Die großen Tanker schweigen
 

Die großen Tanker schweigen

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Jenseits des HORIZONT.

Fünf bis sieben Milliarden Euro Schaden für Samsung und ein Supergau für die Marke. Brennende Batterien, in Flugzeugen explodierende Handys. Die Behörden reagieren: Totalverbot fürs Galaxy 7. Und was macht Samsung, außer, dass man nach der Zögerei den Produktionsstopp verkündet und 100 Euro pro Rückruf anbietet.

Selbstverständlich erwartet man, dass die folgsamen Kunden dann halt ein anderes Samsung-Handy nehmen. Hat Samsung nichts gelernt, oder ist es eine Mischung aus Arroganz und purer Angst? Viele Marken sind nach solchen Gaus vom Markt verschwunden. Blackberry ist so gut wie inexistent, Nokia tot, Panasonic nicht mehr vorhanden.

Was hat VW angesichts der größten Schwindelei in der Geschichte des Konzerns getan: zunächst weitergelogen. Bis heute weiß man nicht, wer worin involviert war und wer den Auftrag zum Schwindeln gegeben hat. Scheibchenweise werden Manager abgelöst, in großem Stil demütigt sich VW-Chef Müller vor den US-Behörden und winselt, dass man die Strafe herabsetzen sollte. Von tätiger Reue keine Spur. Weiter so. Jetzt steigt man halt um auf E-Mobility.

Die Sammelklage aus Österreich wird – derweilen noch – ignoriert. Die VW-Töchter reagieren ähnlich: Audi leugnet, gibt dann zu, entlässt einen vermeintlichen Sündenbock und es geht weiter wie gehabt.Die Deutsche Bank – zunächst Inbegriff der Sicherheit, dann Inkarnation der Arroganz, ist in mehr als 6.000 Betrugsfälle verwickelt. Die Aktien sind im Keller. Kommuniziert wird seit Jahren, dass man absolute Transparenz wolle.

Bis heute keinen Schimmer davon. Die Schuldfrage des ehemaligen Vorstandvorsitzenden ist noch nicht geklärt. Die Risikovorsorge in der Bilanz ist erschreckend hoch. Die US-Behörden verlangen neben einer saftigen Milliardenstrafe, dass die Bank ihre Investmentbankinggeschäfte einstellt. Totalverbot auch hier.

Bei VW und bei der Deutschen Bank wurden die Kommunikationschefs mehrmals ausgewechselt – warum? Weil sie schlecht waren? Oder weil sie die Wahrheit kommunizieren wollten? Unerträglich ist auch die Tatsache, dass Europa offensichtlich keinen Einfluss mehr hat. Großartig und vollmundig erklärt man, in Zukunft Google und Amazon ordentlich besteuern zu wollen. Und verhängt Strafen, die Amazon in Irland zahlen sollte. Die Iren – immerhin EU-Mitglied – wollen die Strafe nicht haben.

Ja nicht riskieren, dass die Konzerne ihren Sitz verlegen. Schließlich ist Irland die Zentralstelle für Helpdesks europaweit und hat niedrige Steuern. Die US-Amerikaner reagieren: VW soll mehr zahlen. Und Europa geht in die Knie. CETA wird halbherzig negiert. Mit viel Getöne. Die national-patriotischen Politiker ziehen die Krafthose an und machen doch die Windeln nass.

Wer wundert sich noch, dass niemand es mehr für Wert befindet, aufzuklären, sich zu entschuldigen, Reue zu zeigen und Versprechen einzuhalten. Weiter lügen. Weiter verschweigen. Der entmündigte Konsument schluckt alles. Und die sterbenden Printmedien zittern um Inserate.

Dass Österreich für die großen Multis nicht existent ist, zeigt sich an Samsung: Kein einziger Satz an die Öffentlichkeit seitens der österreichischen Vertretung. Das zeigt die Bedeutungslosigkeit. Die Niederlassung als aufgepoppte Betriebsstelle, die jederzeit Disposition steht. Was will man angesichts ein paar Dutzend verkaufter Note 7 Handys schon groß? Ein Verdacht tauchte in letzter Zeit auf: Handys haben deshalb fix eingebaute Batterien, weil sie auch im Nichtbetrieb abgehört werden können. Die Wanze ist im Akku. Sonst noch mehr?
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