Die Pläne für ATV
 

Der neue Eigentümer ProSiebenSat.1 Puls 4 wird ATV zu sich an den Standort holen. Puls 4 und ATV sollen "komplementär" programmiert werden und die Redaktionen werden in vollem Umfang erhalten bleiben.

Seit Freitag, null Uhr, ist ProSiebenSat.1 Puls 4 Eigentümer von ATV. Geschäftsführer Markus Breitenecker betonte, dass es sich bei dem Deal um eine "Aufholfusion" gegen die Macht des ORF am "Subventionsmarkt" handle. Zum Kaufpreis machte er keine Angaben. Ein "Turnaround" ist bereits mit 2018 vorgesehen, ein Break-even soll in "zwei bis maximal drei Jahren" errreicht werden. "ATV ist ein sehr schwerer wirtschaftlicher Sanierungsfall und das trotz sehr guter Arbeit, die die ATV-Mitarbeiter geleistet haben", sagt Breitenecker am Freitagvormittag bei einer Pressekonferenz. Die Sendergruppe wird den Privatsender von der Aspernbrückengasse zu sich an den Standort in den Wiener Media Quarter Marx holen. Geplant ist, dass der Umzug Ende 2017 abgeschlossen ist. 

Gespräche über Sozialplan

Den ATV-Mitarbeitern wurde gestern ein bereits beschlossenes "Restrukturierungsprogramm" präsentiert, das ATV 70 Stellen kosten wird. "Das betrifft eigentlich alle Bereiche", so Bernhard Albrecht, CFO von ProSiebenSat.1 Puls 4. Mit dem Betriebsrat werden Gespräche über einen Sozialplan geführt. Betont wurde auch, dass die Sendergruppe bereits seit vier Monaten keine Stellen nachbesetzt habe, um diese künftig jenen 70 ATV-Mitarbeitern bevorzugt anzubieten. "Ich gehe davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Mitarbeiter, die nicht an den neuen Standort kommen, deutlich geringer ist, als diese 70", sagt Albrecht.

Michael Stix, CCO von ProSiebenSat.1 Puls 4, ärgerte sich darüber, dass Medien den Stellenabbau prominent erwähnen. "Wir übernehmen 80 Plätze garantiert", betont er. Die Alternative wäre die Schließung von ATV gewesen. Mit ATV zusammen werde man "früher oder später 500 Arbeitsplätze" geschafft haben. "Vertrauen Sie uns dahingehend, dass wir Arbeitsplätze schaffen auf dem Standort und sehr behutsam vorgehen", so Stix.

"Komplementäre" Programmgestaltung

In punkto Programmgestaltung sollen ATV und Puls 4 künftig "komplementär" programmiert werden. "Ziel ist es, dass sich beide Sender voneinander entfernen, weil sie ähnliche Zielgruppen ansprechen", umreißt es Thomas Gruber, der neue Programmgeschäftsführer von ATV. Marktanteile wolle man sich nicht innerhalb der Sendergruppe absägen, sondern von der Konkurrenz, betont Gruber.

Bei ATV werden künftig Eigenformate, Reportagen und die Themen "Crime" sowie "Society" groß geschrieben. Auf Puls 4 werden weiterhin Sitcoms, Comedy, Serien und Sport forciert. Gruber sagte etwa, dass man auf beiden Sendern dem Thema "News" noch mehr Bedeutung zumessen möchte und die unterschiedlichen Nachrichtensendungen über den Tag verteilen werde. "Unser Motto ist mehr oder weniger 'News around the clock'", so Gruber. Schon im Mai sollen erste Änderungen im Programmschema sichtbar werden. Zudem steht ATV II ein "Softrelaunch" bevor. ATV II sei ein "sehr starker Sender, dem derzeit ein klares Profil fehlt", sagt Albrecht. Der Relaunch soll voraussichtlich bis zum ersten Quartal 2018 erfolgen.

Eigenständige Redaktionen

Die ATV-Redaktion wird auch künftig in vollem Umfang erhalten und eigenständig bleiben, sagt Infordirektorin Corinna Milborn, die diese Woche in die Geschäftsleitung der Sendergruppe aufgestiegen ist. "Der Zusammenschluss ist ein ganz wichtiger Schritt zum Erhalt der Medienvielfalt in diesem Land", so Milborn. Um diese Vielfalt auch weiterhin gewährleisten zu können, würden die beiden Redaktionen eigenständig bleiben. Entscheidungen über Beiträge, deren Gestaltung, Schnitt und Vertonung werden die Chefredakteure autonom treffen, vorgesehen ist allerdings der Austausch von Rohmaterial. Milborn informiert auch, dass bereits vor dem Verkauf fünf Stellen in der ATV-Redaktion abgebaut worden sind.

"Aus Vermarktungssicht ist das heute ein Freudentag, auf den ich in den letzen Jahren persönlich sehr hingefiebert habe", sagt Michael Stix. Derzeit werden die Onlineseiten von ATV, ATV II und ATVsmart von Goldbach Austria vermarktet - dieses Vermarktungsverhältnis werde aufgelöst, weil es "wichtig ist, dass wir alles aus einer Hand vermarkten können", sagt Stix.
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