Die magazinisierte Wissensgesellschaft
 

Die magazinisierte Wissensgesellschaft

In der herrschenden Informationsflut werden Magazine auch weiterhin solide Hintergrundberichterstattung liefern, die die Leser auch künftig honorieren werden.

Im abschließenden Arbeitskreis der Medientage diskutierten hochrangige Vertreter aus dem Printmedienbereich unter der Leitung von Manstein-Geschäftsführer Dkfm. Milan Frühbauer die Zukunft Magazinmarktes. Frühbauer stellte die These auf, dass Magazine "Schönwetterprodukte sind, die bei guter allgemeiner wirtschaftlicher Lage funktionieren", bei konjunkturellen Einbrüchen aber ebenso schnell und schwer betroffen seien. Dieser These widersprachen die Panelteilnehmer allerdings einhellig.



Hans-Georg Fischer vom deutschen Mitsubishi-Kundenmagazin "Sprint" hob hervor, dass seit der Gründung von "Focus" im Jahr 1993 "kein Stein auf dem anderen im Magazinmarkt" geblieben sei. "Focus", der auf Optik, Charts und Information in Häppchen setzte, habe Einflüsse auf alle anderen bestehenden Magazine gehabt.



Matthias Körner, Geschäftsführer der Bauer Medien KG zeigte sich überzeugt, dass "Zeitschriften nicht in der Klemme sind", eher werde die Segmentierung noch weiter zunehmen. Medhard Meier, Geschäftsführer des Schweizer Wirtschaftsmagazins "Bilanz" meinte: "Ich glaube absolut an die Form von Magazinen, das ist ein convenience Produkt", der Erfolg eines Magazins hänge aber ganz stark vom Vertrauen in die Marke ab, die wiederum mit cross-medialen Konzepten gestärkt werden könne. Verzichten auf Magazine könnten Leser keinesfalls: "Ich muss ja den Spiegel, den Stern oder andere Magazine lesen, um berufsrelevante Informationen möglichst schnell und gut aufbereitet zu bekommen. Das ist eine große Chance für die Magazine."



Andreas Schilling, Anzeigenleiter des "Stern", hob hervor, dass gerade bei den "großen, strittigen Themen der Informationsgesellschaft, wie etwa Gentechnologie oder Globalisierung eine wahre Flut" an Information da sei, und diese gefiltert und aufbereitet werden müsse - eine Funktion, die seiner Meinung nach Magazine besser ausüben könnten als TV, Radio, Internet oder auch Tageszeitungen. Wolfgang Fellner, Geschäftsführer des News-Verlages, beschwörte "das Jahrzehnt des Magazins" für Österreich. Seiner Meinung nach sei die größte Innovationskraft der Medien in den letzten Jahren immer vom Magazinmarkt ausgegangen, und die Österreicher hätten eben "eine große Begeisterung" für das Lesen von Magazinen. Diese Lesefreude führte er nicht zuletzt auf die Auswirkungen der Bildungspolitik in den 60er- und 70er Jahren zurück. Selbst Tageszeitungen übernehmen laut Fellner immer stärker Themen mit Magazincharakter, um ihre Leser umfassend zu informieren.



Ralph Köhler, Geschäftsführer der Werbeagentur Heye und Partner München, legte dar, welche Funktion den Printanzeigen in diesem bunten, ansprechend gestalteten Layout der Magazine noch bliebe: "Wir müssen Werbung in Printmedien noch mehr reduzieren, die Information auf das Wesentliche beschränken". Diese Anforderung führe automatisch zu Anzeigen mit hohem Bild- und geringem Textanteil, damit der Leser in der Informationsflut überhaupt eine Chance habe, Anzeigen wahr zu nehmen.



Die Podiumsrunde, die kaum untereinander divergierende Ansichten vertrat, schloss Wolfgang Fellner mit einem Blick in die Zukunft: Dass gerade Jugendliche derzeit am deutschen Markt für ein Revival von Jugendmagazinen ungeahnten Ausmaßes sorgten, ließ ihn auf eine weitere erfolgreiche Zukunft des Magazinmarktes schließen.



(ck)

Die Horizont-Bildergalerie zu den Österreichischen Medientagen finden Sie auf www.onlinephoto.at, fotografiert von Peter Svec.

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