich die Branche aber auch noch weiteren Herausforderungen gegenüber, meint Alexandra Zotter, Geschäftsführerin des Verbands Druck & Medientechnik: Als produzierendes Gewerbe stehe man immer vor der Herausforderung von langfristigen Maschineninvestitionen und schwankenden Rohstoffpreisen. Zudem hätten der rasante Technologiefortschritt der letzten Jahre und die Digitalisierung die Investitionsabstände zusätzlich verkürzt. „Denn im Grunde muss eine Druckerei heute wissen, was die Kunden morgen möchten. Wo investiere ich? Und welche Investitionen werden gewinnbringend sein? Das ist das Spannungsfeld, in dem sich Druckereien bewegen“, meint Zotter und fügt hinzu: „Was wir als Verband Druck & Medientechnik zudem derzeit mit Besorgnis beobachten, sind die in den letzten Monaten steigenden Rohstoffpreise, die die Kosten für den Materialeinsatz in die Höhe treiben.“

„Die zweite Herausforderung ist abhängig von der Art des Unternehmens“, sagt Zotter. Die Druckereibranche in Österreich sei sehr heterogen – mit einigen Big Playern und vielen klein- und mittelständischen Familienbetrieben. Und so unterschiedlich die Betriebe, so verschieden seien auch ihre Geschäftsfelder. Eines sei den österreichischen Druckereien aber gemeinsam, fasst Zotter zusammen: „Wichtig ist, die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kunden zu erkennen, Trends zu setzen und entsprechend Produkte zu kreieren. Print ist der stärkste und einer der potentesten Werbeträger.“

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