Digitalradio: Das fordert die EU-Allianz
 

Digitalradio: Das fordert die EU-Allianz

Foto Weinwurm/Radio Arabella
Wolfgang Struber, Geschäftsführer Radio Arabella: ‚Die Geräteindustrie soll zukünftig nur noch Hybridgeräte anbieten.‘
Wolfgang Struber, Geschäftsführer Radio Arabella: ‚Die Geräteindustrie soll zukünftig nur noch Hybridgeräte anbieten.‘

Seit zwei Jahren ist Radio Arabella nun Mitglied der Europäischen Digitalradio Allianz. Geschäftsführer Wolfgang Struber skizziert die weiteren Pläne.

Dieser Artikel ist zuerst in Ausgabe Nr. 11/2018 des HORIZONT erschienen. Noch kein Abo? Hier klicken!

300 Radiostationen in über einem Dutzend Länder, 130 Millionen Hörer – das ist die Europäische Digitalradio Allianz. Seit ihrer Gründung im März 2016 ist genau ein österreichischer Sender Mitglied dieser Allianz: Radio Arabella. Geschäftsführer Wolfgang Struber, zugleich Vorsitzender des Vereins Digitalradio Österreich, betont zwei Jahre später gegenüber HORIZONT die Ziele der Gemeinschaft: „Sinn und Zweck der Allianz ist das Setzen eines klaren Zeichens, um den digitalen Radiostandard DAB+ zum Hauptverbreitungsweg für Radio zu machen.“ Dabei sei in der Vergangenheit bei der Weiterentwicklung des Hörfunks und seiner Verbreitungswege zu sehr auf die Stakeholder der nationalen Ebene gesetzt worden. Jetzt, wo DAB+ zum Radio der Zukunft werde, sieht Struber Europa gefordert. „Gerade in Österreich ist es wichtig, dass private Hörfunkbetreiber Präsenz zeigen, spiegelt doch das Engagement des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf europäischer Ebene nicht das Marktverhalten in Österreich wider.“

Das Radio der Zukunft sieht Struber als „Projekt für ganz Europa“, das nur gemeinsam mit den Partnern in der Allianz über Landesgrenzen hinweg entwickelt werden könne. „Wichtig ist, dass die Geräteindustrie zukünftig – wie beim Umstieg von der Mittelwelle auf UKW – nur noch Hybridgeräte für DAB+ und UKW-Empfang anbieten soll und das zu einem für die Verbraucher attraktiven Preis.“ Diese Interoperabilität im abschließenden Text des EU-Telekommunikationspaketes zu verankern, fordert die Allianz.

Bei Österreichs Status der Digitalradio- Entwicklung übt Struber Kritik am ORF: „Während in allen anderen europäischen Staaten der öffentlichrechtliche Rundfunk der Treiber von Innovationen und Digitalisierung beim Hörfunk ist, lehnt der ORF die Einführung von Digitalradio konsequent und in aller Deutlichkeit ab.“ Nach etwa 20 Jahren dualem Rundfunk stehe Österreich bei einer Radiomarktsituation von rund 70 Prozent für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und etwa 30 Prozent für den privaten Hörfunk. „So sind die kommunizierten Argumente gegen eine Digitalisierung des Hörfunks auch zu interpretieren“, sagt der Radio- Arabella-Geschäftsführer: „Es soll der Umstieg von analogem auf digitales Radio möglichst lange hinausgezögert werden, um Marktanteile nicht zu gefährden.“ Beim Thema Radioplayer (siehe HORIZONT-Coverstory 7/2018) findet Struber die Haltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks „spannend“. Auch hier ortet er eine „Verzögerungstaktik“, die das Geschäftsmodell eines dominierenden Unternehmens „einzementieren“ sollen. Weltweit zeichne sich nur DAB+ als digitaler Standard ab. Auf diesen vertraue auch die Geräte- und Fahrzeugindustrie.

Strubers Rechnung

Auf die oft geäußerte Kritik, dass Digitalradio zu teuer sei, antwortet Struber mit einer Rechnung: Die 191 Radiominuten, die die Österreicher täglich hören, entsprächen mehr als 300.000 Terabyte Netto-Daten pro Jahr, also etwa dem dreifachen mobilen Datenvolumen in ganz Österreich. Webradio stoße hier an seine technologischen Grenzen. Zudem gebe es Kosten für den Kunden, der sein Internet bezahlen muss, und auch für den Programmanbieter gehe Streaming ins Geld: Die Übertragungskosten „one-to-one“ würden mit wachsender Userzahl steigen. „Studien zufolge ist die Radioübertragung via Internet um den Faktor 40 teurer als UKW, um den Faktor 400 teurer als DAB+“, rechnet Struber. Die Kosten für eine gute Österreichweite (85 Prozent der Bevölkerung) Ballungsraum-Versorgung mit DAB+ würden sich für ein Radioprogramm auf rund 130.000 Euro pro Jahr belaufen.

Um das Ökosystem „Radio“ weiter entwickeln zu können, bedarf es Struber zufolge gesetzlicher Änderungen im ORF-Gesetz, Privatradiogesetz und im Audiovisuellen Mediendienste- Gesetz – und zwar dahingehend, mehr als zwei Programme von einem Veranstalter möglich zu machen. Das bedeute einerseits neue Programm-Möglichkeiten für private Hörfunkbetreiber. Die Anzahl solle der Markt regulieren. Andererseits müssten „klare medienpolitische Weichenstellungen für die Digitalisierung der Hörfunkangebote des ORF gestellt werden“.

Aktuell wartet Struber auf den Zulassungsbescheid für den Betrieb der sogenannten Multiplex-Plattform für den bundesweiten Betrieb von DAB+, die im ersten Quartal 2018 kommen soll. Auch die Aufbauarbeiten des regionalen Multiplex für die Ostregion Österreichs seien in vollem Gange. Hier gehen rund 15 neue und bestehende Radioprogramme on air. „Positiv hoffnungsvoll blicken wir auch auf die Verwertungsgesellschaften und hoffen, dass mit AKM eine ebenso wirtschaftlich tragbare Situation hergestellt werden kann, wie bereits mit LSG“, meint Struber.

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