Die Briten kommen! 'The Sun' expandiert in di...
 

Die Briten kommen! 'The Sun' expandiert in die USA

The-Sun.com
Britische Boulevard auf amerikanisch: Die 'Sun' ist in Amerika mit einer eigenen Seite gestartet.
Britische Boulevard auf amerikanisch: Die 'Sun' ist in Amerika mit einer eigenen Seite gestartet.

Mit der ‚Sun‘ ist bereits die dritte britische Tageszeitung mit einer eigenen US-Redaktion gestartet. Beim Sprung über den großen Teich ist man aber vorsichtig.

Eine Version dieses Artikels erscheint in der Ausgabe 5/2020 des HORIZONT. Noch kein Abo? Hier klicken.

"Hallo Amerika!“ Ohne Ankündigung, Premierenparty oder Presseaussendung, lediglich mit diesem Tweet startete die britische Boulevardzeitung The Sun im Jänner ihre US-Website.

Twitter/The Sun

Die Zurückhaltung hat einen Grund. Die Expansion von Großbritannien über den großen Teich dürfte vorerst noch ein Versuchsballon sein. Allzu zaghaft geht man das Projekt dann aber doch nicht an: Während österreichische Medien, die die Online-Expansion nach Deutschland wagen, dafür keine zusätzlichen personellen Ressourcen zur Verfügung stellen, startete die Sun laut dem Portal Digiday mit rund einem Dutzend Mitarbeiter in der Redaktion und dem Audience Development. Diese recherchieren und schreiben nicht nur selbst Artikel, sondern sollen auch die Geschichten des britischen Blattes für ein US-Publikum aufbereiten. Die neue Mini-Redaktion befindet sich im Gebäude des milliardenschweren Eigentümers News Corp in Midtown Manhattan in New York.

100 Millionen User außerhalb Großbritanniens

Optisch ist die neue Seite von The U.S. Sun jener ihrer britischen Schwester sehr ähnlich. Inhaltlich allerdings sind deutliche Unterschiede zu erkennen: Lächeln einem von der britischen Seite viele Royals und Londoner Sternchen entgegen, so finden sich auf der US-Seite vor allem Hollywood-Stars. Trotz der Zurückhaltung fußt das US-Engagement auf harten Zahlen: Laut dem letzten News-Corp-Geschäftsbericht erreichte die Sun 2019 monatlich mehr als 100 Millionen Unique User außerhalb Großbritanniens.

Alleine in den USA konnte das Onlineportal laut Comscore monatlich 26 Millionen Unique User erreichen. Das ist außerhalb Großbritanniens der größte Lesermarkt der Zeitung. Zusätzliche Einnahmen könnte News Corp gut gebrauchen. 2019 hatte der britische Ableger News UK, zu dem neben der Sun die Times und Sunday Times gehören, einen Umsatzrückgang von vier Prozent auf rund eine Milliarde Dollar (930 Millionen Euro) zu verzeichnen. Grund seien der schwache Printanzeigenmarkt auf der Insel und Auswirkungen von Währungsschwankungen gewesen, gab das Unternehmen bekannt.

Britische Konkurrenz bereits da

Doch der Einstieg in den US-Markt ist nicht ohne Risiken. An Promi-Magazinen und Boulevardblättern mangelt es in den Vereinigten Staaten nicht gerade. Medien wie der ­National ­Enquirer oder TMZ sind dabei oft noch untergriffiger als die ohnehin robusten britischen Boulevardblätter. Mit der New York Post hat News Corp auch ein eigenes amerikanischen Boulevardblatt im Markt.

In Übersee wartet außerdem bereits Konkurrenz aus der Heimat. Die Daily Mail startete 2014 eine eigene US-Seite und ist damit erfolgreich: Inzwischen arbeiten rund 200 Mitarbeiter in den USA für das britische Boulevardblatt. Die Daily Mail liegt mit rund 70 Millionen monatlichen Besuchern unter den Top 50 der US-Websites.

Fleißige US-Spender

Auch der seriösere ­Guardian versucht seit geraumer Zeit auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Mit Büros in New York, San Francisco und Washington DC machte man im Bilanzjahr 2019 einen Umsatz von 21,5 Millionen Pfund (25 Millionen Euro). Inzwischen arbeiten rund 100 Journalisten für den Guardian in den USA. Mehr als 46 Millionen Unique User kann die US-Seite Monat für Monat verzeichnen.

Das zahlt sich für das Blatt, das zuletzt verstärkt auf Spenden als Finanzierungsmodell setzt, auch finanziell aus. Mehr als die Hälfte der einmaligen Spenden kommen inzwischen aus den USA. Damit ist der Guardian US eigenständig überlebensfähig und profitabel, wie eine Sprecherin des Unternehmens dem HORIZONT erklärt: "Unser Umsatz ist in drei Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen."

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