Die Reaktionen auf den Rücktritt von BBC-Chef...
 

Die Reaktionen auf den Rücktritt von BBC-Chef Tony Hall

APA (AFP)
Im Wahlkampf hatte Johnson die BBC-Finanzierung in Frage gestellt.
Im Wahlkampf hatte Johnson die BBC-Finanzierung in Frage gestellt.

Der BBC-Generaldirektor hat gestern seinen Rücktritt angekündigt. Premier Boris Johnson hatte zuletzt scharfe Kritik am Finanzierungsmodell der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt geübt.

In seinem auf der BBC-Homepage veröffentlichten Schreiben verwies Tony Hall auf die neuen Verhandlungen des Senders über die gesetzliche Grundlage für das öffentlich-rechtliche Fernseh- und Rundfunksystem der Insel, der sogenannten Charta, die auch die Rahmenbedingungen für die Finanzierung stellt. Im Regelfall muss alle zehn Jahre über sie entschieden werden. Eine Zwischenprüfung steht 2022 an, die Charta läuft dann 2027 aus. Der 68-Jährige wolle im Sommer den Weg frei für eine neue Person machen.

Der ehemalige Kulturminister und konservative Pro-Brexit-Abgeordnete John Whittingdale rief erneut zur Debatte über das Finanzierungsmodell der BBC auf, die nach der Zwischenprüfung 2022 geführt werden müsse. "Die massive Zunahme von gestreamten Inhalten und die Verbreitung von Abonnementdiensten wirft Fragen über die Nachhaltigkeit auf", betonte der Tory-Abgeordnete gegenüber dem Guardian. Die Beziehung zwischen Boris Johnsons Konservativen und der BBC gestaltet sich schon lange schwierig, weil sich der Premierminister weigerte, an Debatten und Interviews des Senders teilzunehmen. Johnson warf dem Rundfunk eine zu Brexit-kritische Berichterstattung vor und stellte im Wahlkampf das Finanzierungsmodell der BBC, das dem des ORF ähnlich ist, infrage.

Die Labour-Abgeordnete und ehemalige Justizministerin Harriet Harman erklärte, die BBC stehe vor einem "gefährlichen Moment", da viele Tories überhaupt nicht an einen öffentlich-rechtlichen Sender gebunden seien. Kevin Brennan, ebenfalls Labour-Abgeordnete, ergänzte, dass der neue Generaldirektor bereit sein müsse, den Sender zu verteidigen. Whittingdale deutete zudem an, dass es ihm fern liege, die Rundfunkgebühren durch ein Abonnementmodell zu ersetzen, da dies nur möglich sei, wenn das Fernsehen über das Internet verbreitet wird. Aber die Möglichkeit, zu einem Abonnement überzugehen, sei "eine Debatte, die man auf jeden Fall zum Zeitpunkt der Zwischenprüfung 2022 beginnen sollte".

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