"Die Zeit" wird gefälscht
 

"Die Zeit" wird gefälscht

Globalisierungsgegner Attac verteilt 150.000 gefakte Ausgaben der Qualitätszeitung, datiert auf den 1. Mai 2010.

"The Yes Men" machte es im November 2008 vor, als sie 1,2 Millionen gefälschte Exemplare der "New York Times" verteilten, um Barack Obama an seine Wahlversprechen zu erinnern. Jetzt nutzte das globalisierungskritische Netzwerk "Attac" die Qualitätszeitung "Die Zeit" als Trägerbrand für eine Fake-Aktion. 150.000 Exemplare wurden am Samstag deutschlandweit verteilt, 100.000 Exemplare liegen heute der "taz" bei. Der Achtseiter sieht der "Zeit" verblüffend ähnlich, ist aber ein Stück kleiner (Berliner Format), ist datiert auf den 1. Mai 2010 und beschreibt inhaltlich eine mögliche Zukunft nach der Wirtschaftkrise - theoretisch binnen 13 Monaten umsetzbar, wie die Organisation gegenüber der dpa einräumt: ein G20-Treffen beschließt die Besteuerung großer Privatvermögen und internationaler Konzerne, Kabarettist Matthias Deutschmann schreibt über das Ende des Kasinokapitals, Schriftstellering Daniela Dahn über die neue internationale Fernsehstation Social-TV. Und: Die UN beschließt die Einführung eines "Weltgeldes".

Die gefälschten Inserate sind betitelt mit "Damit uns das Lachen nicht vergeht" oder "Opel- fit für die Zukunft".

"Die Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo sieht die Sache entspannt: "Ich muss zugeben, dass sie gutgemacht ist", die Fälschung. Von rechtlichen Schritten sieht er außerdem ab, für ihn ist der Fake vielmehr "ein Zeichen der Wertschätzung" für "Die Zeit".
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