Deutsche Journalisten richten Brief an Kurz
 

Deutsche Journalisten richten Brief an Kurz

HERBERT PFARRHOFER
ABD0055_20171021 - WIEN - ÖSTERREICH: ÖVP-Bundesparteiobmann Sebastian Kurz nach einem Sondierungsgespräch mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Samstag, 21. Oktober 2017, in Wien. - FOTO: APA/HERBERT PFARRHOFER
ABD0055_20171021 - WIEN - ÖSTERREICH: ÖVP-Bundesparteiobmann Sebastian Kurz nach einem Sondierungsgespräch mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Samstag, 21. Oktober 2017, in Wien. - FOTO: APA/HERBERT PFARRHOFER

"Mit großer Sorge" beobachten deutsche Journalisten die Angriffe von FPÖ-Politiker auf Journalisten und den ORF.

Unterzeichner des offenen Briefs an Sebastian Kurz sind unter anderem Nikolaus Brender, der ehemalige Chefredakteur des ZDF, und einige deutsche Fernsehjournalisten wie Maybrit Illner, Claus Kleber, Frank Plasberg, Marietta Slomka, Anne Will und Ulrich Wickert.

Der offene Brief im Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

mit großer Sorge beobachten wir die Angriffe von Politikern Ihres Koalitionspartners FPÖ auf unabhängige Journalisten und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ORF in Ihrem Land. Bestürzt sind wir über das Facebook-Posting Ihres Vertreters im Amte des Bundeskanzlers, Heinz-Christian Strache, in dem er den ZiB2-Nachrichtenmoderator und Hanns-Joachim-Friedrichs-Preisträger Armin Wolf mit Luge und Propaganda gleichsetzt und hunderte Journalistinnen und Journalisten des ORF als Propagandisten und Produzenten von Falschmeldungen verleumdet.

Das Machwerk dieses Postings als Pranger sowie sein denunziatorischer Inhaltverletzen die Grenzen politischen Anstands im Umgang mit freier Presse undunabhangigen Medien. Der Versuch des Vizekanzlers der österreichischen Regierung, den persönlichen Ruf von Journalisten zu beschädigen und deren Glaubwürdigkeit zu untergraben, verstehen wir als einen Angriff auf einen der wichtigsten Grundwerte demokratischer Ordnung, die Pressefreiheit. Er gleichtd en Methoden der ungarischen und polnischen Regierung, durch Druck und Diffamierung die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten einzuschränken.

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, Sie haben sich in Deutschland mit Ihren offenen Worten in Interviews und Fernsehdiskussionen einen Namen gemacht. Umso mehr verwundert uns Ihre Zurückhaltung in diesem für die Meinungs- und Pressefreiheit eines europäischen Landes so wichtigen Fall.

Wir hoffen sehr, dass es in Wien einen Ort gibt, an dem pressefeindlichen und demokratieschädlichen Attacken durch österreichische Regierungsvertreter deutlich Einhalt geboten wird. Vielleicht ist dieser Ort ja das Bundeskanzleramt am Ballhausplatz."

stats