Drei Wege zu einem erfolgreichen Magazin
 

Drei Wege zu einem erfolgreichen Magazin

Richard Tanzer
Mit Red by Morawa erhalten die Kunden an Partner-Locations kostenlosen Zugriff auf zahlreiche Medien.
Mit Red by Morawa erhalten die Kunden an Partner-Locations kostenlosen Zugriff auf zahlreiche Medien.

Crossmedia-Lesezirkel, Gratiskultur und schöne Dinge: drei Strategien, die auf dem hart umkämpften Magazinmarkt funktionieren.

Dieser Artikel ist zuerst in HORIZONT 19/2018 erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

Mieten statt kaufen – ein Schlachtruf, der sich in anderen Wirtschaftszweigen wie etwa dem Carsharing durchgesetzt hat, aber auch in der Medienbranche zunehmend salonfähig wird. So erlauben es Apps wie Readly (siehe oben) den Usern, gegen eine Pauschale auf eine große Bandbreite an Medien in E-Paper-Form zuzugreifen; andere Anbieter setzen das Konzept in B2BForm um. Dazu zählt etwa die Austria- Kiosk FreeLounge der APA oder „Red by Morawa“ als Teil des Morawa Lesezirkels. Bei diesen Anbietern setzen die Betreiber von öffentlichen Bädern, Flughafen-Lounges oder Arztpraxen mit Hilfe der Anbieter ein System auf, über das die Endkunden diverse Magazine auf ihren Tablet- PCs und Smartphones lesen können, solange sie sich an der jeweiligen Location befinden. Zu den Kunden der Austria-Kiosk FreeLounge gehören österreichweit 104 Locations, darunter zum Beispiel Austria Trend Hotels, Eduscho, GKB, Sparkassen Versicherung, die Stadtbibliothek Graz, das Parlament, das AKH und die Österreichische Nationalbibliothek – sowie die Züge der ÖBB: Seit November haben Zuggäste der Railjets, CATs und Cityjets über das „ÖBB Railnet“ kostenlosen Zugang zu 30.000 Titeln aus dem Austria-Kiosk.

Bei Red by Morawa, das vor rund einem Jahr startete, hat man die Zahl der Locations auf mittlerweile rund 1000 österreichweit innerhalb eines Jahres verdoppelt und ist nun bemüht um einen Ausbau des Content-Angebots mit Hilfe eines internationalen Kooperationspartners, wie Antoinette Henriquez, Bereichsleiterin Morawa Lesezirkel, erläutert: Vor allem ist das interessant für die Hotellerie, wo es viele internationale Gäste gibt. Konkretes dazu soll im Herbst dieses Jahres präsentiert werden.

Zugleich redet Henriquez offen über Herausforderungen, die es mit den digitalen Lesezirkeln gibt – allen voran, dass der Erklärbedarf gegenüber dem Endkunden noch sehr hoch ist; wer nicht sehr digital affin ist, der wird mit einem einfachen Roll-up nicht zur Nutzung des Angebots bewegt. „Die Zahl der Downloads hängt stark vom Engagement der Location- Betreiber ab“, sagt sie: Wenn dieser dem Kunden persönlich erklärt, dass er seine Wartezeit mit einem digitalen Magazin verkürzen kann, ist die Erfolgsquote höher. Zugleich sieht sie, dass nicht alle bestehenden Lesezirkel-Kunden auch auf das digitale Produkt umsteigen wollen; viele sind schlichtweg noch sehr printaffin. „Print ist nach wie vor unser Kerngeschäft, der Anteil von Digital ist verschwindend gering“, sagt Henriquez, die zugleich betont, dass Morawa als einziger Lesezirkel-Anbieter Print und Digital aus einer Hand anbieten kann. Ist Digital also die Zukunft? Jein: Vielmehr kristallisiert sich auch hier heraus, dass Crossmedia ein Konzept ist, das funktioniert.

Gratis ist immer gut

Zugleich zeigt der Trend zu Lese-Flatrates und location-basiertem Gratis- Magazinzugriff: Gratis ist ein Konzept, das noch immer sehr gut funktioniert. Das manifestiert sich auch in unabhängigen Analysen einzelner Titel: Das kostenlos zweiwöchentlich erhältliche Weekend Magazin führt mit 12,7 Prozent Reichweite das Ranking der Wochentitel in der Media- Analyse an; während das Weekend Magazin laut ÖAK auf 1.009.146 Auflage kommt, schafft der Platzhirsch unter den wöchentlich und 14-täglich erscheinenden Kaufmagazinen – Die Ganze Woche – „nur“ eine Auflage von 301.601. Und Mitglieder- und Kundenzeitschriften schießen den Vogel ohnehin ab: auto touring, die Mitgliederzeitschrift des ÖAMTC, kommt auf 1.761.579 Stück verbreitete Auflage – eine starke Steigerung gegenüber 2016, was sich in erster Linie durch mehr Mitglieder des Autofahrerclubs erklären lässt, die mit den Magazinen beschickt werden.

Dass der Rang von Gratis- und Mitgliedermedien vom Einkommen weitgehend unabhängig ist, zeigt auch die aktuelle Leseranalyse Entscheidungsträger (LAE): Bei kaufkräftigen Entscheidungsträgern sind die WKO-Zeitungen mit 24,7 Prozent Cross-Media-Reichweite Platzhirsch unter den Wochenmedien.

Zugleich zeichnet sich neben Crossmedia-Tendenzen und Gratismentalität ein dritter Faktor ab, der erfolgreiche Magazinstrategien in Österreich ausmacht: der Trend zu schönen Dingen. Exemplarisch dafür kann unter anderem gelten, dass Servus in Stadt & Land laut aktueller ÖAK unter den monatlich oder seltener erscheinenden Kaufmagazinen mit einer verbreiteten Auflage von 136.476 Stück erneut Nummer eins ist, und dass Hefte wie Terra Mater und Falstaff in der jüngsten Media- Analyse signifikante Zugewinne verzeichnen konnten (siehe oben). „Die Erfolgsstory von Falstaff ist noch lange nicht zu Ende“, verkündete Wolfgang Rosam, Herausgeber und Geschäftsführer Falstaff, anlässlich der Media-Analyse. Ebenso ist zu erwarten, dass auch anderen Magazinen mit der richtigen Strategie noch eine rosige Zukunft bevorsteht.

stats