Der Tod als Werbeträger
 

Der Tod als Werbeträger

Mit provokanten Bildern von Todeskandidaten in amerikanischen Gefängnissen erregt Benetton wieder einmal Aufsehen.

New York - Zwei Jahre lang hat Benettons künstlerischer Direktor, Star-Fotograf Oliviero Toscani, Todeskandidaten in amerikanischen Gefängnissen besucht und fotografiert. Nun sollen sie helfen, weltweit italienische Mode zu verkaufen. Es ist nicht das erste Mal, dass der italienische Moderiese auf den Tod als Werbeträger setzt. Aufsehen hatten schon früher Plakate mit Bildern eines zum Skelett abgemagerten Aids-Kranken oder der blutverschmierten Kleidung eines im Bosnien-Krieg getöteten Soldaten ausgelöst.
Auch jetzt hagelt es wieder Kritik: Unter anderem kritisierte der Bonner Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) Benetton wegen der neuen Kommunikationskampagne. Der Geschäftsführer des Verbandes, Volker Nickel, meinte, es sei zynisch, das Leid von Menschen für Geschäfte auszunutzen. Benetton wolle offenbar wieder mit zweifelhaften Mitteln Aufmerksamkeit erregen, so Nickel.
Firmenchef Luciano Benetton reagiert indessen gelassen: "Wir werden weiterhin keine traditionelle Produktwerbung machen." Nicht zuletzt sei die Reklame mit der blutgetränkten Kleidung "in Japan als beste Werbung des Jahres ausgezeichnet" worden. Es sei die Absicht seines Unternehmens, zu den großen Themen unserer Zeit Stellung zu nehmen, "um Energie abzustrahlen", so Luciano Benetton.


Doch kann all das den Verkauf von Kleidung ankurbeln? "Aber sicher", meint zumindest ein Benetton-Händler in New York und verweist auf die "erprobte Philosophie des Firmenchefs": Zwischen zwei Pullovern mit gleicher Qualität und gleichem Preis würden sich Kunden für die Marke entscheiden, die mit einer Botschaft käme.

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