"Der Standard" feiert 25. Geburtstag
 

"Der Standard" feiert 25. Geburtstag

Die Tageszeitung stellt sich mit der zuletzt erfolgten Zusammenlegung von Print und Online dem neuen Medienzeitalter

Am 19. Oktober 1988 erschien die erste Ausgabe der Tageszeitung "Der Standard" in einer Startauflage von 80.000 Exemplaren. 25 Jahre später hat sich das lachsrosa Qualitätsblatt längst einen fixen Platz in der heimischen Printlandschaft erarbeitet. Für Gründer Oscar Bronner ging es darum, eine "intelligente, mündige, überregionale Tageszeitung" zu schaffen, "die von allen Interessengruppen unabhängig ist", wie er es damals in der Blattlinie formulierte. Dieser Anspruch wird mittlerweile nicht nur in Print, sondern auch online verfolgt, wagte "Der Standard" doch bereits 1995 als erste deutschsprachige Tageszeitung den Schritt ins World Wide Web.

Bis dahin hatte man bereits etliche Neuerungen hinter sich gebracht: Anfangs mit Hilfe des Axel Springer Verlags ins Leben gerufen, erschien "Der Standard" zunächst fünf mal pro Woche und verzichtete auf Chronik- sowie Sportressort. Die heutige Wochenendbeilage "Album" wurde im März 1989 aus der Taufe gehoben, es dauerte aber noch bis zum April desselben Jahres, bis auch der Samstag drucktechnisch bedient wurde. Im Laufe der Zeit kamen das freitägliche "Rondo" sowie etliche Spezialseiten hinzu, seit 2005 gibt es etwa immer montags eine Auswahl von Artikeln der "New York Times".

Das US-Blatt kann auch als Ursprung des "Standard" bezeichnet werden. Bronner, der sich bereits in den 1970ern als Gründer von "profil" und "trend" einen Namen gemacht hatte, fand ab Mitte des Jahrzehnts seinen Lebensmittelpunkt im Big Apple, wo er sich der Malerei widmete. Die tägliche Lektüre der "New York Times" brachte den Wunsch hervor, wieder in den Journalismus einzusteigen. Nach der Rückkehr nach Österreich sowie etlichen Gesprächen und Sondierungen kam es Ende der 1980er dann zur Zeitungsgründung.

Wobei man Anfangs "zwischen Butterbrot und Blattsalat in wenigen Wochen 200 Bewerbungen" sichtete, um die Mannschaft zusammenzustellen, wie sich der ehemalige Chefredakteur Gerfried Sperl auf der Homepage des "Standard" an die Gründungsphase erinnert. Der Titel wiederum sei "zwischen südost-steirischen Weinstöcken" entstanden, wo Sperl in einem Konversationslexikon blätterte und auf die Bedeutung von Standard als "Behauptung eines hohen Kulturniveaus" stieß. So wurden Vorschläge wie das von vielen favorisierte "Wirtschaftsblatt" oder "Der Delphin" letztlich ad acta gelegt, wenn es auch bei Gründer und Herausgeber Bronner nur "Liebe auf den zweiten Blick" war, wie Sperl schreibt.

Abseits namenstechnischer Finessen brauchte das Blatt einige Zeit, um sich wirtschaftlich zu stabilisieren. 1995 nahm Bronner einen 200-Millionen-Schilling-Kredit bei der Bank Austria auf, um Springer auszukaufen. Drei Jahre später wurde die "Süddeutsche Zeitung" als Partner an Bord geholt, zum 20. Geburtstag des "Standard" wanderte aber auch dieser Anteil wieder in Bronners Hände. "Wir sind in einem so stark konzentrierten Markt eine Art gallisches Dorf, das auf niemanden Rücksicht nehmen muss", kommentierte der Herausgeber damals den Rückkauf. "Das ist mir sehr sympathisch."

Sperl wurde 2007 als Chefredakteur von Alexandra Föderl-Schmid abgelöst, die schließlich im Vorjahr auch zur Co-Herausgeberin bestellt wurde. Bronner kündigte zu diesem Zeitpunkt an, sich zunehmend zurückziehen und seiner Malerei widmen zu wollen. Gleichzeitig kam es zu einer stärkeren Verzahnung von Print und Online, was letztlich in einer Zusammenlegung der zuvor getrennten Redaktionen resultierte. Für Bronner ein wichtiger Schritt, um mit "diesen Weichenstellungen unsere beiden bisher sehr erfolgreichen Medien besser durch eine schwieriger werdende Zukunft" zu führen.

Zumindest die jüngste Entwicklung im Printbereich dürfte den Gründer positiv stimmen. Laut aktueller Media-Analyse konnte sich der "Standard" 2012/13 bei der nationalen Reichweite im Verhältnis zum Vergleichszeitraum 0,5 Prozent steigern und kam auf 5,3 Prozent. Damit erreicht das Qualitätsblatt durchschnittlich 382.000 Leserinnen und Leser.

(APA)
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