,Die Hausaufgaben wurden bereits 2001 gemacht...
 

,Die Hausaufgaben wurden bereits 2001 gemacht‘

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Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Zeitungen, im Gespräch mit HORIZONT.(c)VÖZ
Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Zeitungen, im Gespräch mit HORIZONT.(c)VÖZ

Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Zeitungen, streut den heimischen Verlegern Rosen.

HORIZONT:  Bislang blieb das befürchtete Titelsterben in der österreichischen Zeitungslandschaft aus. Haben die österreichischen Zeitungsverleger ihre Hausaufgaben gemacht?

Gerald Grünberger:
Mit Sicherheit, denn die österreichischen Medienhäuser verlegerischer Herkunft haben bereits mit der Medienkrise 2001/2002 ihre Hausaufgaben gemacht und konnten daher sehr rasch auf die Konjunkturkrise reagieren  – einerseits durch gezielte Gegenmaßnahmen  sowie andererseits  durch Offensivmaßnahmen. Also, nicht bloß fantasieloses Sparen, sondern alle Bewegungsspielräume im Tagesgeschäft  nutzen. Aber auch strukturell sind nahezu alle Titel auf Zukunftskurs. Die unsägliche Debatte über das Zeitungssterben, welche aus den Vereinigten Staaten importiert  und von einigen – elektronischen - Mitbewerbern geschürt wird, hat mit der tatsächlichen Entwicklung in weiten Teilen Europas und speziell in Österreich nichts zu tun. Das sind Kassandrarufe, die tagtäglich widerlegt werden!

HORIZONT:  Wie erleben Sie die Situation in Österreich verglichen zu anderen europäischen Märkten?

Grünberger:
Österreich ist eines jener Länder in Europa, die zu den starken Zeitungsnationen gehören. Neben den skandinavischen Staaten zählen wir zu den Top 5 in Europa was Reichweite und Stabilität betrifft. Neben den vorhin genannten Maßnahmen um die Kostenstruktur in den Griff zu bekommen, ist mit Sicherheit das über viele Jahre aufgebaute und exzellent funktionierende Hauszustellungssystem der Tageszeitungen ein wesentlicher Vorteil und unschlagbares Asset, um das uns viele beneiden. Eine Gefährdung dieser Logistik wie zuletzt durch das Postmarktgesetz oder durch Behinderungen  im Zusammenhang mit der Ausländerbeschäftigung treffen da den Nerv und gefährden somit auch das Rückgrat unserer demokratischen Gesellschaft. Ein weiterer Punkt, um den uns viele in Europa gerade jetzt beneiden, ist das praxiserprobte Presseförderungsgesetz zur Sicherung der Qualität und der regionalen Vielfalt. Viele andere europäische Länder wie Frankreich oder die Niederlande haben in den letzten zwei Jahren ähnliche Kraftanstrengungen unternommen. Ein Ausbau der Presseförderung und eine Objektivierung der Inseratenvergabe der Bundesregierung, die nicht der Marktverzerrung Vorschub leistet, sind mit Sicherheit notwendige Schritte für die nähere Zukunft.

HORIZONT:  Welche Signal aus dem Markt erhalten Sie für 2010? Ist das Schlimmste vorbei?

Grünberger:
Ich hoffe für alle Wirtschaftssektoren, dass das Schlimmste bereits hinter uns liegt, wobei freilich die Horrormeldungen rund um Griechenland nichts Gutes verheißen. In der Zeitungswirtschaft hat sich anfänglich mit Beginn des heurigen Jahres zwar eine leichte Erholung angekündigt, jedoch haben sich nun wohl alle auf ein ähnlich schwieriges Jahr wie das letzte eingestellt.

HORIZONT:  Was steht derzeit auf der Agenda des Verbandes?

Grünberger: Jede Menge. Organisatorisch gesehen wird der Verband Österreichischer Zeitungen am 17. Juni in seiner Generalversammlung einen neuen Vorstand und auch Präsidenten wählen. Inhaltlich bewegen uns natürlich Themen wie Paid Content, das neue ORF-Gesetz, die geplante Novelle zum Medienrecht, die Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung, Anpassungen im Urheberrecht, das Heranführen junger Leser an das Medium Print, die klare Positionierung des VÖZ als Kaufzeitungsverband und verstärktes Gattungsmarketing. Wie Sie sehen es gibt genug zu tun, es wird uns mit Sicherheit nicht langweilig.

HORIZONT: Bei einer HORIZONT-Diskussion über „Google und die Zukunft der Zeitung“ sprach sich ÖVP-Mediensprecher Kopf für die Bezahlung von Leistungsschutzrechten von Google an die Verlage aus. Wie sehen Sie die Chancen darauf? Und wie ist der Verband in diese Diskussion involviert?

Grünberger: Der Verband Österreichischer Zeitungen ist in dieser Diskussion sehr aktiv involviert, ich würde sogar sagen, er ist eine der wesentlichen Triebfedern in dieser Entwicklung. Vergangene Woche hat zum Beispiel auf Initiative von Frau NR-Präsidentin Prammer ein Runder Tisch im Parlament zu diesem Thema stattgefunden, bei dem sehr klar die Notwendigkeit solcher Maßnahmen aufgezeigt wurden. Auch ÖVP-Klubobmann Kopf hat die Notwendigkeit eines Leistungsschutzrechtes für Verleger erkannt, um österreichischen Content auch in Zukunft im Netz zu sichern und  vor dem parasitären Verhalten von News-Aggregatoren zu schützen. Diese Haltung stimmt uns natürlich für eine baldige Lösung optimistisch, da ähnliche Diskussionen in Deutschland laufen und auch dort ein breiter politischer Konsens darüber besteht.

HORIZONT: Sie arbeiten eng mit ihren Kollegen in anderen Ländern, welche länderübergreifenden Themenstellungen gibt es?

Grünberger: Natürlich spielen dabei alle Themen die in Brüssel, sprich auf Ebene der Europäischen Union diskutiert werden, eine ganz maßgebliche Rolle. Zu den wesentlichen Themen zählt dabei die Stellung und das Wettbewerbsverhalten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, es geht aber auch um mögliche Werbebeschränkungen oder um die Harmonisierung der Verbraucherschutzrichtlinie. Außerdem sorgen Intiativen im Bereich Medienkonzentration und Medienvielfalt regelmäßig für Gesprächsstoff. International ist vor allem das Thema Pressefreiheit eine große Mission,  für die sich unser Verband seit einiger Zeit auch sehr aktiv und engagiert einbringt.

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