Die Vielfalt der TV-Zukunft
 

Die Vielfalt der TV-Zukunft

Bei den Österreichischen Medientagen wurden wirtschaftliche Modelle und die Finanzierungen von digitalen und analogen Programmen diskutiert.

Ex-RTL-Chef Helmut Thoma meinte einmal, "es gibt keine bessere Möglichkeit Geld zu verbrennen, als neue TV-Sender zu gründen." Diskussionsleiter Dr. Christian Rainer, Herausgeber trend/profil, wollte von den Podiumsteilnehmern wissen, wie die TV-Landschaft in nächsten 10 bis 20 Jahren aussehen wird. RTL-Informationschef Hans Mahr, sieht zwar einen breiten Ansatz für wirtschaftliche Modelle, traut sich aber keine Prognosen abgeben, was die Umsetzung betrifft. Für ihn ist klar, dass alles kommen wird: digital, Breitband und interaktiv-TV, er glaubt aber, dass es bis zum Ende dieses Jahrzehntes dauern wird. Auch der Ausbau von breitbandigen Online-Angeboten wird ähnlich verlaufen, wie auch die Durchsetzung im mobilen Bereich. ORF-Kaufmann Dr. Alexander Wrabetz, der bekrittelt, dass interaktiv-TV dem ORF vom neuen Gesetz her verboten ist, sieht die Diskussion dramatisch verändert und hat die Finanzierungsschiene in den Hintergrund gedrängt. Laut Wrabetz war es die falschverstandene Konvergenz, dass Web-TV und Pay-TV keinen Durchbruch geschafft haben. Künftig sieht er eine Konzentrationswelle am TV-Markt, allein, weil der Kampf um die Rechte zunehmen wird. Für ihn werden weltweit nur einige Gruppen als Anbieter übrigbleiben.



Für den ORF als kleinen, lokalen Player sieht Wrabetz durchaus Chancen, obwohl die Rahmenbedingungen schwieriger werden. Dass der Zugang zu Spartenkanälen verwehrt bleibt, sieht er als sehr schmerzlich an. Die Entwicklung am Kabelsektor bereitet ihm Sorgen, weil diese durch US-Finanzgruppen kontrolliert werden. Fred Kogel, KirchMedia, glaubt an die Visionen von Hans Mahr, stellt aber das Tagesgeschäft zur Diskussion: Hier geht darum, dass sich die Kosten durch Wiederholungssendungen für den Sender rechnen. Schon heute werden 60 Prozent der Werbeeinnahmen in der Prime-Zeit erzielt. Auch Kogel sieht eine Konzentrationswelle kommen. Das kann Gefahr bedeutet, aber auch eine Chance. Christine von Salm, Neun Live,stellt das sogenannte Transaktionsfersehen vor, das beim deutschen Privatsender erfolgreich umgesetzt wird. Damit erzielt Neun Live reale Gewinne, die mit Werbung nicht erreicht werden können. Für Salm ein Beispiel für eine neue Nutzungsform von Fernsehen. Kogel meint, dass TV den Vorteil hat, dass man nichts Dazutun muss und darum auch in zehn Jahren noch Massenmedium sein wird. Das bestätigt auch von Salm, "weil sich am Trägheitsprinzip der Seher nichts ändern wird." Auch Wrabetz glaubt, dass der Seher überfordert sein wird, aus 350 digitalen Kanälen einen Nutzen zu ziehen. Eher sieht er Spartenressorts in Senderfamilien.

Mahr mahnt ein, dass TV nicht ungeschoren davonkommen wird: Die heavy-User der Internetgenaration sehen um 20 Prozent weniger fern. Und auch der Glaube, dass wir US-Verweildauer beim Fernsehen erreichen können, wird sich nicht erfüllen. Man wird sich bei 180 Minuten einpendeln. Mahr glaubt, dass die großen Anbieter auf allen Ebenen präsent sein müssen. Medienindentität sei nur im Zusammenschluss von großen Räumen möglich. Im Zeitungsbereich sei das schon längst passiert. Das sieht Wrabetz anders: Für ihn muss es im TV eine gewisse eigene Stärke geben, eine Identität, weil man sonst sprachlich unter die Räder kommt.

(gk)



Die Horizont-Bildergalerie zu den Österreichischen Medientagen finden Sie auf www.onlinephoto.at, fotografiert von Peter Svec.

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