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Drucker-KV: Konflikt um Ausmaß der Streik-Beteiligung

Arbeitgeber rufen Gewerkschaft zu KV-Verhandlung auf; Gewerkschaft: Haben Tisch nicht verlassen, Forderung nach 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich aber nicht erfüllbar.

Der Kollektivvertrags-Konflikt in der heimischen Drucker-Branche wird mit psychologischen Mitteln fortgeführt: Nachdem in den Verhandlungen nichts weitergegangen ist, streiten Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter nun darüber, wie groß die Beteiligung beim jüngsten Streik in der vorigen Woche tatsächlich gewesen ist. Die Darstellung der Dienstherrn, es hätten nur in 17 von 630 Betrieben auch wirklich Betriebsversammlungen gegeben, weist die Gewerkschaft GPA-djp zurück. In der Sache selbst geben sich jedoch beide Seiten grundsätzlich gesprächsbereit. Der jetzige KV gilt noch bis Ende März, es sind also noch neun Wochen Zeit. 

Arbeitgeber-Vertreter Rudolf A. Cuturi, Präsident vom Verband Druck & Medientechnik, erklärte am Dienstag, nur in 17 Betrieben habe es Betriebsversammlungen gegeben und nur in zehn Warnstreiks. Auch wenn die Gewerkschaft von einer großen Zustimmung zu ihren Forderungen spreche, seien nur wenige Arbeitnehmer dem Aufruf der Gewerkschaft tatsächlich gefolgt. Insgesamt zählt das grafische Gewerbe 630 Druckereien mit rund 10.500 Beschäftigte. 

Christian Schuster, Wirtschaftsbereichssekretär in der Gewerkschaft GPA-djp, sagte, man wisse von den Rückmeldungen an die eigene zentrale Streikleitung, dass sich 30 Betriebe an den Betriebsversammlungen beteiligt hätten und dass der Großteil davon in Warnstreiks übergegangen sei. Insgesamt habe sich eine vierstellige Zahl von Beschäftigten beteiligt, selbst wenn durch Schichtdienste nicht immer die Vollbelegschaften teilgenommen hätten. Unbereinigt hätten sich Betriebe mit 1.500 Leuten beteiligt. 

Die Gewerkschaft sei zu weiteren Gesprächen bereit, auch zum Rahmenrecht, aber man warte jetzt auf eine Einladung der Arbeitgeberseite, so Schuster. Die GPA-djp habe den Verhandlungstisch nicht verlassen, sondern lediglich erklärt, dass die Forderung nach einer Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 37 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich nicht erfüllbar sei. 

Demgegenüber warnte Verbandspräsident Cuturi am Dienstag in einer Aussendung, ein Verharren in überkommenen Strukturen werde auf Dauer für die gesamte österreichische Druckbranche gefährlich. Der Verband und seine Mitglieder würden weiterhin für die Schaffung eines zeitgemäßen Kollektivvertrages eintreten, der die Betriebe und die Arbeitsplätze in der grafischen Branche sichere. "Wir stehen bereit, um zu einem tragbaren Kompromiss kommen", forderte Cuturi die Gewerkschaft auf, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. 

Für 27. und 28. Februar gibt es Verhandlungstermine, doch sind die eigentlich für die reinen Lohn- und Gehaltsgespräche gedacht. Gewerkschafter Schuster geht davon aus, dass diese beiden Tage natürlich dafür genutzt werden, um über das Rahmenrecht zu reden. Sinnvoller wäre es aus seiner Sicht aber, zu diesem haarigen Thema davor einen eigenen Termin anzusetzen. "Ich glaube, dass es eine Lösung geben kann - auch zum Mantelrecht", so Schuster. Auf jeden Fall wolle die Gewerkschaft auch nach Ende März Rechtssicherheit: "Ja, wir brauchen einen KV, damit nicht ein Wildwuchs passiert." 

(APA)
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