"Der Radiotest ist ein Instrument aus dem let...
 

"Der Radiotest ist ein Instrument aus dem letzten Jahrhundert"

Stephan Rauch Photo
Florian Novak sieht in der aktuellen Krise auch eine Chance.
Florian Novak sieht in der aktuellen Krise auch eine Chance.

Lounge FM-Geschäftsführer Florian Novak fordert eine große Radiotest-Reform.

Die fehlerhaften Radiotest-Zahlen sorgen weiter für hitzige Diskussionen rund um die Erhebung. Nun hat sich Florian Novak, Gründungsgesellschafter von Radio Energy Wien und heutiger Geschäftsführer bei Lounge FM, zu Wort gemeldet und eine Reform des Radiotests gefordert. In einem Interview mit dem "Standard" sagt Novak: "Der Radiotest ist ein Instrument aus dem letzten Jahrhundert, das der dynamischen Veränderung in der Mediennutzung ohnehin nur unzureichend Rechnung trägt." Allerdings stecke in der aktuellen Krise auch eine Chance, eine Reform sei "überfällig". Wenn es nach Novak ginge, sollten Methode und Auftraggeber überdacht werden.

Hintergrund: Beim Radiotest werden jährlich mehr als 20.000 Menschen befragt, welche Sender sie hören. Diese Methode steht derzeit noch nicht in der Kritik. Zu den Fehlern kam es erst bei der Auswertung der erhobenen Daten durch die GfK. Mitarbeiter haben die Daten offenbar nach Bauchgefühl geglättet (HORIZONT berichtete). Nach Bekanntwerden der falschen Zahlen trat der GfK-Austria-Chef zurück

Florian Novak sagt nun, es müsse in Zukunft "ein faires und nichtdiskriminierendes Abbilden der gesamten Audionutzung" gewährleistet sein. Das inkludiere auch die Freien Radios, das Kinderradio, aber auch Audiodienste wie Spotify und Apple Music. "Methodisch muss man hier auf Echtzeitdaten setzen, mit einem entsprechend vorbereiteten Smartphone, das die Audionutzung mittrackt – auch heute keine Hexerei."

RTR als Auftraggeber?

Wichtig sei zudem, dass der Radiotest in Zukunft nicht mehr durch die Sender in Auftrag gegeben werde, sondern "von einem unabhängigen Dritten wie zum Beispiel der RTR". Derzeit zahlen ORF und die RMS-Radios einen Großteil der Erhebung. "Im Ergebnis wäre das auch eine wirksame Förderung des Marktes, weil eine Infrastruktur ohne Verzerrung des Wettbewerbs allen Stakeholdern am Markt zugute kommt und vielleicht auch die Entscheidungsgrundlage der Medienbehörde verbessert."

"Es geht nicht um einzelne Sender"

Derzeit sei jedenfalls "völlig unklar, warum gepanscht wurde", sagt Novak zum "Standard". Wer von den Fehlern der GfK profitierte, und wer nicht, interessiert den Lounge FM-Chef nicht: "Es geht jetzt nicht um einzelne Sender, sondern darum, das Vertrauen in die Branche und ihre Währung wiederherzustellen. Eine künftige neue Methode, die nicht unter Verdacht steht, Einzelne zu diskriminieren oder zu bevorzugen, das wäre zum Wohl aller."

Inzwischen hat sich auch Corinna Drumm, Geschäftsführerin des Verbandes Österreichischer Privatsender (VÖP) zu Wort gemeldet. Gegenüber HORIZONT sagt sie zur Causa Radiotest: "Was da zutage gekommen ist, ist klarerweise sehr unerfreulich. Jetzt ist es wichtig, einerseits genau zu analysieren, wo und wie die Fehler passiert sind, andererseits die korrekten Daten zu ermitteln. Erst dann ist eine umfassende Beurteilung des Sachverhalts und die Entscheidung über die weiteren Schritte möglich."
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