Digitalradio nimmt nur langsam Fahrt auf
 

Digitalradio nimmt nur langsam Fahrt auf

Verein Digitalradio Österreich
Laut Wolfgang Struber zeugt die Entscheidung der KommAustria für eine bundesweite Ausschreibung von DAB+ ab 2017 von „Weitsicht in der Planung von digitalem Hörfunk in Österreich“.
Laut Wolfgang Struber zeugt die Entscheidung der KommAustria für eine bundesweite Ausschreibung von DAB+ ab 2017 von „Weitsicht in der Planung von digitalem Hörfunk in Österreich“.

Obwohl eine RTR-Studie eine schwache Basis für einen österreichweiten Ausbau von DAB+ sieht, kommt es ab 2017 zu einer bundesweiten Ausschreibung.

Dieser Artikel erschien bereits in der HORIZONT-Ausgabe 38/2016 vom 23. September 2016. Hier geht's zum Abo.

Deutschland hört immer mehr Digitalradio. Das ist das Ergebnis des Anfang September vorgelegten Digitalisierungsberichts, aus dem zum dritten Mal in Folge ein starkes Wachstum für Digitalradio hervorgeht. Demnach sei die Anzahl der DAB+-Empfangsgeräte innerhalb eines Jahres um 29 Prozent auf 8,24 Millionen angestiegen – damit verfügt ein Siebtel der deutschen Bevölkerung über Digitalradio. In Österreich werden dem Übertragungsstandard DAB+, der sich hierzulande noch im Testbetrieb befindet, nicht so rosige Aussichten attestiert. Eine im Sommer veröffentlichte Studie im Auftrag der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) sieht eine „schwache Basis“ für einen österreichweiten Ausbau von DAB+, da es an einer „überzeugenden Wachstumsstory“ und „realistischen Geschäftsmodellen“ fehlen würde. Erfolgsgeschichten aus dem Ausland seien aufgrund unterschiedlicher medienpolitischer Rahmenbedingungen nicht auf Österreich übertragbar.

Beim Verein Digitalradio Österreich plädiert man dennoch für einen weiteren Ausbau von Digitalradio. Zudem sieht das Digitalisierungskonzept der Medienbehörde KommAustria eine bundesweite Ausschreibung von DAB+ ab 2017 vor, damit 2018 der Regelbetrieb anlaufen kann. Laut dem Digitalisierungskonzept sollen neben Wien weitere Hörfunkcluster im Osten Österreichs sowie in den Landeshauptstädten entstehen – im Endausbau wären 24 bis 30 bundesweite Radioprogramme denkbar. „Die Entscheidung der KommAustria zeugt von Weitsicht in der Planung von digitalem Hörfunk in Österreich. Während DAB+ bereits heute europaweit der Standard für digitale Terrestrik darstellt, wird nun auch in Österreich die Infrastruktur für eine innovative Radiozukunft aufgebaut werden können“, sagt Wolfgang ­Struber, stellvertretender Obmann des Vereins. 


Drei Millionen über drei Jahre 


Laut RTR-Chef Alfred Grinschgl seien ab 2018 Förderungen in der Höhe von drei Millionen Euro über drei Jahre möglich. Förderungen könnte es für Radios, die erstmals DAB+ senden und für einen Parallelbetrieb von UKW und DAB+ geben. Denn selbst wenn DAB+ entgegen aller Skepsis zum Erfolgsmodell avanciert – mit der Abschaltung von UKW ist aufgrund des Widerstands etlicher Marktteilnehmer nicht vor 2024 zu rechnen. Dazu zählen auch UKW-Marktführer ORF und Kronehit, die aktuell keine Teilnahme an DAB+ planen. UKW oder DAB+, welches Modell sich letzten Endes auch durchsetzen wird oder ob beide nebeneinander existieren werden, wird sich erst in einigen Jahren abzeichnen.
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