Die ÖVP auf Franks Spuren
 

Die ÖVP auf Franks Spuren

Editorial von Sebastian Loudon, Herausgeber (HORIZONT 37/2013)

Diesen Wahlkampf hat die ÖVP aber ­sowas von verhagelt, das lässt sich mit unerwarteter Sicherheit bereits zwei Wochen vor der Nationlratswahl sagen. So gut wie alles, was die Volkspartei in den vergan­genen Wochen an Botschaften absetzte, wirkte vollkommen erratisch, widersprüchlich oder einfach nur komplett daneben. Allein der „Abgesandelt“-Sager von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl hält die Partei bis heute in Schach. Es gibt kein Interview, bei dem der ­jeweilige ÖVP-Proponent nicht befragt wird, wie es denn jetzt aus seiner Sicht wirklich um den Wirtschaftsstandort Österreich bestellt sei. Nicht weniger verwirrend stolpert die Plakatkampagne daher. Anneliese Rohrer vermutet in ihrem Presse-Blog gar, die deutsche Agentur Butter, vornehmlich mit SPD-Wahlkämpfen ­erprobt, sei der ÖVP von der politischen Gegnerschaft als Maulwurf eingeschleust worden, so sehr spiele sie der SPÖ in die Hände.

Nun, Plakate und Werbung aller Art bleiben immer noch Geschmackssache, womit Rohrer aber jedenfalls recht hat: Der ÖVP-Werbelinie fehlt jede Form der Durchgängigkeit, der in­neren Logik, der Wiedererkennbarkeit. Nicht einmal bei der Farbe schafft man Konsistenz. In all diesen Parametern liegt die SPÖ-Kam­pagne, handgefertigt von Mariusz Jan Demner und durchgezogen von einem Parteiapparat, der immer dann, wenn es wirklich darauf ­ankommt, die Reihen dicht geschlossen hält, Lichtjahre voran. Ein klare Positionierung, wenige Worte, gute Fotos und rundherum: Parteidisziplin. Da möchte man sogar die rot-weiß-rote Krawatte, die dem Bundeskanzler umgebunden wurde, verzeihen. Fast.

Und die ÖVP? Zieht an einem Strang, nur in diametral gesetzte Richtung. Und garniert ­diesen missglückten Werbefeldzug noch mit ­einem Fettnäpfchen der be­sonderen Art, das wenig Wirkung in der breiten Öffentlichkeit hat, dafür aber umso mehr über das seltsame Medienverständnis der handelnden Personen aussagt: Weil das ­Magazin News Vorwürfe zu mutmaßlich illegalen Parteispenden ausschlachtet, storniert die ÖVP doch glatt einen Werbeauftrag.
Jeder, der gleichzeitig Gegenstand von Berichterstattung ist und Inserate in Auftrag gibt, kennt den Reflex, bei unfreundlicher und erst recht bei unfairer Berichterstattung am liebsten gleich die Werbeausgaben im ­jeweiligen Medium stornieren zu wollen. ­Allein: Diesen Reflex gilt es zu überwinden. Es steht niemandem gut zu Gesicht, kritische Medien mit einem Anzeigenboykott zu belegen – schon gar nicht einer staatstragenden Partei. Dass die ÖVP hier auf Stronach-­Niveau agiert, zählt zu den traurigsten Überraschungen dieses Wahlkampfs.
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