Die ersten 100 Tage: Medienpräsenz österreich...
 

Die ersten 100 Tage: Medienpräsenz österreichischer Bundeskanzler im Vergleich

HERBERT PFARRHOFER
ABD0055_20171021 - WIEN - ÖSTERREICH: ÖVP-Bundesparteiobmann Sebastian Kurz nach einem Sondierungsgespräch mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Samstag, 21. Oktober 2017, in Wien. - FOTO: APA/HERBERT PFARRHOFER
ABD0055_20171021 - WIEN - ÖSTERREICH: ÖVP-Bundesparteiobmann Sebastian Kurz nach einem Sondierungsgespräch mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Samstag, 21. Oktober 2017, in Wien. - FOTO: APA/HERBERT PFARRHOFER

APA-DeFacto untersuchte in ihrer neuesten Analyse die Medienpräsenz der letzten fünf österreichischen Kanzler in der Startphase.

In der Karwoche ist es 100 Tage her, dass die ÖVP-FPÖ-Regierung und mit ihr Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ihr Amt antrat. Anlässlich dieser oft zitierten Startphase untersuchte APA-DeFacto die Medienpräsenz der letzten fünf österreichischen Kanzler in dieser Startphase. Dabei zeigt sich: Die ersten 100 Tage einer Kanzlerschaft können medial meist in drei Phasen eingeteilt werden: Hype, Gewöhnung und Normalisierung.

Besonders in den ersten Amtswochen erreichen neu angelobte Kanzler Sichtbarkeitswerte, die ansonsten nur am Höhepunkt von Wahlkämpfen zu beobachten sind. Bundeskanzler Kurz ist da keine Ausnahme, von den fünf analysierten Regierungschefs seit dem Jahr 2000 verzeichnete Kurz in den ersten 100 Tagen die höchsten Sichtbarkeits- und Präsenzwerte. Mit einem Indexwert von 68 Punkten (4.734 Beiträge) übertrumpft Kurz seine Vorgänger in der Medienpräsenz, er punktete mit internationalen Treffen, Aussagen zu innenpolitischen Themen oder Auftritten bei den jüngsten Landtagswahlen.

BILD zu OTS - Die ersten 100 Tage - PrŠsenzindex šsterreichischer Kanzler seit 2000
APA / DeFacto
BILD zu OTS - Die ersten 100 Tage - PrŠsenzindex šsterreichischer Kanzler seit 2000

Die niedrigste mediale Sichtbarkeit der ersten Amtsmonate verzeichnete Kurz in der Woche der Liederbuch-Affäre rund um den FPÖ-Politiker Udo Landbauer. Mediale Highlights waren indes die Antrittsbesuche bei der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und bei Russlands Präsident Wladimir Putin.

„Insbesondere Kanzler nach Koalitionswechseln weisen in der Hype-Phase ausgesprochen hohe Werte auf“, erläutert Manuel Kerzner, Medienanalyst bei APA-DeFacto, einen Zusatzeffekt. So erreichte SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer, dessen Regierung eine schwarz-blaue Koalition ablöste, in den ersten 100 Tagen nach seinem Amtsantritt 2006 einen Präsenzindex von 60,8 (5.167 Beiträge) und damit im Ranking Platz zwei sowie den besten Wert der analysierten roten Regierungschefs. Insbesondere emotionalisierende Themen wie der Ortstafelstreit in Kärnten, der geplante Eurofighter-Ausstieg oder die AKW-Temelin-bedingte Grenzblockade zu Tschechien fielen in den Zeitraum seiner ersten 100 Tage.

Kurz' Vorgänger Christian Kern (SPÖ) kam 2016 auf einen Wert von 60,2, ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel 2000 auf 58,2 und SPÖ-Kanzler Werner Faymann 2008 auf 36,1. Christian Kern verzeichnete trotz oder gerade wegen einer gefühlten Ermattung der „Großen Koalition“ nach seiner Angelobung hohe Werte. Neben den Thematiken Flüchtlingsverteilung und Bundespräsidenten-Stichwahl stellte vor allem seine Wahl zum SPÖ-Vorsitzenden, die in der sechsten Woche nach der Angelobung erfolgte, das mediale Highlight der ersten 100 Tage dar.

Schüssel kam wegen der internationalen Aufregung um die damalige schwarz-blaue Regierung zwar auf die meisten Beiträge (5.804), nahm aber eine weniger intensive Rolle in der Berichterstattung ein als das Gros seiner Nachfolger. Vor allem internationale Auftritte hatten bei Schüssel in den ersten 100 Tagen Seltenheitswert.

Werner Faymann, ab 2008 der direkte Nachfolger seines SPÖ-Parteikollegen Gusenbauer, belegt mit lediglich 36,1 Punkten (2.917 Beiträge) den letzten Platz im Ranking und verbuchte bei mittlerer Intensität nur halb so viele Beiträge wie etwa Wolfgang Schüssel. Mit Slogans wie „Genug gestritten“ plädierte er schon im Wahlkampf für weniger Aufsehen und eine geringere Sichtbarkeit.

stats