Deutsche Verlagshäuser starten Handy-TV
 

Deutsche Verlagshäuser starten Handy-TV

Der Testbetrieb von Mobile-TV wurde am 1. Juni in Hamburg, München, Frankfurt und Hannover aufgenommen.

Rechtzeitig zur Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz ist das neue Handy-Fernsehen in Deutschland auf Sendung. Zum 1. Juni sei der Testbetrieb von Mobile-TV in Hamburg, München, Frankfurt und Hannover gestartet, teilte der Plattformbetreiber Mobile 3.0 am 2. Juni 2008 in München mit. Hinter Mobile 3.0 stehen die Verlagshäuser Hubert Burda und Georg von Holtzbrinck sowie das Unternehmen MFD Mobiles Fernsehen. Auch in Österreich soll pünktlich zur EURO 2008 Handy-TV starten.

Die Betreiber wollen dem lange schleppend verlaufenen Handy-TV in Deutschland nun endgültig zum Durchbruch verhelfen. Getestet wird der TV-Betrieb über den Rundfunkstandard DVB-H. Die Übertragung von Fernsehen über Rundfunksignale gilt grundsätzlich als stabiler und kostengünstiger als über den Mobilfunkstandard UMTS. Mobile 3.0 hatte unter anderem die Mobilfunknetzbetreiber Vodafone, T-Mobile und O2 ausgestochen, die ebenfalls Handy-TV anbieten wollen.

Das von Finanzinvestoren und dem australischen Medienunternehmen Naspers kontrollierte Unternehmen MFD hatte sich bereits mit Handy-TV über den Konkurrenzstandard DMB versucht. Das Projekt brachte aber nur eine überschaubare Kundenzahl. Auch war die Zahl der Programme auf absehbare Zeit auf fünf beschränkt, wie ein Sprecher erläuterte. Deshalb sei das Projekt im Frühling eingestellt worden.

Zum Empfang des mobilen Fernsehens ist ein DVB-Handy nötig. Die Besitzer könnten während des Testbetriebs die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, das künftige Regionalprogramm Deutschland 24 sowie drei Radiostationen frei empfangen, erläuterte ein Sprecher des Betreiberkonsortiums. Getestet werde zudem der verschlüsselte Empfang der Sender RTL, Vox, Sat.1 und ProSieben sowie n-tv und N24 der privaten TV-Konzerne RTL sowie ProSiebenSat.1. Der Ausbau des Netzes und der kommerzielle Vertrieb hingen von der endgültigen Lizenzvergabe ab, sagte der Sprecher weiter. Noch sei keine Entscheidung für einen Vertriebspartner gefallen.

Die Zukunft des Handy-TV hängt an einem komplizierten Genehmigungsverfahren: Zwar hat die Gesamtkonferenz der Landesmedienanstalten den Zuschlag erteilt. Jede einzelne Anstalt muss Mobile 3.0 jedoch separat ihr Einverständnis geben. Das sei noch nicht geschehen, sagte der Sprecher von Mobile 3.0. Deshalb sei der Start auch nicht wie ursprünglich geplant in sechs bis sieben großen Städten in Deutschland möglich. Ziel sei weiterhin, bis Jahresende den Fernsehempfang über Mobiltelefone in allen großen deutschen Städten zu ermöglichen.


Konkurrenz droht Mobile 3.0 seitens der nicht zum Zug gekommenen Mobilfunknetzbetreiber Vodafone, T-Mobile, O2 und die KPN -Tochter E-Plus. Diese wollen Handy-TV mit neuen Mobiltelefonen möglich machen, die über integrierte DVB-T-Empfänger verfügen. DVB-T löst die analoge Übertragung von Rundfunksignalen auf den heimischen Fernseher ab und ist ohne Gebühr zu empfangen. Die DVB-T-Technik galt lange als ungeeignet für Handy-TV, weil die Geräte viel Strom brauchten.
Quelle: APA/Reuters

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