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"Deutschland kann sich der Langeweile nicht erwehren"

Michael Grabner lobte beim Zigarrenclub den Mut Österreichischer Medienmacher zum Risiko.

Seit 1991 machte der Österreicher Michael Grabner in der Stuttgarter Verlagsgruppe Holtzbrinck Karriere, zuletzt als stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung. Nach einer Neuordnuzg der Führung löste er seinen Vertrag vorzeitig und kehrte im Frühjahr dieses Jahres in seine Heimat Wien zurück, wo er als Vertreter der Raiffeisen-Gruppe die Interessen im Gesellschafterausschuss des Verlagshauses Mediaprint wahrnimmt. In Markus Schindlers Zigarrenclub war er geladen, über die Unterschiede zwischen den Medienlandschaften in Österreich, Deutschland und der Schweiz zu referieren. Zeitungen wären langweilig geworden meinte Grabner zur Situation in Deutschland.

Einzige Ausnahme sei die Bildzeitung, die offiziell zwar keiner lese, die aber rätselhafterweise dennoch täglich 3,8 Millionen Mal gekauft werde. Weiters sei die deutsche Medienlandschaft gekennzeichnet von einer Monopolstruktur, im Gegensatz zur Schweiz, wo es viele kleine lokale und regionale Zeitungen mit vergleichsweise niederen Auflagenzahlen gebe. Zur derzeitigen Situation auf dem Tageszeitungsmarkt in Österreich meinte Graber, es sei wie in Berlin vor ein paar Jahren. Acht Tageszeitungen matchen um den Markt in Wien, aufgeben wolle niemand und das ganze resultiere im fröhlichen Verteilen von Zeitungen. Die Situation bringe zwar Vorteile gegenüber dem Deutschen Markt, der sich laut Grabner „der Langweile nicht erwehren könne“, führe aber mitunter zu einem Qualitätsverlust. Insgesamt sprach Grabner dem Österreichischen Medienmarkt aber ein hohes Lob aus, man sei hier bereit zum Risiko.

Aprospros Risiko: Wie bekannt wurde, ist Grabner nach eigenen Worten „kleiner Teilaktionär“ beim Gratiszeitungsprojekt Punkt.CH, das im Herbst dieses Jahres in der Schweiz starten wird. Ebenfalls beiteiligt bei dem Projekt ist der Vorarlberger Verleger Eugen Russ, in dessen Medienhaus ein Teil der Auflage von Punkt.Ch gedruckt werden soll. Neu beim laut Grabner „hoch risikobehafteten Projekt“ Punkt.CH ist, dass es in den Wohnhäusern der Schweizer aufliegt. So engagiert sich Grabner zwar bei Projekten im Ausland, preist aber dennoch sein Heimatland. Österreich sei ein herrliches Land, wer es nicht schätze, solle nach Hannover gehen.

(sir)

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