Der VÖZ hat große Erwartungen in den neuen Bu...
 

Der VÖZ hat große Erwartungen in den neuen Bundeskanzler

Franz Helmreich Fotografie
Gerald Grünberger zum Urheberrecht: "Weiteres Kapitel in der Stillstandsgeschichte Österreichs."
Gerald Grünberger zum Urheberrecht: "Weiteres Kapitel in der Stillstandsgeschichte Österreichs."

Interessensvertreter Gerald Grünberger bekräftigt die Forderungen der Printbranche; für die anstehende Generalversammlung erwartet er keine großen Veränderungen.



Dieser Artikel erschien bereits in der HORIZONT-Printausgabe 20/2016 vom 20. Mai. Hier geht's zum Abo

Big Expectations? Eigentlich immer, auch wenn die Mühlen des politischen Systems langsam mahlen. Gerald Grünberger, Doppelgeschäftsführer des Verlegerverbands VÖZ der Kauftageszeitungen und ÖZV der Zeitschriften, skizziert die Positionen zu aktuellen und strategischen Fragen, die die Medienhäuser verlegerischer Herkunft bewegen. 


Vorweg eine Frage, die sich auf ­einen Satz von "SN"-Wien-Korrespondent Andreas Koller bezieht, den ­dieser in seinem Beitrag zur "Mehrwert-Studie" des Verlegerverband geschrieben hat: "Würde sich die Kulturpolitik so verhalten wie die Medienpolitik, würde sie nur den Musikantenstadl und Andreas-Gabalier-Abende fördern. Und das Burgtheater und die Salzburger Festspiele links liegen lassen."

Für Grünberger ist das naturgemäß der Elfmeter ohne Tormann: "Sie meinen in Abwandlung eines Zitats von Ingeborg Bachmann, die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler? Fest steht: Der Verband Österreichischer Zeitungen hat in der Vergangenheit immer wieder Fehlentwicklungen im politischen System kritisiert, sich gleichzeitig jedoch auch als konstruktiver Partner politischer Verantwortungsträger positioniert und Lösungsvorschläge erarbeitet. Diesen Weg werden der VÖZ und seine Mitglieder mit Sicherheit auch in Zukunft beschreiten." Nachsatz: "Zur politischen Umsetzung setzen wir in den neuen Bundeskanzler Christian Kern große Erwartungen, nicht nur weil er auf Grund seines Studiums über fachspezifisches Wissen verfügt, sondern weil er auch als 'Printwerber des Jahres 2013' die Marktverhältnisse sehr gut kennt."


Frage der Mittelherkunft


Nun ist eines der virulent formulierten Themen der Verleger die Reform der Presseförderung. Grünberger dazu: "Vorschläge zur Reform der Presseförderung liegen grundsätzlich am Tisch. Gespräche mit den politischen Akteuren finden laufend statt, wiewohl die Priorisierung auf Grund der politischen Agenda und der aktuellen Herausforderungen nicht die höchste ist, so ist das Gesprächsklima dennoch gut."

Ein weiteres Thema in diesem Zusammenhang sei zweifelsohne die Finanzierung – also die Mittelherkunft. "Auch hier gibt es Vorschläge, wie dies zu bewerkstelligen sein wäre, allerdings gehen alle Beteiligten von einer größeren Gesamtlösung für das österreichische Mediensystem aus und so sind diese im Zusammenhang mit einer Umgestaltung des Rundfunkgebührenmodells zu sehen. Ich gehe davon aus, dass in dieser Frage im Herbst wieder Bewegung in die Angelegenheit kommen wird."

Bewegung gab es bereits bei der Publizistikförderung, folgend daraus muss sich etwa das Salzburger Kuratorium für Journalistenausbildung Gelder mit dem Wiener fjum teilen. "Was die Frage der Journalismus-Ausbildungseinrichtungen betrifft, steht der VÖZ im Zuge der Reform für eine deutliche Aufstockung der Mittel in diesem Bereich, nicht weil es zwei Einrichtungen gibt, sondern weil der Aus- und Weiterbildungsbedarf auf Grund der Digitalisierung gestiegen ist. Ansonsten ist es ganz einfach: Wettbewerb belebt das Geschäft – und das ist gut so." Im Wettbewerb sehen sich die Verlagshäuser insbesondere mit Online-Aggregatoren, Google, Facebook und Co – da scheint die Diskussion zwischen nationaler und EU-Gesetzgebung hin und her zu oszillieren. 


Urheber- und Leistungsschutzrecht


Grünberger: "Das Urheberrecht befindet sich auf EU-Ebene in einem Reformprozess. Das Justizministerium hat sich in der Frage Leistungsschutzrecht – trotz vollmundiger Ankündigungen – letztendlich dem Diktat der Wirtschaftskammer gebeugt. In wessen Interesse hier agiert wird, bleibt eigentlich fraglich." Trockene Nachbemerkung: "Ein weiteres Kapitel in der Stillstandsgeschichte Österreichs."


Postvertrieb unter der Lupe


In der ÖZV-Agenda für 2016 ist auch über Vertriebskonditionen mit der Post zu lesen – wo liegen die Probleme? "Die Österreichische Post ist ein von allen österreichischen Verlagen geschätzter Marktpartner", schickt Grünberger voraus. "Allerdings ist die Post von der digitalen Disruption betroffen und optimiert ständig ihr Angebot. Das ist einerseits verständlich, andererseits geht dabei gelegentlich die Preis-/Qualitäts-Schere auf. Hier sind vor allem kleinere Zeitschriften- und Fachverlage betroffen, bei denen die Vertriebskostenstelle bereits jetzt einen erheblichen Anteil ausmacht. Daher ist der ständige Dialog in diesem Bereich wichtig und wird seitens des Verbandes auch immer wieder gesucht."


Seit Jahr und Tag verhandeln die Verleger und der ORF wegen Bewegtbildnutzung des Öffentlich-rechtlichen, zuletzt wurde die APA als quasi Clearingstelle benannt. "Um ein Bild zu zeichnen", führt Grünberger angesprochen auf die noch ausbleibende Umsetzung aus: "Die Kooperation zwischen ORF und den österreichischen Medienunternehmen verlegerischer Herkunft befindet sich in der spätembryonalen Phase. Zurzeit liegt die Angelegenheit bei der 'Geburtshelferin' Bundeswettbewerbsbehörde. Alle Beteiligten gehen von ­einer planmäßigen Geburt im Spätsommer dieses Jahres aus."


Neuwahlen Ende Juni 


Am 23. Juni findet die alljährliche Generalversammlung des Verlegerverbands VÖZ statt, traditionell am Vormittag mit öffentlich zugänglicher Vortragsrunde: "Die Generalversammlung wird auch dieses Jahr wieder einen Querschnitt der Themen, die Zeitungsverlage zurzeit beschäftigen, bieten", avisiert Grünberger die Themen: "(A)soziale Medien-Flipper – das knallharte Spiel um die Zukunft der Medien" von Karsten Kilian (Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt), "Print im Mediamix" von Oliver Brix (Leiter Tageszeitungs- und Digitalmarktforschung mit Schwerpunkt im Bereich Werbewirkungsforschung, Media Impact) und "Vertrauenskrise des Journalismus" von Bernhard Pörksen (Universität Tübingen). Im Rahmen des statutarischen Teils wird es turnusmäßig zu Neuwahlen der Organe des VÖZ kommen, "wobei ich nicht von großen Veränderungen ausgehe".
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