"Digital News Report": Neuer Reuters Report: ...
 
"Digital News Report"

Neuer Reuters Report: Vertrauen in Nachrichten gesunken

APA/Getty Images
Out now: Die jährliche Reuters-Erhebung zu Nachrichtennutzung und Vertrauen in Medien.
Out now: Die jährliche Reuters-Erhebung zu Nachrichtennutzung und Vertrauen in Medien.

TV-Nachrichten sind weiterhin die wichtigste Hauptnachrichtenquelle, soziale Medien punkten bei den Jungen, die Bereitschaft für Online-Nachrichten zu bezahlen wächst.

Die Anzahl der Nachrichten-Enthusiasten ist in Österreich wie auch das allgemeine Vertrauen in Nachrichten nach einem Hoch im Vorjahr wieder rückläufig. Dies ist ein zentrales Ergebnis der Österreich-Auswertung des "Reuters Institute Digital News Report", der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Bereitschaft für Online-Nachrichten zu zahlen wächst, und TV-Nachrichten sind weiterhin unangefochtene Hauptnachrichtenquelle der österreichischen Bevölkerung.

Kräftiges Minus für ORF, 'Standard' und 'Presse'

Das allgemeine Vertrauen in Nachrichten liegt in Österreich bei 40,6 Prozent und damit 5,7 Prozentpunkte niedriger als noch 2021. Verglichen mit der vorigen Befragung vor der Coronapandemie stieg das Vertrauen jedoch leicht an (2020: 39,7 Prozent). Als vertrauenswürdigste Marken scheinen die ORF-Nachrichten (61,7 Prozent), "Der Standard" (58,4 Prozent) und "Die Presse" (56,4 Prozent) auf, wobei allesamt gegenüber dem Vorjahr mehr als zehn Prozentpunkte einbüßten.

Auch die Zahl der "Nachrichten-Enthusiasten" im Land ist nach einem Vorjahreshoch wieder gesunken. So nutzen 27,4 Prozent täglich mindestens sechsmal pro Tag Nachrichten, 2021 taten das noch 33,5 Prozent. Aber auch hier liegt gegenüber der Befragung vor der Pandemie eine leichte Steigerung vor (2020: 26,2 Prozent). Die Zahl der "Schlagzeilen-Folger", die Nachrichten ein bis fünfmal täglich nutzen, macht 55,6 Prozent der Befragten aus. 17 Prozent sind "Gelegenheits-Nutzer". Sie nutzen Nachrichten überhaupt nicht oder zumindest nicht täglich. Mit niedrigerem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, sich nicht täglich auf dem Laufenden zu halten. Gleichzeitig ist aber der Anteil der Personen, die Nachrichten öfter als zehn Mal pro Tag nutzen, bei den 25- bis 34-Jährigen (14,7 Prozent) und den 18- bis 24-Jährigen (13,6 Prozent) am höchsten. Mit steigendem Haushalteinkommen und höherem Bildungsabschluss wächst die Wahrscheinlichkeit, Nachrichten mehrmals täglich zu nutzen.

Fernsehen ist Primär-Quelle

Als Hauptnachrichtenquelle rangiert das Fernsehen (33,2 Prozent) mit Abstand vor den Webseiten bzw. Apps von Zeitungen (13,6 Prozent), sozialen Medien (13,3 Prozent), Radio (12,8 Prozent) und gedruckten Zeitungen (11,4 Prozent). Betrachtet man die jüngere Bevölkerung, so sind soziale Medien bereits die wichtigste Nachrichtenquelle. Im internationalen Vergleich fallen Österreicherinnen und Österreicher gesamt betrachtet aber mit unterdurchschnittlicher Nutzung von sozialen Medien als Hauptnachrichtenquelle auf. Eine überdurchschnittliche Affinität ist dafür bei Radio und gedruckten Zeitungen gegeben.

Gefragt, welche Nachrichtenquelle in der vergangenen Woche genutzt wurde, sind ebenfalls TV-Nachrichtenprogramme mit 61,6 Prozent (2021: 66,8 Prozent) Spitzenreiter. Es folgen Radio-Nachrichtenprogramme mit 50,8 Prozent (2021: 54,2 Prozent) und Soziale Medien mit 47,4 Prozent (2021: 48,2 Prozent). Weiter abgebaut haben gedruckte Zeitungen (2022: 40 Prozent; 2021: 42,4 Prozent). Webseiten bzw. Apps von Zeitungen haben mit 40,9 Prozent gegenüber 2021 (44,4 Prozent) ebenfalls verloren, konnten aber gegenüber 2019 zulegen (38,6 Prozent). Betrachtet nach Altersgruppen zeigt sich, dass soziale Medien bei den jüngeren Befragten (18-24) boomen (63,3 Prozent), während gedruckte Zeitungen kaum genutzt werden (14,4 Prozent).

13,5 Prozent zahlen für Online-News

Der Trend dazu, für Online-Nachrichtendienste zu zahlen, setzt sich fort. So gaben 13,5 Prozent der Befragten 2022 Geld für Online-Nachrichten aus. 2021 waren es 12 Prozent, 2020 10,6 Prozent. Die Bereitschaft dazu ist bei Jüngeren und Personen mit hohem Bildungsabschluss ausgeprägter. Im internationalen Vergleich hinkt Österreich hier aber weiter hinterher. EU-weit haben 14,7 Prozent der Befragten für Online-Nachrichten bezahlt, weltweit 15,7 Prozent.

Besonders hoch ist das Interesse an Lokalnachrichten (64,8 Prozent), internationaler Berichterstattung (62 Prozent) und politischen Nachrichten (57,8 Prozent). Nachrichten zu Umwelt und Klimawandel interessieren 43,1 Prozent. Dabei meinen 38,1 Prozent der Befragten in Bezug auf die Klimakrise, dass die Medien eine Reihe von Ansichten widerspiegeln und es den Menschen selber überlassen sollten, sich zu entscheiden. 33,7 Prozent der Studienteilnehmer sind der Ansicht, dass Nachrichtenorganisationen eine klare Position zugunsten von Klimakrise-Maßnahmen beziehen sollten.

Abhängig von Politik und Wirtschaft

Lediglich eine von vier befragten Personen erachtet die Berichterstattung in Österreich als meist unabhängig von unzulässigem Einfluss durch Politik oder Regierung. 45 Prozent verneinen das. Unzulässige Einflussnahme durch Unternehmen und andere kommerzielle Aktivitäten nehmen 39,2 Prozent wahr. Bedenken, im Internet nicht zwischen Fakten und Falschmeldungen unterscheiden zu können, äußert fast jeder dritte Befragte. Am häufigsten stoßen Befragte auf irreführende Infos zu Covid-19 (56,4 Prozent), Politik (31,7 Prozent) und Klimawandel (23,4 Prozent).

Zur Studie

Basis der Studie ist eine Befragung von rund 2.000 Österreicherinnen und Österreichern, die von 25. Jänner bis 7. Februar 2022 durchgeführt wurde. In diesem Zeitraum galten in Österreich aufgrund der Corona-Pandemie Einschränkungen im Alltag. Auch wurden die Daten vor dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine erhoben, was bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden sollte. Die Untersuchung ist repräsentativ für die erwachsene österreichische Bevölkerung. Für die Erhebung der Daten war YouGov Plc. als Partner des Reuters Institute zuständig. Für die Auswertung und Analyse zeichnete ein Wissenschafterteam der Universität Salzburg (Fachbereich Kommunikationswissenschaft) verantwortlich.

Der Digital News Report zum Nachlesen

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