"Dinosaurier starben nicht an Heuschrecken"
 

"Dinosaurier starben nicht an Heuschrecken"

Debatte um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks geprägt von TVthek-Vermarktung und Haushaltsabgabe

Sind öffentlich-rechtliche Sender vom Aussterben bedrohte Dinosaurier? Und was sollen ORF und Co. in punkto neuer Medien dürfen? Damit beschäftigte sich am Mittwoch eine prominent besetzte Diskussionsrunde bei den Österreichischen Medientagen.

ORF-Finanzdirektor Richard Grasl nahm das Sprachbild auf und erklärte, diese hätten immerhin "170 Millionen Jahre gut gelebt. Und ausgestorben sind sie angeblich wegen eines Meteoriteneinschlages, oder weil sie Vögel wurden. Aber es war keine Heuschreckenplage, die die Dinosaurier vernichtet hat". Ein Seitenhieb auf die Private Konkurrenz, die nach Lesart des Öffentlich-Rechtlichen als deutsche Medienkolonalisten den heimischen Markt abgrast. Man werde sich jedenfalls einem „Anpassungsprozess unterwerfen müssen" verteidigte Grasl die Pläne, die TVthek vermarkten zu wollen. Puls4-Chef Markus Breitenecker übte heftige Kritik am ORF: Dieser habe mehr Unterhaltungsprogramm als vom Gesetz erlaubt ist. Auf beiden Programmen zusammen gebe es 50 Prozent Unterhaltung. Die Privatsender haben hierzu ein Verfahren bei der Medienbehörde KommAustria eingebracht. Darüber werde diese Woche entschieden, so Breitenecker.

Grasl konterte, dass der lineare Fernsehkonsum sich in den nonlinearen transformiere und kündigte auch an, ein neues Gebührenmodell anzudenken: Er will "Schritte in Richtung Haushaltsabgabe tun". Unter Berücksichtigung aller Vorlaufprozesse könne man damit schon 2015 fertig sein, glaubt der Finanzdirektor.

Was die Freiheiten des ORF betrifft sei "Österreich eine Insel der Unglücklichen", zumindest aus Sicht der Privatsender, sagte Jürgen Doetz vom deutschen Privatsenderverband. "Da kann kein Privatsender groß werden, wenn der ORF immer als erster an der Krippe sitzt".

Auch Tobias Schmid, Bereichsleiter Medienpolitik bei der Mediengruppe RTL Deutschland, meinte, "der öffentlich-rechtliche Rundfunk besiegt im Endeffekt ohnehin sich selbst". Wichtigste Zukunftsvoraussetzung sei, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk unverwechselbar sei, was er zumindest bei ORF eins nicht gegeben sieht: "Wenn ich mir ORF eins und RTL anschaue, dann kann ich die Programme nur anhand der Senderkennung rechts oben auseinanderhalten." Grasl wies dies mit dem Hinweis auf die neue "Die.Nacht" zurück.

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