Deutsche Redakteure zur Lage des Journalismus
 

Deutsche Redakteure zur Lage des Journalismus

Eine Umfrage der dpa-Tochter news aktuell unter knapp 700 Journalisten liefert ein ernüchterndes Bild zur Selbsteinschätzung der Berufsgruppe und ihrer Lage.

news aktuell hat sich im November 2010 unter knapp 700 Journalisten in Deutschland umgehört, mit teils ernüchternden Ergebnissen:

Ein Hauptpunkt der Umfrage konzentrierte sich auf neue Umsatzmöglichkeiten beziehungsweise auf das Wegbrechen alter Einnahmequellen. Knapp zwei Drittel der befragten Journalisten bezweifeln, dass Apps für iPhone, iPad und andere Tablet-PCs das Potenzial haben, die Umsatzverluste im Printgeschäft auszugleichen. Immerhin jeder Dritte räumt den Apps eine potentielle Chance ein ("eventuell": 33 Prozent). Nur sechs Prozent aller befragten Medienvertreter sind dagegen heute fest davon überzeugt, dass Apps die finanzielle Stütze der Zukunft werden. 

Auch die Meinung zu Paid-Content wurde abgefragt: Für die einen haben Bezahlinhalte im Netz ihre besten Zeiten noch vor sich (43 Prozent), für die anderen wird es "immer ein Nischenprodukt" bleiben (42 Prozent). Gut jeder Zwanzigste erklärt laut Umfrage das Thema sogar für "tot".

Dritter großer Punkt der news aktuell-Umfrage waren die Anstellungsverhältnisse der Journalisten. Auch hier bestätigte sich, dass Medienhäuser zunehmend mit freien anstatt angestellten Redakteuren arbeiten wollen. Das ist laut den Befragten für die PR-Branche klar von Vorteil, denn 75 Prozent aller Befragten geben an, dass der Journalismus dadurch durchlässiger für die PR wird. Fast ebenso viele Journalisten bemängeln, dass Verlage zu wenig tun, um die Qualität ihres Mediums trotz Personal-Einsparungen zu erhalten (74 Prozent). Der Tiefgang der Berichterstattung nehme ab, die Qualität sinke und die Unabhängigkeit leide.

Dass sich die Internetangebote deutscher Verlagshäuser in absehbarer Zeit finanziell selbst tragen werden, bezweifeln laut Studie noch immer fast zwei Drittel aller Journalisten (57 Prozent). Darunter mehr als die Hälfte aller befragten Redakteure aus Rundfunk (53 Prozent), Zeitschriften (52 Prozent) und Pressebüros (52 Prozent). Mehr Optimismus zeigen dagegen Kollegen aus Nachrichtenagenturen ("auf jeden Fall": 19 Prozent/"eventuell": 19 Prozent) sowie aus dem Online- und Multimedia-Bereich ("auf jeden Fall": 15 Prozent/"eventuell": 39 Prozent). Ein Blick auf die Umfrageergebnisse vom Juni 2009 macht deutlich, dass sich die skeptische Einstellung zu Internetangeboten als Umsatztreiber in den letzten 17 Monaten kaum verändert hat.

Auch zum Thema Geschenkannahme wurden die Journalisten befragt: Fast jeder zweite Journalist gibt laut Studie an, schon mal kleinere Geschenke (bis schätzungsweise 20 Euro) von PR-Beratern oder Unternehmenssprechern erhalten zu haben (44 Prozent). Fast ebenso viele Medienvertreter geben zu, auch schon mal zu aufwendigen Pressereisen (42 Prozent) oder Sport- und Musikevents eingeladen worden zu sein (39 Prozent). Gängig scheint auch die Einladung zum Essen, das bestätigte jeder dritte Befragte (35 Prozent). Jeder Fünfte sagt, er sei noch nie "bestochen" worden (22 Prozent).

Die Meinung der Journalisten über die allgemeine Lage der Medienbranche in 2010 ist geteilt. Für fast jeden zweiten Medienmacher war sie in 2010 "nicht zufriedenstellend" (47 Prozent), fast ebenso viele empfanden sie immerhin "akzeptabel" (45 Prozent). Als "glänzend" beurteilen nicht mal zwei Prozent die Lage in 2010. Jeder Zwanzigste bewertet sie sogar mit "katastrophal" (5 Prozent).

Die vollständigen Ergebnisse finden Sie hier.
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