"Dossier" im Clinch mit "Heute"
 

"Dossier" im Clinch mit "Heute"

Laut der investigativen Plattform hat die Gratis-Zeitung in siebeneinhalb Jahren 2.443 Seiten Anzeigen der Stadt Wien und ihrer Unternehmen abgedruckt. Eva Dichand bezeichnet Ergebnisse als falsch und droht mit einer Klage.

Seit 17. Oktober ist eine neue österreichische Plattform namens "Dossier" on air, die investigativen Journalismus und Datenjournalismus betreibt und bereits zum Start für Aufsehen sorgt. Die Macher der Seite haben nämlich die Vergabe von Inseraten der Stadt Wien und ihrer Firmen am Beispiel der Gratistageszeitung "Heute" untersucht. Das Ergebnis: "Dossier" behauptet, dass es bei der Zeitung um rund 29 Millionen Euro geht - in siebeneinhalb Jahren.

2.443 Seiten Anzeigen

Der Plattform zufolge hat man alle Inserate (also ebenso Anzeigen von Firmen aus der Privatwirtschaft, als auch von der Stadt Wien und ihren Unternehmen, von Ministerien, Staatsbetrieben, politischen Parteien und öffentlichen Stellen) von der ersten "Heute"-Ausgabe am 6. September 2004 bis Ende des Jahres 2011 gezählt, in einer Tabelle erhoben und ausgewertet. Die Recherche ergab demnach, dass die Stadt Wien gemeinsam mit ihren Unternehmen im erwähnten Zeitraum in "Heute" 2.443 Seiten Anzeigen geschaltet habe. Bei dem von "Heute" für das jeweilige Jahr ausgewiesenen Seitenpreis betrage der Bruttowerbewert rund 29 Millionen Euro - ohne Rabatte und ohne Zuschläge. Zähle man nur die Inserate der Stadt Wien, ohne ihre Unternehmen, komme das "Dossier"-Team auf 1.049 Seiten Anzeigen, was einem Bruttowerbewert von knapp 13 Millionen Euro entspreche. Damit sei die Stadt Wien gemeinsam mit ihren Unternehmen in der Gesamtwertung der beste Anzeigekunde der Gratis-Zeitung.

Eva Dichand droht mit Klage

Laut "Dossier" bezeichnet "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand die Ergebnisse als falsch und drohte bereits zwei Tage vor dem Launch des Portals mit einer Klage. Die Plattform hat hierzu folgende zwei Stellungnahmen der "Heute"-Herausgeberin veröffentlicht:

"Sie sprechen von einem Bruttovolumen von 13 Millionen Euro der Stadt Wien (ohne Unternehmen) in der Zeit 2004 bis 2011. Diese Summe ist erstens falsch und außerdem haben wir mehrere große private Kunden, die in dieser Zeit deutlich mehr als die Bruttosumme von 13 Millionen Euro in 'Heute' geschaltet haben."

"Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass wir Ihr Mail mit den falschen Behauptungen an unseren Anwalt weitergeleitet haben. Sollten Sie diese falschen Behauptungen trotzdem veröffentlichen, obwohl wir Sie hiermit schriftlich informiert haben, dass die Zahlen unrichtig sind und die Behauptungen unrichtig sind, werden wir Sie umgehend auf Verleumdung und Schadensersatz klagen."

Laut Skrabal ging es nicht darum, "Heute" zu attackieren

Gegenüber "Medianet" erklärte Florian Skrabal, Medieninhaber, Eigentümer der Domain und Herausgeber von "Dossier", dass die Erhebung 133 Stunden Arbeit in Anspruch genommen habe und eine Ausweitung auf andere Medien personelle und finanzielle Ressourcen überstiegen hätte. "Das grundsätzliche Problem ist, dass die Stadt Wien keine Auskunft über Inseratenschaltungen gibt - das war unser Ansatz und deswegen haben wir diese an Hand des Marktführers 'Heute' analysiert", so Skrabal zu der Branchenzeitung. Weiters sei es ihm in keinster Weise darum gegangen, die Gratiszeitung zu attackieren, sondern die Schaltungen der Stadt aufzuzeigen.
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