Discovery krallt sich Olympia-Rechte
 

Discovery krallt sich Olympia-Rechte

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Rechte für Olympische Spiele 2018 bis 2024 gehen an Discovery/Eurosport. Das Unternehmen zahlt etwa 1,3 Milliarden Euro und sichert sich damit die Rechte für ganz Europa, auch Österreich ist betroffen. Der ORF wird über Sublizenzierungen verhandeln

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat bekannt gegeben, dass die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele zwischen 2018 und 2024 in ganz Europa, Russland ausgenommen, an Discovery, und damit an Eurosport, gehen. Der Medienkonzern zahlt etwa 1,3 Milliarden Euro und erwirbt damit die Exklusivrechte für alle Plattformen - also Free-TV, Pay-TV und auch Online und Mobile.

Discovery hat sich verpflichtet, mindestens 200 Stunden der Sommerspiele und 100 Stunden der Winterspiele im frei empfangbaren Fernsehen zu zeigen. In Österreich dürfte das kein Problem werden, hierzulande ist Eurosport ein Free-TV-Sender und über Satellit und einige Kabelnetze zu empfangen, ebenso in Deutschland. Im Rest von Europa tritt Eurosport aber größtenteils als Bezahlsender auf, hier muss Discovery die Rechte sublizenzieren und hat auch schon angekündigt, das zu tun.

Um den Rechtekauf zu finanzieren, könnte Discovery natürlich aber auch in Österreich und Deutschland Rechtepakete für Free-TV-Sender schnüren. Beim ORF heißt es auf HORIZONT-Nachfrage: "Der ORF blickt möglichen Verhandlungen mit Discovery ebenso entgegen, wie dies beim Erwerb der Olympia-Rechte 2014 und 2016 gegenüber dem Rechteinhaber Sportfive der Fall war."

Der ORF ist nun aber auf Discovery angewiesen - und damit auf einen mächtigen Verhandlungspartner. Anfang 2014 hat sich das Medienunternehmen die Mehrheit an Eurosport gesichert. Damit hat Discovery nun die Möglichkeit, die Events selbst zu übertragen. Discovery hat zudem bereits angekündigt, Eurosport in Zukunft stärken zu wollen. Die Olympischen Spiele kommen da natürlich zur richtigen Zeit. Es ist also durchaus denkbar, dass der ORF zwischen 2018 und 2024 zwar weiterhin über Olympia berichten wird und einzelne Wettkämpfe zeigt, nur eben nicht mehr in dem Umfang wie bisher.

Discovery und Eurosport haben sich zudem verpflichtet, einen neuen Olympia-Sender für den europäischen Raum zu entwickeln.

David Zaslav, CEO von Discovery Communications, sagt: "Heute ist ein historischer Tag: Mit Stolz können wir die olympischen Ringe dem Angebotsportfolio von Discovery Communications hinzufügen. Das langfristige Programm-Engagement mit Präsident Bach und dem IOC bekräftigt die Position von Eurosport als europäischem Marktführer in Sachen Sportfernsehen und wird die Präsenz von Eurosport auf allen Plattformen erheblich erweitern. Bei Eurosport gibt es eine langjährige Tradition der Ausstrahlung zahlreicher olympischer Winter- und Sommersportarten - dass nun noch die Olympischen Spiele hinzukommen, das größte Live-Event der Welt, ist die perfekte redaktionelle und strategische Ergänzung."

J. B. Perrette, Präsident von Discovery Networks International, fügt hinzu: "Seit einem Jahr gehört Eurosport jetzt zu Discovery - damals begann unsere langfristige Aufgabe, die Marke und ihre Netzwerke neu zu beleben und zu stärken. Die heutige Ankündigung ist ein unglaublich wichtiger Meilenstein auf dieser Reise."

In Deutschland reagieren ARD und ZDF weniger gelassen als der ORF. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es: "ARD und ZDF hatten ein angemessenes Angebot abgegeben. ARD und ZDF sind langjährige Partner des IOC und berichten nicht nur bei den Olympischen Spielen, sondern auch in den Jahren zwischen den Spielen kontinuierlich über olympische Sportarten. Damit tragen ARD und ZDF in wesentlichem Maße zur Popularisierung der olympischen Sportarten bei." Aus der Presseaussendung des IOC gehe zudem nicht hervor, was die Entscheidung für den deutschen Fernsehmarkt bedeute: "Hieraus ergeben sich Fragen an das IOC und den DOSB."
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